Den Tag vor dem Abend loben – Predigt Eph 1,3ff

Predigt: Eph 1,3ff – den Tag vor dem Abend loben

 

Liebe Brüder und Schwestern,

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt.

Amen.

 

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!“

 

Ein geläufiges Sprichwort, ein Rat.

 

„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!“

 

Vernünftig, so zu denken, zu handeln?

 

Lieber erst einmal abwarten, damit sich am Ende keine Enttäuschung breit macht?

 

Nicht zu viel erwarten,

damit ich gegebenenfalls am Ende nicht frustriert dastehe?

 

Vernünftig oder eher eine Einstellung, pessimistisch oder sogar misstrauisch in den Tag zu gehen?

 

Bloß nicht zu früh freuen!

Wer weiß, was alles schiefgeht, was heute wieder für ein Bockmist passiert!

 

Gerade an Tagen, in Zeiten, die nicht zu den rosigen gehören, ist dieses Sprichwort, dieser Rat angebracht, kann man meinen.

 

Zeiten, in denen nicht alles rund, problemlos läuft

oder gar schwere Zeiten, in denen ich etwas durchzustehen habe und vielleicht gar nicht weiß, ob ich es überhaupt überstehe.

 

Wenn ich schwer krank werde oder einer meiner Lieben.

Wenn ich Ärger habe in meinem Umfeld, auf Arbeit oder in der Schule.

Wenn es Streit oder Missverständnisse gibt, die mein Leben belasten

oder wenn ich besonders harte Aufgaben zu bewältigen habe,

wenn ich z.B. jemanden pflege

oder es in meiner Ehe kracht,

eine Freundschaft auf dem Prüfstand steht,

ich eine schier unlösbare Situation zu meistern habe.

 

Und mal ehrlich:

Wenn ich mich an einem solchen Tag morgens aus dem Bett erhebe, dann ist mir auch gar nicht danach, den Tag zu loben, schon gar nicht vor dem Abend.

 

Woher soll ich auch die Kraft nehmen, optimistisch und womöglich mit Vorfreude in einen solchen Tag zu gehen?

 

Was soll es da schon zu loben geben?

 

Wie soll das bitte schön gehen?

 

Es geht aber!

 

„Es geht,“ sagen Menschen, die eben nicht an solchen Tagen die Flinte gleich so halten, dass sie sie sofort ins Korn werfen könnten,

Menschen,

die nicht die Decke über den Kopf ziehen und sich verkriechen, sondern sagen: Packen wir es an!

 

Solche Menschen verlieren ihren Optimismus nicht, weil sie sich auf das besinnen, was eben nicht im Argen liegt, weil sie sich bewusst machen, was gut ist in ihrem Leben und Kontinuität hat, was unumstößlich gilt für ihr Leben.

 

 

Da war einmal ein Mensch,

der hatte schwere Zeiten durchzustehen,

vielleicht saß er grad im Gefängnis,

als er erfuhr:

 

Es gibt Ärger in der Gemeinschaft,

dessen Teil ich bin.

 

Der Ärger:

Menschen versuchen,

andere auszugrenzen,

die sich ohnehin schon in der Minderheit befinden

und die einst aber die Mehrheit bildeten.

 

Man streitet sich auch darüber,

wer als Autorität anzuerkennen sei und wer nicht.

 

Hinzukommen Schwierigkeiten von außen,

andere Optionen,

sein Leben auszurichten

und auch ein Weltbild,

das dem eigenen völlig widerspricht.

 

Mit all diesen Problemen vor den Augen,

in dieser schweren Zeit,

besann sich dieser Mensch auf das,

was unumstößlich galt in seinem Leben,

was gut war,

machte sich bewusst,

was Kontinuität besaß trotz aller Umbrüche und Einsturzgefährdungen,

machte sich klar,

was er loben konnte,

obwohl der Tag noch nicht vorbei,

der Abend noch nicht angebrochen war.

 

Und es schrieb es auf,

schrieb einen Brief,

den Epheserbrief,

aus dem ich uns aus dem ersten Kapitel nun vorlesen:

 

 

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,

der uns gesegnet hat

mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

 

Denn in ihm hat er uns erwählt,

ehe der Welt Grund gelegt war,

dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe;

 

er hat uns dazu vorherbestimmt,

seine Kinder zu sein

durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens,

zum Lob seiner herrlichen Gnade,

mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.

