Honigbrot als Symbol der Ermutigung (Erntedankgottesdienst „Ohne Bienen geht es nicht“) Exodus 16

Predigt am 20.10. 2017 im Erntedankgottesdienst

Predigttext: Exodus 16,2-3.11-18 (Predigtreihe VI, 7. Sonntag nach Trinitatis)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Manna- was ist das?

Zuerst einmal ist das Wort Manna eine sprachliche Deutung. Aus dem hebräischen „Man hu“ setzt es sich zusammen. Das heißt: Was ist denn das?

Das haben wohl die Israeliten gefragt, als sie das Manna in der Wüste sahen.
Wahrscheinlich war das Manna Honigtau von den Schildläusen, die auf den Tamarisken saßen und ihn abgesondert haben.
So ähnlich entsteht heute Waldhonig. Der ergibt sich dadurch, dass Bienen den Honigtau von Läusen sammeln und daraus Nektar machen.

 

Manna ist also ein Honigprodukt. In der biblischen Geschichte hat es eine symbolische Bedeutung. Es steht dafür, dass Gott die Menschen versorgt. Nicht nur mit trockenem, sondern sogar mit wohlschmeckendem Brot.

Nein, es geht hier nicht um Luxus. Im Gegenteil: Die Israeliten gehen einen mühsamen Weg. Einen entbehrungsreichen Weg. Sie haben ein Ziel vor Augen: Das Land Kanaan. Gott hat es ihnen versprochen. Es soll ein Land sein, in dem Milch und Honig fließt.

Aber zur Zeit merken sie nichts von Milch und Honig. Die Wüstenzeit ist eine dürre Zeit. Der Weg von Ägypten ist ihnen schon sehr lang geworden. 40 Jahre Wüstenwanderung sollen es insgesamt gewesen sein. Mehr als eine Generation. Die Israeliten sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Trotz der Sklaverei, die sie dort erlebt haben. Im Nachhinein erscheinen die Erinnerungen im schönen Licht. Obwohl sie damals sehr gelitten hatten unter harter Arbeit und Gewalt.

Aber die gegenwärtige Situation erschien ihnen noch viel schlimmer zu sein. Sie erlebten existentielle Not. Sie waren erschöpft und hatten Hunger. Dass sie klagen, ist nur allzu verständlich.

 

Sie bekommen Hilfe. Erst kommt ein ganzer Schwarm Wachteln geflogen. Dann kommt der Honigtau. Alles kein Zauber, sondern normale Vorkommnisse in der Wüste. Der Punkt ist der, wie sie gedeutet werden. Das Volk Israel deutet das Manna als Wunder vom Himmel. Weil sie so glücklich sind und dankbar.

 

Eines wird allerdings in der Geschichte gerügt: dass nämlich einige von den Israeliten zu gierig sind und sich gleich Vorräte sammeln wollen. Das gelingt aber nicht. Das Manna ist nicht haltbar. Es verdirbt.

Mose hatte ihnen gesagt: Sammelt nur für den heutigen Tag!

 

Was hat die Geschichte vom Manna uns heute zu sagen- abgesehen davon, dass es eine schöne Honiggeschichte aus der Bibel ist?

Drei Punkte will ich nennen:

  1. Sie zeigt: Es gibt Hunger. Es gibt Mangel. Es gibt Ängste ums Leben.

Den Hunger der Israeliten werden die Wenigsten von uns heute noch nachfühlen können. In Kriegs-und Fluchtgeschichten hören wir davon. Von der Angst ums Leben und ums Überleben. In den Nachrichten sehen wir Kämpfe um Wasser. Der Wassermangel und die Zugänge zu Wasser werden zunehmend der Auslöser für Streit und sogar für Krieg sein. Das kann uns nicht kalt lassen.

