Ansteckungsgefahr!

Was waren wohl die ersten Worte aus dem Mund des von Jesus geheilten Mannes? Es heißt im Evangelium: „Die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig.“ Artikulierte, logische Sätze. Erstmals konnte er seine Gefühle und Gedanken, die er vorher nur in Gestik, heftiger Bewegung oder Lallen auszudrücken vermochte, in klare Worte kleiden. Jetzt konnte er sich auf einmal klar äußern. Zuerst vermutlich an seine Begleitpersonen. Die ihn zu Jesus gebracht haben. Waren es seine Eltern und Geschwister? Fromme Nachbarn, die ihm etwas Gutes tun wollten und ihren Glauben nun eindrucksvoll bestätigt sehen? Was hat er ihnen wohl gesagt? Etwa: „Ach, Schwesterherz, was ich dir schon die ganze Zeit sagen wollte, dieses enge Kleid sieht einfach unmöglich aus, zieh dir doch was schickeres an.

Mutter, mach die Suppe bitte heute mittag nicht wieder so lauwarm, mir schmeckt sie ganz heiß am besten.

Findet ihr nicht auch, daß es in unserer Straße schmutzig ist und unangenehm riecht. Jetzt wo ich hören kann, stört mich der Lärm in unserem Viertel ungemein. Ich wollte schon immer sagen, laßt uns in eine bessere Gegend ziehen.“

Hat er wohl ähnliches gesagt? Später, wenn überhaupt. Erst wird er gerufen haben:

„Preis den Herrn! Ich kann reden! O wie wunderbar! Könnt ihr mich alle deutlich verstehen? Hey, ich hab euch so viel zu sagen! O, ich kann´s kaum aushalten bis zum nächsten Gottesdienst. Ich möchte singen zusammen mit all den anderen. genau wie ihr. Ist es nicht herrlich, welche Macht Jesus hat, wie er alles verändert?“

Damit sind wir genau beim heutigen Thema. Ansteckungsgefahr, aber im positiven Sinn. Andere infizieren nicht mit Klage und Kritik, die niederdrückt, sondern mit Freude und Dankbarkeit, die aufrichtet. Megaphon statt Mundschutz. Fest in den Arm nehmen statt Sicherheitsabstand.

Jesus möchte uns helfen, daß notorische Schwarzseher die dunkle Brille absetzen. Dass notorische Schlechtredner sich ihre bissigen Kommentare verkneifen. Dass sie von Grund auf wegkommen vom Fixiert sein auf das was angeblich fehlt. Dass sie freiwerden von Verbitterung und Miesepetrigkeit.

Die Fessel seiner Zunge löste sich und er redete richtig.“ Richtig reden heißt positiv reden, konstruktiv, motivierend. Heißt aufhören, in das Gemecker und Gejammer einzustimmen, das laut erklingt um uns herum.

Vor Jahren sang ich im Kirchenchor an der Seite meines Kollegen im Bass. Wir mussten  üben für den Weltgebetstag. In jenem Jahr hatten Frauen aus Palästina die Ordnung, Lieder und Geschichten für den damaligen Gottesdienst entwickelt. Eines der Lieder hatte eine arabische Melodie. Wir beide konnten uns den Titel nicht merken und nannten das Lied den Jammersong.

Für ein einziges Mal mag das angehen. Aber dauernd so Jammergesänge sich anhören müssen oder gar anstimmen nervt. Aber eben das ist gang und gäbe unter uns, unter den Generationen, in unserem Volk. Ein Geist der Unzufriedenheit. Die Bibel nennt es „Murren“. Und das wunderbare an der Weissagung des Propheten Jesaja ist das gewisse Versprechen: Eines Tages wird das aufhören: „Die welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.“ Bis dahin gilt es, daß du inspiriert von der Güte Gottes und seiner verwandelnden Kraft eine positive Lebenseinstellung behauptest oder entwickelst. Lasst mich das in drei Schritten entfalten:

  • Heul doch!
  • Nimm die dunkle Brille ab!

3) Christus lebt, drum lass das Jammern!

Das erste: Heul doch! Ein Liedvers aus dem Gesangbuch macht macht genau diesen provozierenden Vorschlag: „Es jammre, wer nicht glaubt“, heißt es da.

