Das Leben ist eine Baustelle

Die Bergpredigt Jesu gilt bis heute als wesentliche Zusammenfassung seiner göttlichen Botschaft.
In zwei Kapiteln des Matthäusevangeliums hören wir die Worte Jesu, die er an uns richtet. Hier ein Auszug davon:

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Ihr seid das Salz der Erde.

Ihr seid das Licht der Welt.

Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.

Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.  Dein Reich komme …

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?

Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

 

(Musik: Easy like a sunday morning)

  

Ganz am Ende der Bergpredigt fordert Jesus im Bild vom Hausbau dazu auf seine Worte nicht nur zu hören, sondern auch zu tun.

Wir hören die Worte dem Matthäusevangelium, Kapitel 7, die Verse 24-29:

 24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.

27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Amen

 

Der Herr segne sein Wort an uns.

Wir Antwort auf die Worte der Schrift mit dem Bekenntnis unseres christlichen Glaubens.

Glaubensbekenntnis

 

L:       Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes bitten.

L/G:   Stille

L:       Herr, segne du unser Reden und Hören

L/G:   Amen

 

Das Leben ist eine Baustelle …

Liebe Gemeinde,

Vielleicht haben Sie sich das auch in den letzten Tagen gedacht als Sie in München unterwegs waren.
Im August scheint es als die wäre ganze Stadt eine einzige große Baustelle.

 

Das Leben ist eine Baustelle …

Die Erkenntnis mag wohl schon immer im Bauausschuss unserer Kirchengemeinde vorgeherrscht haben.

Haben wir nicht gerade die Kirche gründlich saniert?
Nun regnet es schon wieder durch die Fenster des Gemeindehauses.

 

Das Leben ist eine Baustelle …

Ich versuche gerade in der vermeintlich ruhigeren Urlaubszeit die Papierberge auf meinen Schreibtisch und meine Todo-Listen abzuarbeiten.

Doch kaum hat man das Gefühl, es wird weniger kommt wieder etwas hinzu.

Dabei hätte ich so gerne vor dem Urlaub einen reinen Tisch und keine unbearbeiteten Mails im Eingangspostfach.

 

Das Leben ist eine Baustelle …

Wie viel Zeit und Mühe investieren wir nicht nur in den freien Tagen der Urlaubszeit, um uns in unserem Leben einzurichten, Dinge zu ändern oder zu verbessern.

Wir renovieren oder reißen ab, bauen neu, richten ein oder misten aus.

Viele Baustellen unseres Lebens sind selbstgewählt: ein Jobwechsel, ein Umzug, die Gründung einer Familie, Veränderungen im Freundeskreis, Abschiede und Neubeginn.

Unvergleichlich schwerer tun wir uns mit den Baustellen, die wir uns nicht selbst gewählt haben: Eine nicht bestandene Prüfung, eine Trennung oder Scheidung, eine Krankheit, der Tod eines lieben Menschen.

Oft bricht da eine Welt zusammen. Das Leben stürzt ein wie ein Kartenhaus. Besonders in solchen Momenten stellt sich die Frage nach dem, was trägt – trotz allem, im unfreiwilligen Erleiden, durch das Schwere hindurch.

Im Gespräch mit Menschen, die in diesen Momenten einen Seelsorger um Hilfe bitten, ist das immer wieder eine zentrale Frage:

Was gibt jetzt im Moment Kraft, wer geht mit auf diesem Weg und ist Halt in aller Haltlosigkeit?

Manchmal begeben wir uns dabei auf Spurensuche danach, was früher schon einmal hilfreich war, jetzt vielleicht verschüttet ist und wieder neu entdeckt werden muss.

Für manche ist das die Natur, die Kunst, die Musik und nicht zuletzt Menschen, die mitgehen auf dem Weg.

Für manche ist das auch der Glaube.

Mag er auch oft in den Hintergrund getreten sein, verschüttet unter all den Herausforderungen des Alltags, im Bestreben, das Beste aus dem Leben zu machen, zu erreichen, zu schaffen, für sich und andere und vor allem aus eigener Kraft.

Doch dann gibt es Momente, da kommen einem Worte in den Sinn, lange nicht gesprochen und doch nie verlernt, leise formuliert im Krankenbett, in der Kirche beim Kerzen entzünden, bei einer Taufe, einer Hochzeit, einer Beerdigung: Vater unser … unser tägliches Brot gib uns heute … vergib uns unsere Schuld …
Worte, die tragen und Kraft verleihen inmitten der Sprachlosigkeit.

 

„Wer diese meine Rede hört und sie tut, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.“

 „Diese meine Rede“ bezieht sich auf die Inhalte der sogenannten Bergpredigt, in der auch das Vaterunser zu finden sind.

