Wem traue ich?

Prophetinnen und Propheten sind Teil unseres Lebens, Teil unserer Wirklichkeit. Sie deuten Vorfindliches und geben ihre Spekulationen über die Zukunft zum Besten, egal ob ihr Thema das Wetter, die Wirtschaft oder die Politik sind. Und immer wieder bleibt die Frage: Wem traue ich? 

Der Prophet Jeremia gibt Hinweise, er will uns helfen, aber stiftet gleichzeitig auch Verwirrung

16 So spricht der Herr Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch, sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des Herrn. 17 Sie sagen denen, die des Herrn Wort verachten: Es wird euch wohlgehen –, und allen, die im Starrsinn ihres Herzens wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. 18 Aber wer hat im Rat des Herrn gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört? 19 Siehe, es wird ein Wetter des Herrn kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. 20 Und des Herrn Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen. 21 Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie. 22 Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren. 23 Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? 24 Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe?, spricht der Herr. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt?, spricht der Herr. 25 Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. 26 Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen 27 und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, so wie ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal? 28 Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?, spricht der Herr. 29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

Ich brauche die Gabe der Unterscheidung. Aber woher soll ich sie nehmen?

Es gibt keine sicheren Kriterien, aber es gibt Hinweise: Haben die Prophetinnen und Propheten wirklich etwas anzusagen oder dient ihre Rede eher ihrer eigenen Eitelkeit? Geht es um den Willen Gottes oder die menschlichen Träume von einer besseren Welt? 

Falsche Propheten sind Menschen, die verharmlosen, sind Menschen, die nur beruhigen wollen, sie reden nur, was andere hören wollen. Sie sind eitel und selbstgefällig. 

Es gibt keine letztgültigen Kriterien. Aber die Gemeinde Jesu Christi muss sich immer wieder fragen, inwieweit jede Prophetie sich im Licht Jesu Christi bewegt, wie weit sie von ihm und seinem Advent redet. 

‚Gottes Wort ist wie Feuer und wie ein Hammer‘ höre ich bei Jeremia, da stellt sich die Frage: erkenne ich wahre Prophetinnen und Propheten vielleicht an Ihrer Leidenschaft, wie sie sich engagieren, dass Menschen das Wort Gottes hören und damit leben?

Vielleicht muss ich aber auch erkennen: Hier redet ein Prophet, der anderen zutraut selber Prophetinnen oder Propheten zu sein. Ich darf Prophet Gottes sein. Und dann kann ich mich fragen: wie rede ich mit meinen Mitmenschen und wie rede ich von Gott? 

Ich bin vielleicht der Prophet, mit dem Jeremia hier redet und darum muss ich mich von ihm fragen lasse: rede ich, um etwas darzustellen oder um Gottes Wort in die Mitte zu stellen. Rede ich, um etwas zu verändern (vielleicht auch mich) oder rede ich, dass alles bequem ist?

Und wenn jemand Patin oder Pate wird, dann erhält er ein besonderes kirchliches Amt und muss sich fragen lassen nach seiner Kompetenz und nach seiner Bereitschaft sich einzusetzen. Geht es ihm um dieses Kind, dem er das Evangelium sagen darf und mit dem er die Liebe leben lassen darf. Oder geht es vielleicht doch nur um die eigenen Person, die sich aufgewertet fühlen darf. Ob man das immer so genau trennen kann. Ich bin da unsicher. Aber vieles wird sich erweisen an dem, was ich bin – für mein Patenkind, für die Menschen. 

Und das ist auf mein ganzes Leben erweiterbar: ich darf Gottes Wort sagen, ich darf es leben, ich darf mit seinem Geist mein Leben gestalten. Und die Menschen werden spüren, ob ich wirklich lebe um Gottes Willen, oder um Mittelpunkt zu sein, von was auch immer.

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