Es geschehen schlimme Dinge und trotzdem ist alles gut

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Es geschehen furchtbare Dinge und trotzdem ist alles in Ordnung. Paradox – oder?

Typisch Johannesevangelium. Unser heutiger Predigttext steht in den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium. Jesus versucht seine Freundinnen und Freunde auf seinen Tod und seine Auferstehung vorzubereiten so gut er kann. Aber hören Sie selbst. Ich lese:

Johannes 16

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?

6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.

7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.

8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;

9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;

10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht;

11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.

13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen.

 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Es werden schlimme Dinge geschehen. Jesus geht weg. Seine Freundinnen und Freunde werden ihn verlieren und da sagt Jesus: „Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.“

Ihr braucht euch nicht zu fürchten. Ich werde auf eine andere Art und Weise bei euch sein. Ja, ich werde euch noch näher sein als vorher. Ich schicke euch den heiligen Geist und der wird in euch sein. Also es passieren zwar schlimme Dinge, aber alles wird gut – und zwar nicht nur für euch sondern für die ganze Welt. Und ihr werdet wissen, was los ist: Drei Dinge macht der heilige Geist euch klar.

1.     Es ist falsch, dass die Leute nicht an mich glauben.

2.     Ich gehe dahin, wo ich hingehöre zu Gott. Ich werde erhöht. Ihr seht mich nicht, aber das macht nichts. Es ist alles richtig.

3.     Es geschehen schlimme Dinge. Die Welt wird von dem Bösen beherrscht. Aber ihr braucht euch nicht davor zu fürchten. Denn das wird bald vorbei sein. Das Böse ist bereits am Ende. Es ist kurz davor seine ganze Macht zu verlieren.

 

Das ist nicht zu fassen. Alles sieht so falsch aus, und doch ist es richtig. Es sieht so aus als hätten die Gegner Jesu endgültig gewonnen. Aber in Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Jesus hat gewonnen und zwar endgültig.

 

Können wir uns dieser Sicht auf das Leben anschließen? Glauben wir, dass alles gut ist, obwohl so viel offensichtlich schlecht ist?

 

Oh, wir sollen das Schlechte nicht schönreden. Das tut der heilige Geist keineswegs. „Der heilige Geist zeigt uns die Sünde“, sagt Jesus.

Wir sollen nicht wegsehen von den Bürgerkriegen im Sudan, in Libyen in Afghanistan, der Hungerkatastrophe in Jemen, Somalia und Nordostnigeria. Wir sollen die Augen nicht vor dem Klimawandel verschließen, der immer mehr Stürme und Naturkatastrophen auslöst und dafür sorgt, dass einige Südseeinseln bereits dabei sind, im Meer zu versinken. Wir dürfen die Trauer darüber nicht übergehen, dass in europäischen und afghanischen und philippinischen und pakistanischen und vielen anderen  Städten islamistische und rechtsradikale Attentäter Menschen in die Luft sprengen. Es geschehen schlimme Dinge, Freundinnen und Freunde und Angehörige sterben an Krebs und Herzinfarkt. Das Leben ist nach wie vor gefährlich und unkontrollierbar. Und viele glauben nicht an Jesus und werfen damit den Trost weg, den sie in diesem schwierigen Leben haben könnten.

 

Aber die heilige Geistkraft zeigt uns auch die Gerechtigkeit und sie zeigt uns worauf das ganze hinaus läuft, dass es mit der Welt ein gutes Ende nehmen wird, weil das Böse bereits dabei ist seine Macht zu verlieren.

 

Und das ist die tröstliche Botschaft für die ganze Welt. Obwohl soviel Schlimmes geschieht, wird trotzdem alles gut werden. Jeder Schritt zur Überwindung des Bösen zählt. Jede Minute der Freude und des Glücks, jede gute Tat ist ein Schlag ins Gesicht des Fürsten dieser Welt, der glaubt er könne die Menschen kontrollieren und in Bosheit und Verzweiflung stürzen. Das kann er aber nicht, denn er ist schon gerichtet. Er ist dabei zu verlieren.

 

„Wir können das ohne die heilige Geistkraft nicht richtig verstehen“, sagt Jesus. Und das stimmt. Normalerweise lassen wir uns fertigmachen von all dem Leid um uns herum und erst recht von dem Leid, das uns selbst trifft.

Aber der heilige Geist zeigt uns, dass das nicht nötig ist. Es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Wir müssen nicht schwarz sehen. Auch wenn es manchmal so aussieht. Die Welt geht nicht den Bach runter. Die Politiker sind nicht alle korrupt. Die Wirtschaftsskandale zeigen, dass es möglich ist, dafür zu sorgen, dass die Mächtigen ihre Macht nicht weiter missbrauchen.

Der heilige Geist lenkt unseren Blick auf das, was an Gutem möglich ist, und auf das, was wir dazu beitragen können. Wir sind nämlich nicht ohnmächtig denen da droben auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

 

Die Macht der Mächtigen vergeht nämlich. Aber die Botschaft Jesu hat ewig Bestand. Was Jesus für uns und für alle Menschen getan hat, ist endgültig. Es ist nicht in den Zentren der Macht. Es wächst von den Rändern her. Es ist nicht auf den Jachten und den glamourösen Partys. Es erfahren die, die durch schwere Zeiten hindurch gehen müssen. Sie erleben den Trost des Trösters, den Jesus gesandt hat.

Die, die in Gefahr sind, erleben, dass das Leben wertvoll und unglaublich schön ist. Die, die anderen helfen und am Abend müde zu Bett gehen, weil ihr Tag ausgefüllt war mit schwierigen und befriedigenden Taten, merken, dass es sich lohnt so zu leben und dass die Kraft dazu nicht ihre eigene ist.

 

Was ist an Gutem möglich in Ihrem Leben? Was zeigt ihnen die heilige Geistkraft? Wie können Sie dem Fürsten dieser Welt so richtig eins auf die Schnauze geben?

 

Ich werde ihnen jetzt keine Antworten vorschlagen. Denn ich kenne ihr Leben und ihre Möglichkeiten nicht. Und vielleicht kennen Sie ihr Leben und ihre Möglichkeiten ja auch nicht vollständig. Beten Sie! Bitten Sie die heilige Geistkraft, ihnen das zu zeigen, was gut ist in ihrem Leben. Nehmen Sie den Tröster, den Jesus ihnen schickt, in Anspruch. Lassen Sie sich mit Trost und Freude und Glück erfüllen. Und dann können Sie fragen, was ist noch möglich? Was liegt mir am Herzen? Was macht mich wirklich glücklich? Was kann ich dazu beitragen, Leiden zu lindern und Verzweiflung zu verringern?

Sie glauben an Jesus, sonst wären Sie heute nicht hier. Sie feiern Pfingsten, also hat Jesus Ihnen seinen heiligen Geist geschickt. Nehmen Sie ihn in Anspruch und freuen Sie sich dran.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

drucken