Im Fernsehen kommt es uns entfernt vor. Aber Menschen, die Sorgen um ihre Existenz gehabt haben oder haben, gibt es auch in Borbeck, in Neuenkruge und in Wiefelstede. Nicht nur geflüchtete Menschen, auch langjährige Einwohnerinnen und Einwohner unserer Gemeinde.

Der Bibeltext vom Manna schult zunächst erstmal unseren Blick, das wahrzunehmen, dass es Mangel und Sorgen ums Leben auch heute gibt.

Mich verlockt es, diesen Gedanken auch auf eine übertragene Ebene zu heben. Ich möchte nicht nur den Mangel an Essen und Trinken wahrnehmen, sondern auch den Mangel an Liebe, an Zuwendung, an Gesundheit, an Freude. Die Entbehrungen unserer Seele. Die können wir wahrscheinlich alle bestätigen. Jede und jeder von uns wird erzählen können von Sorgen, die wir uns machen, von seelischen Schmerzen, von Ängsten, von Ärger und Trauer. Von entbehrungsreichen Zeiten, wie sie die Israeliten erlebt haben, von Wüstenzeiten.

2. Die biblische Geschichte vom Manna will ermutigen. Sie sagt: Gott sorgt für uns. In allem, was uns zu schaffen macht, wird er uns Manna bieten, Brot fürs Leben, Stärkung und Hilfe. „Soviel du brauchst“ hieß vor ein paar Jahren der Kirchentag in Hamburg. Er bezog sich auf diese Manna-Geschichte. Darin steht ja, dass jeder und jede der Israeliten sammeln sollte, soviel er oder sie brauchte.

Gott will uns geben, was wir zum Leben brauchen.

Vielleicht erwarten wir manchmal ein himmlisches Wunder, aber sehen inzwischen gar nicht das Wunder, das sich im ganz normalen Alltag verbirgt. So, wie es mit den Wachteln und dem Honigtau geschieht.  Es ist wirklich eine Sache der Sichtweise.

Dafür ist der Erntedanktag da, so eine staunende Sichtweise einzunehmen und gerade heute, aber nicht nur heute mit den Augen der Dankbarkeit zu sehen.

Übrigens: Das Manna vom Himmel ist das eine. Das andere ist die Verteilung unter Reichen und Armen. In der Geschichte wird erzählt: Die einen sammelten viel, die anderen wenig. Und nachher hatten sie alle genug.

Diesen Aspekt können wir nicht ausblenden. Wenn wir zu den Reichen gehören, sollen wir den Armen geben. Gott wirkt mitten in unseren menschlichen Gegebenheiten und er wirkt auch durch Menschen. Das nimmt uns in die Verantwortung. Auch wieder im übertragenen Sinne: Wenn es uns psychisch gut geht, wenn wir eine gute Zeit haben, dass wir gerade innerlich stark sind, dann können wir in dieser Zeit verstärkt für andere ein offenes Ohr haben. Auch das meint die Verteilung von dem Manna.

3 .sagt uns die Bibelgeschichte: Geht sorgsam mit dem Manna um. Geht sorgsam mit dem um, was euch anvertraut ist. Dass das Manna verdirbt, als die Israeliten sich zuviel gesammelt haben, führt uns das vor Augen. Alles, was wir haben, ist auch zerbrechlich, verletzlich. Es ist uns ein Stück weit entzogen. Wir leben mit Unsicherheiten.

Schätzen wir das Wertvolle, das uns gegeben ist?

Hat jemand von Ihnen schon den Bestseller gelesen: „Die Geschichte der Bienen“? Wo die Lebensgrundlage der Familien zerstört wird, wenn die Bienenstämme sterben. Und wo in China schon längst die Blüten durch Menschen mit Pinseln bestäubt werden müssen, weil es keine Bienen mehr gibt und sonst keine Ernte mehr zu erwarten ist?

Die Empfindlichkeit der Bienen erinnert uns an die Empfindlichkeit der Schöpfung. Wir müssen sie wertschätzen und bewahren.

Amen.

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