Krisen engagiert meistern

Liebe Gemeinde,
gleich lese ich uns den Predigttext des heutigen Sonntags. Es könnte sein, dass er Sie ein wenig verwundert. Diese Textstelle ist uns recht unbekannt. Das Gleichnis hat etwas Überraschendes, eher Befremdliches. Und lässt uns an aktuelle Fragestellungen und Probleme denken.

Hören Sie die Worte bei Lukas 16,1-7, Lutherbibel.

Soweit erst einmal. Den Schluss des Gleichnisses, Jesu Aussage, lese ich etwas später.

Was sagen Sie dazu? Wahrscheinlich, das ist eine Geschichte von einem vorsätzlichen und wiederholten Betrug. Ein Geschäftsführer hat den Chef seiner Firma hintergangen. Das hat eine fristlose Kündigung zur Folge.

Was macht der Geschäftsführer? Er ruft Leute zu sich, die bei seinem Chef in der Kreide stehen. Er macht einen Deal, einen Handel, mit ihnen. Er veranlasst die Fälschung von Unterlagen, den Schuldscheinen. Er halbiert deren Schulden oder reduziert sie wenigstens. Der Chef wird das schon nicht merken. Das Ganze unter dem Tenor; dafür helft ihr mir aber später, wenn ich auf der Straße stehe.

Schlimmer geht’s doch eigentlich gar nicht. Das erinnert uns in unangenehmer Weise an Nachrichten, in denen es um Unregelmäßigkeiten oder offensichtlichen Betrug geht. Über diese Punkte sind in jüngster Vergangenheit einige Spitzenmanager und Politiker in Verruf geraten. Sind sogar daraufhin verurteilt worden. Auf jeden Fall, in unserer Geschichte geschieht etwas Verwerfliches, Schädigendes.

Halbieren der Schulden: Mit Griechenland wurde das gemacht, bei einigen Endwicklungsländern ist es vorgeschlagen. Das ist vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings, das Geschrei seitens der Banken ist groß. „Das geht doch nicht! Wir machen keine Gewinne mehr, das Wachstum (der Großbanken) kommt zum Erliegen. Arbeitsplätze sind in Gefahr und unser ganzes Wirtschaftssystem gerät ins Wanken.“ Ergo: Wenn Schulden gemacht werden, müssen sie auch ordnungsgemäß zurückgezahlt werden. Übrigens unser Wirtschaftssystem baut darauf, zieht seine Gewinne daraus. Nicht umsonst werden einem an jeder Ecke Kredite hinterhergeworfen.

Die Botschaft des Neuen Testamentes ist dafür bekannt, an der vermeintlich festen Ordnung unserer Welt kräftig zu rütteln. Das fängt damit an, dass Jesus sich besonders den Armen, Kranken und Rechtlosen zuwendet. Eine seiner tragenden Aussagen ist: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie sollen Gottes Kinder heißen.“ Und mit seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung widersetzt er sich der scheinbar unwiderruflichen Macht des Todes.

Auch durch unseren Predigttext wird an Ordnungen gerüttelt. Luther überschrieb es mit: „der unehrliche Verwalter“. Wir haben uns beim Hören vielleicht gewundert. Warum erzählt Jesus ausgerechnet eine solche Geschichte, die hat doch nichts Gutes? Und noch haben wir ja gar nicht gehört, was Jesus mit diesem Gleichnis sagen will. Hören wir, wie es weitergeht.

Hören Sie die Worte bei Lukas 16,8-9, Lutherbibel.

In der Guten-Nachricht-Bibel sind diese zwei Verse so übersetzt: „Jesus lobte den betrügerischen Verwalter wegen seines klugen Vorgehens, und sagte: „Die Menschen dieser Welt sind, wenn es ums Überleben geht, viel klüger als die Menschen des Lichtes. Ich sage euch, forderte Jesus seine Jünger auf, nutzt das leidige Geld dazu, durch Wohltaten Freunde zu gewinnen. Wenn es mit euch und eurem Geld zu Ende geht, werden sie euch in der neuen Welt Gottes in ihre Wohnungen aufnehmen.“

Was sagen Sie jetzt, haben Sie das von einem Gleichnis erwartet? Ein Betrüger wird gelobt und praktisch als Vorbild hingestellt! Wo würde das hinführen, wenn Menschen, in verantwortlicher Position, sich so verhielten? Egal ob in Wirtschaft, Politik oder auch als Privatleute. Das soll die Verkündigung des Evangeliums sein? Klingt doch eher nach Mafia-Methoden!

Interessant, dieses Gleichnis ist nur beim Evangelisten Lukas zu finden. Es wird als eines der schwierigsten Gleichnisse angesehen. Ein Theologe soll es vor 100 Jahren als das „grauenvollste der Gleichnisse“ bezeichnet haben. Grauenvoll und verhängnisvoll wäre es sicher, wenn man diese Aussage als Lehre heraushören würde.

