Unser Leben – Strafe und Belohnung

Liebe Gemeinde,

wieder erzählt Jesus ein Gleichnis, indem er unser Leben, unsere Verantwortung vor Gott mit der Verwaltung eines Bauerngutes vergleicht. Er beschreibt dabei ein großes Gut mit vielen Knechten und Mägden, die mitarbeiten müssen. Über diese alle hat der Besitzer des Gutes einen Verwalter gesetzt. Heute würden wir von dem Manager einer Firma reden, das Ergebnis ist das gleiche.

Der Herr, der Besitzer hat ein Ziel: Er möchte, dass sein Gut ordentlich verwaltet wird. Also er will natürlich Gewinn aus seinem Besitz ziehen, aber nicht auf Kosten der Mitarbeitenden. Allen, die an dem Gut beteiligt sind, seien es die Knechte und Mägde, sei es der Verwalter, sei es der Besitzer selbst, soll es gut gehen.

Das leuchtet ein. Doch wie erreicht der Herr dieses? Er muss dem Verwalter vorgeben, was er will, und muss sich dann auf ihn verlassen. Denn der Herr ist selbst nicht anwesend, er kümmert sich nicht selbst darum, dafür hat er den Verwalter.

Und nun erzählt Jesus im Prinzip von vier verschiedenen Arten von Verwaltern. Der erste ist gut und tut genau das, was der Herr von ihm verlangt. Er sorgt für die Untergebenen und mehr für alle den Wohlstand. Dieser Verwalter wird belohnt werden.

Der zweite Verwalter dagegen wird nachlässig. Ihm dauert das alles zulange, er beginnt zu schludern und sucht seinen eigenen Vorteil. Er kümmert sich nicht mehr um das Wohl der Mitarbeitenden, sondern nützt sie schamlos aus. Dieser Verwalter wird vom Herrn nicht belohnt werden, sondern wird ein strenge Strafe erhalten. Jesus sagt: „Der Herr wird ihn in Stücke hauen lassen!“

Der dritte Verwalter ist ähnlich wie der zweite: Er kennt zwar seine Aufgaben, aber er handelt nachlässig und lässt schon mal fünfe gerade sein. Auch dieser Verwalter wird bestraft werden, nicht mit dem Tod, sondern mit schweren Schlägen, weil er den Willen seines Herrn nicht getan hat.

Und der vierte Verwalter? Er weiß gar nicht, was Sache ist. Er kennt seine Aufgabe nicht. Mit ihm hat nie jemand gesprochen und ihn aufgeklärt über seine Funktion. Eigentlich kann er also für sein Verhalten nichts. Doch auch dieser Verwalter wird bestraft werden, nicht so streng allerdings wie die anderen.

Jesus erzählt dieses Gleichnis, weil er seinen Zuhörern etwas verdeutlichen will, so dass es jeder verstehen kann.

Der Herr, der Besitzer, das ist Gott. Der Verwalter, das sind wir, jeder einzelne unter uns. Und was verwalten wir? Das Gut, das der Verwalter in der Geschichte betreut, ist noch am ehesten mit unserem Leben zu vergleichen. Und die Knechte und Mägde sind die Menschen, mit denen wir zeit unseres Lebens umgehen und in Berührung kommen.

Die Frage ist nun: Wie leben wir unser Leben? Unser Leben ist eine Aufgabe, die wir erfüllen müssen. Unser Leben ist uns von Gott geschenkt, und wir sollen etwas daraus machen.

Und jetzt gibt es verschiedene Arten von Menschen, die mit diesem Geschenk ganz unterschiedlich umgehen. Ich fange von hinten an: Beim vierten Verwalter: Was ist das für ein Mensch?

Dieses Art von Mensch hat von Gott nichts oder fast nicht gehört. Er kennt keine Gebote, kennt nicht die gute Nachricht von der Erlösungstat Christi. Er schlängelt sich durchs Leben, nicht ganz gut, nicht ganz schlecht.

Warum dieser Mensch noch nie etwas von Gott gehört hat ist unwichtig. Es mag ein Mensch auf einer fernen Insel sein, der noch nie einem Christen begegnet ist. Und obwohl ihn keine Schuld trifft, verlangt Gott doch etwas von ihm: Dass er so gut wie möglich handelt. Es ließe sich streiten, ob das nun von Gott gerecht ist – auf uns jedenfalls trifft es nicht zu. Denn wir alle kennen die Botschaft Gottes.