Es ging schon los im Paradies. Dabei war doch eigentlich alles perfekt. Keiner hatte Grund, sich über irgend etwas zu beklagen. Die ersten Menschen lebten in einem Garten, den sie nicht mal selber hatten anlegen müssen. Herrliche Früchte, die konnte man einfach so genießen. Man mußte nicht prüfen: Sind die vielleicht gespritzt, oder genmanipuliert und dann krieg ich Probleme wegen irgendeiner Allergie. Nein, die Früchte sahen alle gut aus und sie schmeckten auch so. Sie konnten da unter den Bäumen spazieren gehen auch nachts um 2., Mussten keine Furcht haben, angebettelt und am Ende beraubt zu werden. Wenn da nachts ein Löwe knurrte, tat der einem nichts. Es war alles bestens.

Dann wurde durch Neugier, vor allem aber durch Misstrauen ihr Interesse an der Zone geweckt, die sie nicht betreten durften. Die Aussicht, dem Schöpfer gleich zu sein, ließ sie all ihre Gott gegenüber gemachten Versprechen hintan stellen. Verführt vom Satan, der ihnen Gedanken des Undanks, der Unzufriedenheit eingeflößt hatte, brachen sie das gute Gebot. Nahmen sich, was sie wollten. Statt sich von Gott beschenken zu lassen.

Die Folge: Das Paradies ging verloren. Seitdem leben wir in einer beeinträchtigen, in einer beschädigten Welt.

Der Prophet Jesaja beschreibt hier, wie sich das in seiner Zeit ausgewirkt hat. Und wir  entnehmen jeder Nachrichtensendung, wie sich das in unserer Zeit auswirkt. Aber Jesaja stimmt kein Klagelied an. Im Gegenteil! Er ist voller Hoffnung, dass sich alles bessert, was sage ich, wunderbar verwandelt. Nur wie soll das gehen? Wird Gott ein großes Wunder tun – Zack! und alles ist gerecht und gut und heil?

Jesaja sagt: Bei den Gläubigen geht es los. Die Kinder Gottes sind der Schlüssel. Es heißt hier: „Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände, seine Kinder, in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen. Sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten. Und die, welche irren in ihrem Geist werden Verstand annehmen und die welche murren, werden sich belehren lassen.“

Also die Veränderung geschieht durch einen direkten Kontakt, durch einen Kontakt mit Ansteckungsgefahr zwischen den Menschen, die ohne Gott leben, die kaputt sind, ohne Orientierung und Hoffnung. Mit anderen, die eine göttliche Verwandlung bereits erlebt haben und denen man das ansieht und anhört.

Lass es mich noch deutlicher machen, wie sich diese beiden Gruppen unterscheiden.

Es ist wie mit einer dunklen Brille. Ich hab hier ein Spezialmodell mitgebracht. Hat mir eine ExKonfirmandin geschenkt, die ist jetzt Krankenschwester in einer Bremer Augenklinik. Diesen Sichtschutz müssen Patienten nach einer AugenOP tagelang aufhaben und keinesfalls absetzen. Er mindert das Licht egal von welcher Seite es kommt. Wer so eine extrem dunkle Brille aufsetzt, bekommt eine total andere Wahrnehmung. Alles wird gefiltert. Vieles wird ausgeblendet und gar nicht bemerkt. So geht es jedem, in dessen Leben der lebendige Gott nicht vorkommt. Die Welt wird als düster empfunden.

Der natürliche Mensch kennt Jesus nicht als Ansprechperson, als Gegenüber, als Begleiter. Er hat keine harmonische Beziehung zu Gott. Er sieht die Welt nicht als gute Schöpfung. Er weiß nicht um die Platzanweisung im eigenen Leben, um vorgefertigte Ziele. Er sieht diese Welt notwendigerweise falsch. Wo Dinge nicht auf Anhieb klappen, werden sie als Störungen erlebt, ärgerliche Störungen, die ausgeschaltet werden müssen. Auch Gott wird dabei als Störenfried erlebt. Ein Gott der zurecht weist und Maßstäbe setzt, stört. Auch die Christen und ihre Maßstäbe werden als Störenfriede erlebt. Geduldet wird nur ein lieber Gott, der einem nicht dreinredet, keinesfalls einer, der uns zurechtweist.

