Gespräche über Gott, Leben und Tod, Geld und Moral (Markus 10, 17-27)

Eigentlich kommt alles zur Sprache, was ein spannendes Gespräch über Gott und die Welt ausmacht: Leben, Tod und Ewigkeit, die Moral und vor allem das Geld. Kommt es wirklich einmal dazu, das wir in einen ernsthaften Disput über unseren Glauben verwickelt werden – was eher selten geschieht, weil der ja so privat geworden ist, dass man darüber nicht spricht – , dann landen wir wahrscheinlich schnell auch bei diesen Themen: gibt es ein Leben nach dem Tod, brauche ich für die Moral und für die Ethik, also für ein gutes und verantwortliches Leben, wirklich Gott oder reicht da nicht auch eine humanistische Grundüberzeugung und wie hält es die Kirche mit dem Geld. Sie will ja immer nur unser „Bestes“, so die Vermutung…
Zeit also, das Liebgewordene oder längst Selbstverständliche zu hinterfragen!
Erste Beobachtung: Es wird über über Tod und Ewigkeit geredet, aber: es findet keine Meinungsumfrage und kein Glaubensmonitor statt!
Der würde folgendes ergeben: 35 % der Bundesbürger im Jahr 2017 bejahen die Frage nach dem Glauben an ein Leben nach dem Tod, aber 37 % verneinen sie, während 26 % keine differenzierte Meinung dazu haben. Den Menschen kommt der Glaube an das Leben nach dem Tod also abhanden. Und sie fragen erst recht nicht, ob es Vorraussetzungen oder gar Bedingungen dafür gibt. Für den jungen Mann ist diese Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, überhaupt nicht strittig (obwohl auch zu seiner Zeit manche zweifelten, nicht weil sie an Gott zweifelten, sondern aus Gründen, die sei vernünftig nannten). Er glaubt daran, er wünscht sich ewiges Leben und denkt, dass Jesus ihm den Weg weisen kann. Die Frage ist also: wie hältst DU es mit dem ewigen Leben?
Ich behaupte: wir alle setzen uns früher oder später mit dieser Frage auseinander, weil spätestens der Tod, den ich in meiner nächsten Umgebung erlebe, mich zwingt, danach zu fragen, ob dass denn alles gewesen sein mag.
Todeserfahrung und Todesbewusstsein sind die Geburtsstunde all dessen, was wir Religion nennen. Diese versuchen von Anfang an vor allem den Tod zu verarbeiten. Heute herrscht hier allerdings große Gedankenfreiheit, aber auch -beliebigkeit: die Vorstellungen vom Leben und vom Jenseits sind sehr bunt. Die Antworten, die Menschen, egal ob Christen oder Nichtchristen geben, sind sehr individuell und enthalten Elemente, die aus verschiedenen Überzeugungen stammen können, sehr beliebt sind dabei die östliche Vorstellungen von der Wiedergeburt oder Seelenwanderung, bei der allerdings ausgeklammert wird, dass in dort Erlösung gerade im Ausbruch aus diesem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt besteht.
Der junge Mann sucht die Antwort auf seine Frage nach dem Leben bei Jesus, den er Meister, Lehrer, Rabbi nennt, aber der ihm vor allem die geheimnisse Gottes zu kennen scheint. das ist bereits ein Glaubensbekenntnis. Und wenn ich nach meinem Glauben angesichts des Todes, der tagtäglich um mich herum gestorben wird, frage, dann kann auch ich nicht anders, als von Jesus erzählen: von seinem Tod, in dem er mir Leidensgenosse und damit wahrhaft Bruder wird, und von seinem Auferstehen und Leben bei Gott, was meiner Hoffnung Bilder und Nahrung gibt, dass ich in Gottes Hand im Leben und im Sterben bleibe. Ja, ich glaube an das ewige Leben! Und der christliche Glaube ist Glaube an ein Leben vor und an eine Leben nach dem Tod. Wie kann ich das gegeneinander ausspielen?
Eine zweite Beobachtung:
Auch Zweifler und Skeptiker, Agnostiker und Atheisten halten uns zu Gute, dass die Religion Sinn macht, wenn sie denn Menschen besser werden lässt ( sie glauben allerdings auch ohne Religion besser werden zu können…). Religion ist für viele Moral und Ethik, ein Orientierungsraum in einer unübersichtlich gewordenen Welt. Theologen sind bis heute beinahe selbstverständlich in den wichtigen und großen Ethikkommissionen. Und wer sein Kind, womöglich sogar ohne selbst zu glauben, in den Religionsunterricht oder zum Konfirmandenunterricht schickt, antwortet so manches mal: damit sie lernen, was gut und was böse ist.