Es kommt also nur darauf an, geschickt den eigenen Vorteil zu nutzen. Selbst aus der verfahrensten Situation noch etwas zu machen. Oder stets nach der Devise zu handeln: „Eine Hand wäscht die andere“. All das ist uns wohl bekannt. Doch dies aus der Bibel zu hören, ist einigermaßen befremdend.

Erinnern Sie sich noch an das Schlagwort: „Gier macht Krieg“? Das gehörte Gleichnis ist aber zunächst Gier pur. Gier nach Geld und Anerkennung. Gier, gut dazustehen oder irgendwie ungeschoren davonzukommen. Gier, so wissen wir aus der Geschichte der Menschheit, vergiftet das Miteinander. Gier führt zu Gewissenlosigkeit und Ungerechtigkeit und ist dem Frieden keineswegs zuträglich.

Von Jesu hören wir immer wieder, dass er für das Miteinander der Menschen eingetreten ist. Warum dann dieses Gleichnis?

Ja, Mühe macht es schon, aus Jesu Geschichten die frohe und befreiende Botschaft herauszuhören. Wie kann uns das Evangelium dazu anleiten, von der Gier nach dem „immer Mehr“ wegzukommen? Wie kommen wir zu einer Welt, in der es ehrlich, gerecht und friedlich zugeht?

Wir hören noch einmal die Worte, mit denen dieses Gleichnis endet: „Die Menschen dieser Welt sind, wenn es ums Überleben geht, viel klüger als die Menschen des Lichtes. Ich sage euch, nutzt das leidige Geld dazu, durch Wohltaten Freunde zu gewinnen. Wenn es mit euch und eurem Geld zu Ende geht, werden sie euch in der neuen Welt Gottes in ihre Wohnungen aufnehmen.“

Kinder der Welt – Kinder des Lichts, ein im Neuen Testament immer wieder genannter Gegensatz. Er zeigt auf der einen Seite Menschen, die von Jesus Christus noch nichts gehört haben oder nichts von ihm halten. Auf der anderen Seite diejenigen, die von ihm, dem Licht der Welt, angesprochen und angerührt sind.

Jesus nennt hier die Kinder der Welt klüger als die Kinder des Lichts. Sie finden Taktiken und Möglichkeiten in Krisen zu Überleben. Wohlgemerkt, Jesus nennt den Verwalter weiterhin betrügerisch. Und dass, was dieser tut, heißt er nicht gut. Aber, er nennt es klug, was der Verwalter dort tut. Jesus sagt, er macht in seiner verfahrenen Situation das einzig Richtige. Dieser Mensch handelt nüchtern und ohne Zeit zu verlieren. Und das können wir von diesem Verwalter lernen. In unserer Welt und mit den Mitteln, dem Geld, dieser Welt zu leben und zu arbeiten, dass es Menschen nützt.

Dass dafür nicht jedes Mittel recht ist, wusste Jesu natürlich auch. Jesus hat sich hier keine Ausnahme erlaubt, dessen war sich auch der Evangelist Lukas sicher. Nein, es geht um die „Kinder der Welt“. Wir sollen im alltäglichen, materiellen Bereich, so agieren, dass Menschen leben und überleben können. Die einzelnen Schuldner, litten damals viel mehr unter Ihren Lasten als wir heute. Und sicherlich auch der Verwalter unter seiner. Der Verwalter hat sie ein Stück weit entlastet. Entschuldet, wäre der modernen Begriff heute. Und durch dieses umsichtige Reagieren, hat der Verwalter klug gehandelt; sagt Jesus.

Martin Luther äußerte einmal: „Wir sind als Menschen immer zugleich gerecht und schuldig – oder sündig.“ Aus diesem Dilemma kommen wir nicht heraus. Das kann uns lähmen und zum Nichtstun verführen, aus lauter Angst etwas falsch zu machen. So soll es unter uns Christen nicht sein, so unentschlossen dastehen und nichts tun. Voller Vertrauen, ehrlich und entschlossen handeln. Mit dem Bewusstsein, niemals alles richtig machen zu können. Geschweige denn perfekt zu sein, das entspricht der Botschaft Jesu.

„Seid klug wie die Schlangen“, hatte Jesus auch einmal gesagt. Damit gebrauchte er das Bild eines listigen Lebewesens. Er forderte seine Jünger auf, alles Negative in der Welt zu überlisten. Gier, Macht und Krieg sollen nicht das letzte Wort haben, so nach dem Motto: „Gnade uns Gott“.

Sondern Gottes Gnade ist es, das wir kluge Entscheidungen treffen sollen und können. Wir Menschen sollen überleben und unser Leben so gestalten, wie es sein Wille ist. Mitten in dieser Welt, mit dem Blick und in der Hoffnung auf die neue Welt, die kommt.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre uns vor Krieg, Macht und Gier. Und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Bernd Krefis.)

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