Diese Haltung ist normal, weil die Welt Gott nicht kennt. Darum hat Luther in einem Choral formuliert: „Den Himmel hast du und die Erd, Herr unser Gott gegründet. Gib, daß dein Licht uns helle werd… Die Welt laß immer murren.“

Christen sehen ein anderes, helleres Licht, weil sie die dunkle Brille abgesetzt haben. Weil sie wissen um die Führungen Gottes. Auch um Steine, die er uns in den Weg legt, damit wir eine andere Richtung einschlagen. Wer um diese Zusammenhänge nicht weiß, der kann nur murren über diese ärgerlichen Hindernisse, die einen unerwartet an der schnellen Fahrt hindern. Wer Jesus kennt und mit ihm lebt, hat Murren nicht nötig.

Blicken wir doch zurück auf das was Jesus am Kreuz getan hat. Er hat für unsere Schuld gelitten. Er hat uns befreit von allen Gebundenheiten.

Er schenkt uns das ewige Leben. Wir könnten froh sein und unbeschwert. Es paßt gar nicht, wenn im Volk Gottes gemurrt wird. Laß dir doch von Jesus wieder eine neue Sichtweise schenken.

Eine hoffnungsvolle Sichtweise. Nimm die dunkle Brille ab! Es geht nicht um Schönfärberei und positives Denken.. Es geht nur darum, daß dir Jesus hilft, den Blick auf das Gute gerichtet zu lassen. Er öffntet  uns die Ohren und Augen. Macht, dass wir dankbar die Gaben Gottes erkennen, würdigen. Und dann den Mund öffnen, damit andere den Grund unserer Freude und Dankbarkeit erfahren.

Martin Luther bemerkt zu der Geschichte von der Heilung des Taubstummen: Hätten wir Augen und Ohren, so würde das Korn uns anreden: „Sei fröhlich in Gott, iss und trink und gebrauche mich und diene deinem nächsten auch mit mir.“ Ebenso reden zu uns die Kühe, wenn sie auf die Weide hinausgehen und wieder hereinkommen. Wäre ich nicht taub, so würde ich sie sagen hören: „Freuet euch, wir bringen euch Butter und Käse, esset und trinket und gebet anderen auch davon.“ Ebenso gackern uns die Hennen: „Seid fröhlich, wir wollen euch Eier legen.“ Oder die Vögel singen uns: „Seid fröhlich, wir wollen Junge hegen.“ Ebenso höre ich auch gerne die Schweine grunzen, denn sie geben uns Braten und Wurst. Alle Kreaturen sprechen mit uns. Darum sollten alle so denken: Ich will das genießen, was Gott mir geschenkt hat, und anderen auch davon geben. Ich werde ja nicht verhungern, wenn ich meinem armen Nächsten etwas geben werde. Aber der leidige Teufel läßt das nicht zu. Statt dessen denkt man: „Immer nur mehr her!“

Ich habe hier was zu trinken. Mathias, probierst du´s mal. Schmeckt es? Also es schmeckt und erfrischt. Und es ist immer noch genug übrig für mich. Der Sorgentyp, der Murrtyp würde vielleicht sagen: Dem Mathias geb ich nichts, wie komm ich dazu. Oder: Vielleicht trinkt der alles aus und für mich bleibt nichts mehr übrig. Oder: Was für ein trostloser Anblick: Das Glas ist ja halb leer! Es gibt Leute, die sehen nicht das halbvolle, sondern immer das halbleere Glas. Die sehen nicht den Käse, sondern die Löcher im Käse.

Und wenn diese Leute das Wort ergreifen, prägen sie ungemein. Ich hab das erlebt bei Elternabenden, wenn so Vorstellungsrunde war. Die Eltern konnten was sagen, wie sie früher den eigenen Unterricht erlebt haben und wie sie jetzt mit ihren Kindern im Gespräch sind über die aktuellen Inhalte. Wenn da ein oder zwei Motzkis betont negatives herausstellen, vor allem wenn das selbstbewußte Typen sind, die gut frei reden können, auch wenn die Argumente schlecht sind. Da traut sich Hausfrau Mustermann gar nicht mehr piep sagen. Ergo beteiligen sich nur wenige am Gespräch und die Murrtypen vorneweg. Das prägt und belastet. So solltest du nicht sein und wenn du auf so jemanden stößt, so ein Dunkelbrillentyp, dann  halte dagegen. Du mußt du nicht mal Kontra geben und dich auf Diskussionen einlassen.