Diese zwei Kapitel des Matthäusevangeliums ist das Fundament der christlichen Botschaft. Es sind tragende, sehr vertraute Worte unseres Glaubens:

Das Vaterunser findet sich darin, die Seligpreisungen, die wir gerade gesungen haben. Ermutigungen zum Beten oder auch die sogenannte goldene Regel unseres ethischen Tuns: „Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“.

„Wer diese meine Rede hört und sie tut, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.“

 „Hört und tut“ – so lautet die Aufforderung Jesu und beides ist für ihn untrennbar miteinander zusammen.

Ein Hören ohne Tun ist ein christliches Leben ohne Konsequenzen. Ein Wohlfühlglauben, kulturprotestantische Rosinenpickerei. Gerade die Taten Jesu unterstrichen sein Reden und machten seine Botschaft authentisch.

Ein Tun ohne Hören wäre die Forderung nach einem blinden Gesetzesgehorsam verbunden mit der Haltung, alles aus sich heraus schaffen zu müssen und zu können. Ohne das verinnerliche Hören bleiben unseres Taten kalt und abgezweckt.

 

Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.

Besonders mit dem Tun haben wir unsere Schwierigkeiten.

In der langen Wirkungsgeschichte der Bergpredigt wurde immer wieder darüber gestritten, ob sie als Handlungsanweisung für ein christliches Leben im Hier und Jetzt zu verstehen ist oder eher auf eine himmlische Zukunft verweist, die sich hier noch nicht durchsetzen lässt.

Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.

Der letzte Satz unseres Predigttextes zeigt die Brisanz und auch Bedrohung der Bergpredigt für unsere Lebensentwürfe, für die Lebenshäuser, die wir uns gebaut haben und bauen wollen.

Hören und tun. Diese Aufforderung Jesu verbunden mit der deutlichen Drohung, dass nur die Klugen, die das beherzigen ihr Leben nicht auf Sand bauen, ist schon eine erschreckende Forderung nach so schönen Worten.

Besonders das Tun ist weiß Gott nicht einfach:

Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

Um einem auf die rechte Backe zu schlagen muss er mit dem Handrücken zuschlagen. Eine Geste größter Verachtung und Erniedrigung.

Und obwohl wir genau wissen, dass wir einen Teufelskreis betreten, der in seiner Dynamik immer mehr Leid erzeugt, halten wir nicht auch noch die andere hin.

Wir sinnen auf Vergeltung für erfahrene Erniedrigungen, für böse Worte, für Enttäuschungen, für Nachlässigkeiten im Job in der Partnerschaft, bei Freunden: „So nicht mein Freund. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich zahle es Dir heim.“

 

Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.
Donald Trump und Kim Jong-un tun gerade ohne zu hören. Sie bauen ihre Politik auf den Sand ihres Egos und gefährden damit eine Friedensordnung, die aus den leidvollen Erfahrungen der letzten beiden Weltkriege gewachsen war.

 Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Wie oft überfordern wir uns und andere mit unseren hohen Ansprüchen.
Damit verbunden ist nicht selten die Haltung, alles aus sich selbst heraus schaffen zu wollen, keine Hilfe annehmen, kein „ich kann nicht mehr“ zugeben, immer noch etwas draufpacken auf die Anforderungen, Optimierung bis zum Zusammenbruch.

Easy, liebe Gemeinde,

Easy like a sunday morning.

Die Bergpredigt will uns nicht frustrieren.

Sie ist eine Bauanleitung für eine himmlische Welt, die jetzt schon Wirklichkeit wird.

Dies zeigt sich immer wieder in der Geschichte des Christentums.

Es gibt sehr wohl ein Tun, dass aus dem Hören der Botschaft Jesu folgt.

Wir sind fähig uns seine Worte zu Herzen und zu Gemüte zu nehmen und können damit die Welt verändern.

Diese Welt ist schon eine andere geworden als vor 2000 Jahren und sie trägt den Zauber der Worte der Bergpredigt in sich.

Wir leben sehr wohl in einer Gesellschaft, die sich um die Schwachen kümmert. Unser Sozialstaat, die soziale Marktwirtschaft, die Wohlfahrtsverbände handeln im Sinne der Botschaft Jesu, sind durch sie geprägt.
Unser Denken, Fühlen und Wollen orientiert sich am Reden und Handeln Jesu.

