Heilung für die Menschen

Für manche ist Jesus auch heute der große Star. Und so haben manche auch die Vorstellung: Jesus war wie ein Popstar. Er wurde gefeiert und er ließ sich auch gerne feiern. Da existiert die Vorstellung von Jesus, der im Applaus gebadet hat. Die biblischen Texte erzählen aber eher davon, wie die Menschen ihn gesucht haben, auch wenn etliche gezweifelt haben, wer er nun wirklich ist.

Aber sie klammerten sich an seine Fähigkeiten, Menschen gesund zu machen. Und ihm war das Aufhebens, das viele um seine Person machten, gar nicht recht. Er versuchte sich zurückzuziehen, nicht aufzufallen. Er war eher das Gegenteil von einem Star. Das haben viele nicht verstanden. Davon erzählt die Bibel:

32 Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. 33 Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. 34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden; denn sie kannten ihn. 35 Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. 36 Und Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach. 37 Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. 38 Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. 39 Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

Da ist ein reges Kommen und Gehen. Eine große Bewegung rund um Jesus. Menschen erleben ihn und Menschen wollen was von ihm. Sie spüren seine besonderen Fähigkeiten und Möglichkeiten und bringen alle Kranken zu ihm, damit er sie heilt und er tut das. Aber er entzieht sich den Menschen auch und das irritiert.

Er könnte doch mit seinen großartigen Erfolgen nun eine ganz neue Mission beginnen. Erzählen, dass sie nur auf ihn hören müssen und alles wird gut. Gekonnt könnte er die positiven Gefühle der Menschen ausnutzen, Fanpostkarten drucken give-aways verteilen und so immer neue Fans gewinnen. Aber genau das wäre gegen seine Mission. Es geht nicht um seine Person. Die nimmt er zurück, es geht um das Reich Gottes, das mitten unter den Menschen angebrochen ist.

Jesus ist nicht der Star und auch nicht der Wunderheiler. Er kann heilen und darum tut er es. Weil er Sohn Gottes ist, kann er das, aber weil er Sohn Gottes ist, ist das nicht der Mittelpunkt und auch er selber will nicht im Mittelpunkt stehen. Er will die Botschaft vom Reich Gottes im Mittelpunkt sehen. Er will, dass alle Menschen Gottes Willen kennen und danach handeln. Und darum gibt es auch keine Tricks, kein Marketing, kein feines sich einschleichen bei den Menschen, sondern deutliche Worte. Er möchte zu allen Menschen und er möchte ihre Dämonen austreiben. Er möchte, dass die Menschen froh die Gegenwart gestalten können und von ihm lernen das auszutreiben, was Leben behindert, was Gemeinschaft zerstört.

In dieser Geschichte können wir einiges spüren. Wir spüren die Not der Menschen, die zu Jesus kommen und der nimmt sich ihrer Not an, begegnet ihnen freundlich, befreit sie von Belastungen, die sie zu tragen haben, von Dämonen unter denen sie leiden. Er nimmt sie in ihrem Leiden am Leben ernst, aber er benutzt weder ihr Leiden noch ihren Jubel, denn durch ihn sind sie nicht nur frei von Beschwerden, sondern wirklich freie Menschen, die darum auch nicht instrumentalisiert werden. Jesus liebt freie Menschen und bürdet ihnen nicht neue Gefangenschaften auf.
Vielleicht kann ich ja von diesem Jesus lernen, Menschen freundlich zu begegnen, ihnen auch dann zu helfen, wenn es eigentlich nicht meine Aufgabe wäre. Und vielleicht kann ich dann auch von Jesus lernen, mich selbst aus dem Fokus zu nehmen und Menschen nicht dazu zu benutzen, mich selbst groß zu machen.

Die Menschen damals haben Jesus wahrgenommen wegen seiner Wunder und haben ihn nicht so sehr wahrgenommen als den Sohn Gottes, der sich den Menschen zugewandt hat, der ihnen helfen wollte zu einem neuen Leben. Jesus will mit seinem Verhalten ihnen helfen, ihn richtig wahrzunehmen, ihn zu erkennen als den Sohn Gottes, der ihnen helfen will zu einem Leben in dem Bewusstsein: Wir sind Gottes geliebte Kinder, wir sind Schwestern und Brüder, die zusammen berufen sind in Gottes guter Welt zu leben, sie zu gestalten.

Dieses Bewusstsein, wertvoll zu sein, kann vielleicht mehr Menschen heilen als irgendwelche Medizin, weil es Menschen stark macht für das Leben.

Vielleicht ist das Wesentliche gar nicht, dass Jesus alle möglichen Krankheiten heilt, sondern dass er sich den Menschen zuwendet, die ihn brauchen, nicht um sich selbst einen Namen zu machen, sondern um sie ernst zu nehmen. Ich sehe voll Staunen wie Jesus den Menschen begegnet und ihnen hilft und nicht einmal den Dank abwartet, sondern sich zurückzieht um zu beten.

Und als ihn dann seine Jünger darauf aufmerksam machen, dass er ein gefragter Mann ist, will er davon nichts wissen. Er will woanders hingehen um zu predigen.

Das verwundert die Jünger wie uns. Jetzt hat er die Leute so weit, dass sie ihm aus der Hand fressen. Noch ein paar Heiligungen und Wunder. Dann hat er sie endgültig gefangen. Dann kann er sagen, was er will – sie hören und gehorchen.

Aber darum ist Gott nicht Mensch geworden. Er will nicht als Guru die Massen beherrschen. Er will Menschen gewinnen. Sie sollen die Botschaft so hören, wie sie ist und dann frei entscheiden, ob sie zu den Jüngerinnen und Jüngern dieses Wanderpredigers gehören wollen.

Er kann mehr als predigen und darum hilft er Menschen in Not. Aber dieses Mehr ist nicht ein Werkzeug, es ist eine Gabe.

Es geht um Jesu Vollmacht und ihre Bedeutung für die Menschen. Sein Handeln ist offenbar und für jeden erkennbar. Und doch verstehen die Menschen nicht, wer ihnen hier begegnet und was er für sie bedeuten kann. Jesus will, dass sie den Sohn Gottes erkennen, dass sie die Botschaft hören und dass sie ihr Leben neu orientieren.

Jesus ist nicht gekommen, um sich feiern zu lassen oder um etwas darzustellen. Deshalb zieht es ihn immer weiter. Er entzieht sich jedem Marketing, weil dadurch kein Heil kommt.

Er bietet sich den Menschen an als Weg zum Leben. Er kann dabei manche ihrer Gebrechen heilen. Aber um wirklich heil zu werden, müssen sie ihr Leben ergreifen, müssen sie beginnen, ihm zuzuhören und aus dem Gehörten zu leben als Gottes Kinder.

Jesus will Heilung für die Menschen und er weiß, dass Heilung mehr ist als die Befreiung von Dämonen und Krankheiten. Und uns traut er zu diese Heilung in die Welt zu tragen, wie er uns auch zutraut mancherlei Dämonen und Krankheiten zu heilen. Darum können wir losgehen, dass diese Welt eine bessere wird.

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