Nein, einfach bezeugen: Ich kann nur gutes berichten. Mir hat der Glaube geholfen. Ich finde Kirche gut. Ich finde gut, was die Jugendlichen wollen. Usw.

Wegen dieser Ansteckungsgefahr hab ich bei Konfirmandenelternabenden immer Leute aus der jungen Gemeinde oder gläubige Eltern dazu geholt. Die haben dann,  wenn eine Motzkuh ihre Kritik loswerden musste, bloß gesagt: Mag ja sein, ich habe es anders erlebt, und zwar so.

Nun magstdu keine Einladung mehr zu einem Elternabend bekommen. Ins Krankenhaus vielleicht schon eher. Da liegst du dann im Zweier oder Dreierzimmer mit nörgelnden Bettnachbarn. Gequake über das Personal, das Essen. Du kannst ins gleiche Horn stoßen. Oder du kannst deine Hoffnung bezeugen. Den Grund nennen, weshalb du dein Leben in Gottes Hand weißt.

So ein Patient war die Frau Braun in dem Zimmer auf dem Titelbild vom Gottesdienstprogramm. Rechts sehen wir ihre Zimmertür mit dem Stoppschild, das vor den Keimen warnt. Deshalb auch meine Vermummung.

Bei Krankenbesuchen habe ich immer die Patienten in den Nachbarbetten begrüßt, egal welche Konfession. Mich erkundigt wo sie her sind und wer ihr Angehörigen sind. Das gab Stoff für ein konkretes Gebet vor dem Weggehen. Und womöglich einen Anstoß für ein ehrliches Gespräch der Kranken untereinander, wenn der Pfarrer weg ist.

Auf der Innenseite ist das Bild vom Steinbacher Posaunenchor im Klinikum Naila. Sie spielen Glaubenslieder. Wollen die Patienten, die ein langes Wochenende vor sich  haben, anstecken mit Zuversicht.

So wie damals der Philippus seinen Freund Nathanael angesteckt hat. Der Evangelist Johannes erzählt, wie Philippus eine Begegnung mit Jesus hatte. Davon überwältigt, trifft er seinen Freund und sagt: „Ich habe mich Jesus angeschlossen. Du solltest dich auch mit ihm beschäftigen.“

Nathanael war ein Murrtyp. Geringschätzig und zynisch fragt er: „Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen.“ Philippus bleibt positiv, hält dagegen: „Komm und sieh.“ Und dann trifft Nathanael mit Jesus zusammen und ändert sein Denken.

Willst du ein Philippus sein, der ermutigt, der das positive betont, oder ein Nathanael, der immer nur das halbleere Glas beklagt? Laß dir von Jesus helfen zu einem klaren Ja.

Von Jesus, daß er nicht widerschalt, nicht murrte, als er am Kreuz hing und verspottet wurde. Wieso konnte er das? Glaubst du, er war so vollkommen, so über den Dingen, daß er ganz locker und gelassen bleiben konnte. Daß er deshalb nicht murrte über Gott, der ihn da so den Widersachern ausgeliefert sein ließ. Weil er so abgeklärt war?

Nein. Er hat sich entschlossen, nicht zu murren. Jesus war versucht in allem wie wir. Er hatte auch Gedanken und Gefühle des Aufbegehrens, des Murrens. Aber er entschloß sich, zu sagen: Ich trage euch nichts nach.

Laß dich inspirieren, ausrüsten vom Heiligen Geist, von Jesus, mit freudigen Gedanken, bejahenden Gedanken. Dann kann die Welt noch so murren mit Mollklang, deine Lebensmelodie bleibt auf Dur gestimmt. Mit Worten wie aus diesem alten Lied:

Es jammre, wer nicht glaubt.
Ich will mich stillen. Mir fällt kein Haar vom Haupt ohn Gottes Willen. In Jesu hab ich hier das beste Leben. Und sterb ich, wird er mir ein bessres geben.

Es sorge, wer nicht traut.
Mir soll genügen. Wovor mir jetzo graut, das wird Gott fügen. Er weiß, was nötig sei. So mag er sorgen. Mir ist des Vaters Treu auch nicht verborgen.

Es zage, wer nicht hofft.
Ich will mich fassen. Er hat mich´s schon so oft erfahren lassen: Er hört Gebet in Not, wann sie am größten. Sein Geist kann auch im Tod mit Jesu trösten.

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