Sicher ist Religion auch Moral. Wozu sollte ich an Gott glauben und die Verbindung zu gleich Gesinnten suchen, wenn es nicht auch darum ginge „die Welt besser zu machen“ ?
Aber benötige ich dazu wirklich Gott oder reicht menschliche Vernunft nicht auch?
Uns wird oft vorgehalten, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nicht genügen können ( wie sollten wir auch, wenn wir Sünder und gerechte zugleich sind). Aber wer so argumentiert, hat die zehn Gebote nicht verstanden, der sieht nur die zehn Verbote und hört zehn Donnerschläge, die nicht das Tor zum Himmel öffnen, sondern das Gefängnis aus Verboten verschließen.
Lesen wir doch einmal die zehn Gebote als zehn Angebote zum Leben und versuchen sie positiv mit dem zu füllen, wozu uns die „Spielregeln“ Freiheit schenken wollen. Freiheit gelingt, wenn wir uns darauf einlassen: Ich muss nicht nur auf meine Fähigkeiten und Möglichkeiten vertrauen, sondern darf aus Gottes Hand leben. Es gibt im Leben mehr als alles, deswegen müssen mir meine 50,60,70 oder 80 Jahre auch nicht alles bieten, was möglich ist. Ich muss mein Herz nicht nur an das hängen, was vor Augen ist. Ich darf mein Leben im Wechsel von Arbeit und Ruhe führen und beides hat sein Recht und ist erlaubt! Ich darf offen, ehrlich und respektvoll mit anderen umgehen und ihnen begegnen. Ich darf erfahren, dass mein Leben, meine Grenzen und meine Besitz respektiert werden. Liebe und Beziehungen machen mein Leben reich, Neid und Missgunst machen es ärmer.
Das ist zumindest ein Vorgeschmack auf das wahre Leben, auf das Leben in Gottes Welt, auf ewiges Leben, auf geheiltes Leben.
Bleibt ein Letztes:
Die Frage nach dem Geld und nach dem Reichtum.
Manche halten Reichtum für unanständig; andere sagen lächelnd: Geld allein mach nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein. Nach materieller Sicherheit und auch nach materieller Gerechtigkeit sehnen wir uns alle irgendwie.Die einen halten Reichtum für eine Belohnung und ein sichtbares Zeichen, dass einer von Gott gesegnet ist. Andere sehen die soziale Verantwortung, die sich daraus ableitet.
Den Eremiten, den Brüdern und Schwestern in klösterlichen Gemeinschaften gilt dagegen oft Armut als Ideal eines Lebens vor Gott.
Da kann ich die Traurigkeit des jungen Mannes verstehen. Er möchte in materieller Sicherheit und Ruhe leben, egal, ob sein Reichtum erarbeitet oder vererbt ist. Und ich behaupte: Reichtum an sich ist auch nicht verderblich. Ich muss nicht arm auf Erden werden, um reich bei Gott zu sein. Das Nadelöhr ist nicht unüberwindlich oder undurchdringbar. Aber es gibt kein Recht auf Reichtum, wohl aber eine Verpflichtung zur Gerechtigkeit.
Verdiene ich, was ich habe, dank eigener Leistung oder mit Hilfe anderer oder als Geschenk der Generationen vor mir?
Kann ich mich also auf ein mir zustehendes Recht berufen oder bin ich vielmehr mit meinen großen Möglichkeiten zur Verantwortung für viele aufgefordert. So versteht Jesus den Reichtum des jungen Mannes, als Geschenk und eine große Verantwortung.
Und so erlebe ich viele Menschen, die mit ihren Gaben treu und zuversichtlich sich für Mitmenschen und das Gemeinwohl einsetzen.
Denken wir an die vielen Kollekten, bald wieder für Brot für die Welt oder Hilfsprojekte wie denen in den Partnerschaften unseres Kirchenkreises. Geld ist nicht unanständig, im Gegenteil. Es bietet die Chance großer Hilfe und verbindet, wo es segensreich eingesetzt wird, Menschen über große Entfernungen hinweg.
Ein spannendes Gespräch über Leben und Tod, Ethik und Moral und das liebe Geld, zunächst ohne Happyend, aber es muss ja nicht das Ende der Geschichte sein. Ein mögliches Ende und ein wunderbares Bekenntnis unseres Glaubens, mit Blick auf das Reformationsjubiläum in wenigen Tagen aus Luthers kleinem Katechismus; die Erklärung des ersten Artikels des Glaubensbekenntnisses:
Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. Amen

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