Der dritte Verwalter war der nachlässige. Dieser Mensch hat von Gott gehört, glaubt vielleicht auch auf seine Weise. Doch eigentlich ist ihm das alles viel zu anstrengend. Zu dieser Sorte Mensch gehören diejenigen, die sagen: „Glauben kann ich noch, wenn ich erst alt bin. Jetzt will ich erst einmal mein Leben leben!“ Er kennt Gott, er weiß, wie er leben sollte, doch er schiebt das von sich weg: Dieser Mensch wird eine harte Strafe erhalten.

Der zweite Verwalter wird noch härter bestraft werden. Das war der, der ganz bewusst gegen den Willen seines Herrn verstoßen hat, der seine Knechte und Mägde unterdrückte und misshandelte. Als Mensch kennt er den Willen Gottes, kennt die Gebote, kennt die Botschaft Christi. Doch er sagt – mehr noch als der vorherige Mensch: „Das ist blöd! Ich will anders handeln, ich breche mit Bewusstsein die Gebote, ich handele den ethischen Maximen Jesu entgegen. Ich handele so, wie es für mich gut ist; die anderen sind mir egal: Jeder ist sich selbst der Nächste! Zuerst komme ich, und dann kommt niemand mehr!“

Auch solche Menschen sind ihnen bestimmt schon einmal begegnet. Jeder von uns kennt sie, meistens verabscheut man sie. Diese Art von Menschen werden eine strenge Strafe erhalten.

Ich frage mich, zu welcher Art von Menschen wir gehören. Vielleicht sind wir so wie der erste Verwalter: Wir kennen den Willen Gottes und wir tun ihn auch. Dann würden wir von Gott belohnt werden.

Realistisch scheint mir das aber nicht. Denn jeder von uns hat doch die ein oder andere Leiche im Keller liegen. Wir kennen die Gebote, wir leben auch ganz gut danach, aber eben nicht so vollkommen, wie es möglich wäre. Ich glaube nicht, dass wir uns realistischer Weise mit dem ersten Verwalter vergleichen dürfen.

Vermutlich müssen wir uns irgendwo bei dem dritten Verwalter einordnen. Das war der, der etwas nachlässig mit seinen Aufgaben umgegangen ist. Wir kennen unsere Aufgaben, wir wissen, wie wir leben sollten, aber manchmal handeln wir doch anders. Es ist für uns doch manchmal bequemer, unsere Augen vor dem Leid und Elend der Welt zu verschließen. Es fällt uns leichter, uns nur um unsere Belange zu kümmern und die anderen außen vor zu lassen. Wir sagen: „Wir können uns nicht um jeden kümmern.“ – und werden dadurch schuldig.

Wie wird unsere Strafe aussehen? Der Knecht in dem Gleichnis wird viele Schläge erleiden müssen, aber, und das ist das Wichtige für mich, dann wird er von Gott aufgenommen werden. In der katholischen Kirche gab es dafür den Begriff des Fegefeuers: Eine zeitlich befristete Strafe, nach deren Verbüssung der Mensch dann ins Paradies zu Gott eingehen darf.

Ich denke, dass diese Strafe bereits verbüßt ist: Am Kreuz durch Christus. Er hat für mich, für uns gelitten, hat die uns zustehende Strafe bereits verbüßt. Was aber nicht bedeutet, dass ich mich nun wie der zweite Verwalter benehmen darf: Als Egoist und nur auf das Meine bedacht!

Sondern wenn ich auf Christus baue, wenn ich mich auf ihn und seine Heiltat am Kreuz berufe, dann heißt das auch: Ich versuche in meinem Leben so gut wie möglich zu leben. Ja, ich bin schuldig geworden in manchen Fällen. Ich habe Menschen betrübt, ich habe ihnen nicht geholfen, ich habe weggeblickt. Und ich werde auch in Zukunft schuldig werden. Ich kann gar nicht anders, das gehört leider zu meinem Menschsein dazu. Und doch sehe ich es als meine Aufgabe, mein Leben möglichst gut zu gestalten: Als Ziel so zu sein wie der erste Verwalter, auch wenn mir das wohl nie ganz gelingen wird.

Gott hat uns als Verwalter über unser Leben gesetzt. Er hat uns eine große, eine anspruchsvolle Aufgabe erteilt: Machen wir etwas daraus, auch wenn wir immer an unsere eigenen Grenzen stoßen werden.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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