 

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,

die Vergebung der Sünden,

nach dem Reichtum seiner Gnade,

die er uns reichlich hat widerfahren lassen in aller Weisheit und Klugheit.

 

Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss,

den er zuvor in Christus gefasst hatte,

um die Fülle der Zeiten heraufzuführen,

auf dass alles zusammengefasst würde in Christus,

was im Himmel und auf Erden ist,

durch ihn.

 

In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden,

die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen,

der alles wirkt,

nach dem Ratschluss seines Willens,

damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben,

die wir zuvor auf Christus gehofft haben.

 

In ihm seid auch ihr,

die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt,

nämlich das Evangelium von eurer Rettung –

in ihm seid auch ihr,

als ihr gläubig wurdet,

versiegelt worden mit dem Heiligen Geist,

der verheißen ist,

welcher ist das Unterpfand unsres Erbes,

zu unsrer Erlösung,

dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.“

 

 

Ein ganz schön erschlagender Text,

so viele Wörter,

so viel Inhalt,

so verschachtelt und überbordend.

 

Versuchen wir mal auf den Punkt zu bringen,

warum dieser Mensch den Tag vor dem Abend loben kann.

 

Was weiß er,

woran hält er sich fest in seine schweren Zeit?

 

Er hält sich fest an Gott, dem Vater,

denn er weiß:

Gott, der Vater hat mich gesegnet.

 

Das heißt:

Er gab mir und gibt mir,

was ich brauche.

 

Gibt mir Kraft,

ist gnädig mit mir,

macht mir Mut,

lässt mich nicht im Dunkeln drüber tappen,

was ich bin

und auf was ich vertrauen darf.

 

Er hat es bestimmt,

hat mich dazu vorherbestimmt,

vor allem,

war war und ist und sein wird,

sein Kind zu sein.

 

Woran hält sich der Mensch in seiner schweren Zeit noch fest?

 

Er hält sich fest an Jesus Christus,

an dem,

der ihm vergibt.

 

Der ihm vergibt,

woran er sich selbst schuldig gemacht hat in aller Auseinandersetzung,

hält fest an dem,

der ihn erlöst hat,

der ihn wissen lässt:

du wirst mein Erbe sein,

du wirst harte, schwere Zeiten durchmachen,

genau wie ich,

doch diese Zeiten werden dich nicht besiegen,

sondern du wirst siegreich aus allem hervorgehen,

auf Nacht folgt Morgen.

 

Und –

er hält sich in seiner schweren Zeit fest am Heiligen Geist.

Der wirkt in ihm,

der ist spürbar nahe,

gibt ihm Brief und Siegel auf all das,

was Gott Vater und Sohn ihm waren und sind und sein wollen.

 

In diesem Glauben,

mit diesem Wissen kann er den Tag bereits vor dem Abend loben.

 

Und wir?

Sie und Du und ich?

 

Jeder Christ,

jeder,

der sich zum dreieinigen Gott bekennt,

ihm vertraut und auf ihn hofft,

darf sich wie der Mensch,

der den Epheserbrief geschrieben hat,

auf eben diesen dreifaltigen Gott verlassen.

 

Darauf,

dass es herrlich ist

und wir es,

weil Gott es so vorherbestimmt hat,

herrlich finden dürfen,

zu glauben und zu wissen:

 

Ich bin ein geliebtes Kind Gottes,

dass nicht aus dieser Liebe fällt,

ganz egal,

was zerbricht oder über mich hereinstürzt im Leben.

 

Ich bin durch Jesus Christus ein erlöster Mensch,

ein Mensch,

dem vergeben wird,

was er selbst zu den chaotischen Zeiten beigetragen hat,

ein Mensch,

der mit Jesu Hilfe immer wieder neu anfangen darf.

 

Und:

Ich bin ein Geistträger,

bin versiegelt durch den Heiligen Geist,

trage unabwaschbar in mir all das,

was Gott mir sein will als Vater und Sohn.

 

All das gilt und kann uns den Tag vor dem Abend loben lassen,

so wie Gott es vorherbestimmt hat,

kann uns optimistisch statt pessimistisch auf das blicken lassen,

was vor uns liegt

und sagen lassen:

Packen wir es an im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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