Ich vermag es gar nicht zu ermessen, wie sehr das Tun und Handeln vieler seit dem Flüchtlingsansturm vor 2 Jahren nicht nur die Wirklichkeit von Geflüchteten verändert hat, sondern auch die Realität dieser Welt.
Die Botschaft, die damals von Deutschland ausging trug durchaus den Geist der Bergpredigt und ermutigte auch andere zum Handeln.
Ohne zu vergessen, dass wir auch fähig sind die Botschaft Jesu nicht zu hören und sie bewusst missverstehen. Ein Nichthören und Tun, dass diese Welt immer wieder in unaussprechliches Leid getrieben hat.

Wir sind Felsen- und Sandbauer zugleich.

Es gibt in unserem menschlichen Verhalten ein Sich-gründen-wollen, das baut auf Sand.

Der Wunsch sich schnell niederzulassen und einzubuddeln, wo es gerade schön und bequem zu sein scheint, unter Vorspiegelung vermeintlicher Sicherheiten ziehen wir Mauern hoch, um uns dahinter zu verbarrikadieren.

Wir vergraben und verbunkern uns oft in unserem Leben.

Wollen den schönen Augenblick zum Verweilen einladen und einzementieren

Doch wenn die Platzregen des Lebens kommen und starke Winde aufziehen, fehlt uns der Halt.

Alles schien auf uns abgestimmt und nun tut sich der Boden meiner Weltanschauung auf und ich drohe zu versinken.

Manchmal sitzen wir auf unseren Überzeugungen als wären sie felsenfest.

Wir ziehen die Zugbrücken hoch und wettern gegen andere Ansichten und Weltanschauungen. Lassen nichts an uns heran.

Es gibt auch einen Fundamentalismus, der sich auf Selbstbehauptung gründet und letztlich auf Sand gebaut hat.

 

Das Leben ist eine Baustelle …

Wir wissen das und gerade deshalb kommt es darauf an, worauf ich mich gründe.

Manchmal können wir die Veränderungen und Vergänglichkeit unseres Seins spielerisch nehmen. Bauen im Urlaub Burgen auf Sand im Wissen, dass nach der Ebbe wieder die Flut kommt, ein Platzregen, oder der Wind diese Bauten schleift bis sie nicht mehr zu erkennen sind.

Doch oft genug leiden wir darunter. Wünschten uns einen Felsen in der Brandung auf den wir bauen können.

 

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr seid das Licht der Welt.

Ein Gott, der uns dies zusagt hat einen anderen Lebens-Grund für uns.

Wenn wir das Hören, können wir uns auch ganz anders gründen als in den Bequemlichkeiten einer Sandlage.

Es ist nicht immer der einfachere Weg unser Lebenshaus auf einen Felsen zu bauen. Es erfordert auch einige Kraft, Rückschläge müssen in Kauf genommen werden.

 

Jesus gründete sein Gottvertrauen auch auf einen felsigen Weg, der aber in seinem Tod nicht endete, sondern zum Fundament unseres Glaubens wurde.

Sein Gottvertrauen ebnete uns den Weg zu den Verheißungen der Bergpredigt:

Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

St. Markus steht nun 140 Jahre, eine stets sanierungsbedürftige alte Dame, aber der Glaube der diese Kirche trägt schon uns 2000 Jahre. Auf den Felsen der Botschaft Jesu können wir auch weiter bauen.

Meine Email-Liste ist auch morgen wieder voll.
Ja, das Leben ist eine Baustelle, Herr Stegmann.

Doch ich bin nicht Sisyphos, der immer wieder von vorne beginnt, sondern ich bin ein Sohn Gottes, getauft, erlöst und befreit. Manches zerbricht, doch mein Leben baut auf etwas, das felsenfest gegründet ist.

Ja, das Leben ist eine Baustelle. Doch das Fundament der Worte und Taten Jesu bleibt in aller Bedrängnis, in allem Frust, in vielen Niederlagen und Traurigkeiten ein Fels auf den ich bauen kann.

Vater unser im Himmel. Dein Reich komme, dein Wille geschehe.

 

Liebe Gemeinde,

Die Bergpredigt ist das Fundament unseres Menschseins, dass der eine Menschensohn gelegt hat.

Es weist über diese Welt hinaus und ist doch tief in unserem Leben verankert.

Wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Immer wieder neu dürfen wir Hören und Tun wagen.

Der Glaube an Gottes Ermächtigung dazu, an seine Ermutigung und seinen Zuspruch ist dabei der Fels auf den wir unser Lebenshaus bauen können.
Mit Gottes Hilfe können wir wagen, uns in dieser Baustelle einzurichten, uns über neu Erschaffenes freuen, uns auf Bewährtes verlassen und in alle dem auch Altem, Brüchigen und Zerbrochenen einen Platz geben in unserem Lebenshaus, ohne es zu verleugnen.

Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

L:      Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus

 

 

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