Quo Vadis – wohin entwickelst Du Dich?

Liebe Gemeinde,
Quasimodogeniti: „Wie die neugeborenen Kinder“.
Die erwachsenen Täuflinge der Osternacht trugen zurzeit Jesu weiße Taufkleider. Diese wurden getragen bis zum ersten Sonntag nach Ostern. Mit ihren weißen Kleidern zeigen sie sich dann der Gemeinde beim Gottesdienst. Sie waren „neugeboren“, ein neuer Mensch in Christus: Quasimodogeniti.

Was das bedeuten kann, davon erzählt der Predigttext im Kolosserbrief 2,12-15:

„Unter diesem oder jenem Umstand ist etwas in mir gestorben“, dieser Satz ist sonst negativ behaftet. Die Hoffnung oder das Vertrauen oder die Liebe sind gestorben. Es kann auch anders sein. Mit diesem Satz kann Ärger in mir verrauchen. Hass und Egoismus können in mir absterben. Dieser Vorgang kann mich intensiv befreien.
Ich werde ein neuer Mensch: „Quasimodogeniti – wie neugeboren“.

Genau dies ist geschehen bei unserer Taufe. Die Basis ist gelegt, für diese Welt und für alle Zeiten. In uns ist das Schlechte gestorben und wurde Gutes eingesetzt. Wir sind bereit zum Guten. Tun müssen wir es allerdings selbst.

Die Tauferinnerung kann hier helfen. Diese Erinnerung schaut nicht wirklich zurück. Nein, sie blickt vorwärts. Uns wird bewusst, das Wesentliche ist bereits geschehen. Daraus entwickeln sich Fragen: Wie kann ich mich weiterentwickeln, zum Guten? Wer kann ich werden? Wohin wird mein Weg führen?

Der Schreiber unseres Predigttextes versucht, mit der Auferstehung Christi zu argumentieren. Die Auferstehung ist keine Rückkehr ins Leben, sie ist etwas Neues, Anderes, Unvorstellbares. Die Auferstehung, ist unbeschreiblich. Sie, liebe Gemeinde, und ich können an sie glauben. Aber argumentieren sie dies einmal bei Menschen, die unseren Glauben nicht teilen.

Für uns allerdings, die glauben können, wird deutlich: In der Auferstehung haben wir schon zu Lebzeiten Anteil an der Wirklichkeit Gottes. Die Philosophie will uns immer als kleines Rädchen im Weltgetriebe darstellen. Wir wissen allerdings, dass wir in Gottes Getriebe schon viel Großes bewegen dürfen.

Die Kraft Gottes wirkt in und durch uns. Gott macht nicht einfach alles neu. Er führt uns liebevoll in ein neues Leben. Ein heiles Leben, ein Leben in Liebe und Frieden. Ein Leben in Engagement für meinen Nächsten. Für Menschen, die meiner Hilfe bedürfen.

Ein Bild in unserem heutigen Text will besonders gedeutet sein: Ein Schuldbrief – Schuldschein wurde getilgt. Also eine Forderung gegen mich aufgelöst. Erleichterung greift bei mir Raum.

Nun stellen sie sich das zur Zeit des Textschreibers vor. Welch tiefes Aufatmen muss damals durch ein Haus gegangen sein. Zu dieser Zeit gab es keinen Schutz des Existenzminimums. Hattest du Schulden, konnte der Geber die ganze Familie in die Sklaverei verkauften. Als Schuldner warst du ausgeliefert.

Die Menschen in Kolossä kannten dieses Gefühl, nur zu gut. Sie wussten um die Angst, wenn das Damoklesschwert „Schuldschein“ über Ihrem Leben schwebte. Ihnen war das Elend bekannt, das eintrat, wenn ein solcher Schuldschein eingefordert wurde. Der Schreiber hat daran erinnert.

An diesem Bild gewinnt die Erlösung durch das Kreuz seinen tiefen Sinn. Wieviel wertvoller das Leben ist, befreit von drückender Last.

Ich muss das noch begreifen: Ich gehöre zu den Menschen, die durch Christus, von solcher Angst befreit wurden. Er lebt und will, dass wir Menschen auch leben. Darum hat er durch seinen Tod uns die Freiheit zugesprochen.

Von diesem gefährdeten Leben, damals, erzählt der Schreiber. Er möchte seinen Schwestern und Brüdern beim Verstehen helfen. Er will Ihnen sagen, dass sie mit ihrer eigenen Schuld und ihren Fehlern leben können und dürfen.

Sie müssen keine Angst mehr haben. Gott hat die Mächte und Gewalten entkleidet und öffentlich zur Schau gestellt. Die vermeintlich Großen haben all ihre scheinbare Macht verloren.

Es wird immer jemanden geben, der neue Anforderungen an mich stellt. Jemanden der mich unter Druck setzten will. Mächte und Gewalten können mich nicht mehr kaputt machen, Jesus hat mich befreit. Ich darf im Bewusstsein meiner Taufe leben. Ich kann lernen, wenn ich unter Druck gerate meinen Herrn um Hilfe zu bitten.

Ostern ist Auferstehung. Auferstehung wird uns hoffentlich nach dem Tode zu teil werden. Jesu Auferstehung wirkt heute schon mitten in unserem Leben. Das Gute in uns, das gestorben war, wird wiederbelebt. Wir spüren wie wichtig Glaube, Hoffnung und Liebe sind.

Seit Jesu Ostern ist alles anders. Wir sind auf den Namen Jesu Christi getauft. Durch den Glauben an den Auferstandenen ist jede und jeder noch dieselben Personen. Aber, wir sind nicht mehr dieselben Menschen.

Wir haben Leben und Geist durch Gott bekommen, wir dürfen jeden Tag in seinem Geiste leben. Unser Leben im Hier und Jetzt ist befreit, befreit von den Lasten die wir mit uns herumschleppen. Befreit zu einem neuen Leben in der Freiheit der Kinder Gottes. Jedes Osterfest und jeder Taufgottesdienst erinnert uns an dieses Geheimnis.

Es gibt sie, diese Mächte und Gewalten. Und immer wieder lasse ich mich in Beschlag nehmen von Ängsten und Sorgen. Wie auch von Ehrgeiz und Suche nach Anerkennung. Es sind Teile meiner Persönlichkeit.

Dies alles hat die Taufe besiegt. Das bekenne ich, auch wenn von diesem Sieg in meinem Auftreten nicht viel erkennbar ist. Ich muss, ich will lernen diesen Sieg in mir zum Vorschein kommen lassen. In der Substanz hat sich etwas verändert. Lassen sie uns ins Bewusstsein rücken, was seit Ostern unser Leben neu macht.
Quasimodogeniti: wir sind neugeborene Kinder.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus. Amen

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Michael Schäfer.)

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