Mittel zum Leben

Jesus ist auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem. Das Laubhüttenfest ist eine Art Erntedankfest. Zugleich ist es aber auch ein Fest der jüdischen Gemeinde in Erwartung der Ausgießung des Geistes über die Menschen. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht eine Wasserzeremonie, in der Wasser als Symbol für den kommenden Geist gilt. Jesus überbietet die Feierlichkeiten, in dem er ein Angebot macht, das bis heute fasziniert:

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Wasser ist für uns ein selbstverständliches Lebensmittel, Grundnahrungsmittel, das immer verfügbar ist. Das ist für Menschen am Rande der Wüste auch heute noch anders. Zudem kann man dort auch nicht sicher sein, dass Wasser wirklich das Wasser zum Leben ist oder verunreinigt und vergiftet ist, Wasser des Todes.
Und solchen Menschen begegnet Jesus mit seinem Angebot. Er hat mehr und Besseres zu bieten als frisches Wasser, das den Menschen hilft zu überleben. Sein Angebot geht über das Gewohnte hinaus.

Er bietet weder täglich frisches Wasser an, noch eine Garantie vor den vielen Brunnenvergiftern, die es in allen Gesellschaften gab und gibt. Er bietet Wasser des Lebens an, Wasser, das Menschen wirklich zum Leben hilft.
Das Wasser aus den Quellen, die wir kennen, hilft uns über wenige Stunden. Wenn wir dann nicht wieder trinken, beginnen wir zu leiden, vertrocknen wir.

Das Wasser, das Jesus schenkt, trägt uns durch unser Leben. Es ist Lebensmittel, das vorhält durch unser ganzes Leben hindurch. Symbol dieses Wassers ist das Wasser mit dem wir getauft werden.

Insofern ist unsere Geschichte vorpfingstlich, weil Johannes nicht vor Pfingsten vom Heiligen Geist sprechen möchte. Darum benutzt er lieber den Begriff Wasser des Lebens und gibt ihm dieselbe Bedeutung wie Heiliger Geist.

Für ihn ist Jesus Christus der Mittelpunkt der Gemeinde, der seiner Gemeinde schenkt, was sie zum Leben braucht und dazu gehört das Wasser, das nie versiegt, der Geist, der Menschen immer weiter bewegt, dass sie Schwestern und Brüder sind, dass sie so leben, dass es allen gut geht. Pfingsten sendet seine ersten Boten, der Geist erscheint als Wasser des Lebens, das uns Kraft gibt, in der Gemeinde zu leben, sie zu gestalten und mit daran zu arbeiten, dass das Wort Gottes verkündet wird.

Und da gibt es noch etwas ganz Besonderes: Wenn ich Wasser trinke, werde ich für den Moment nicht mehr durstig sein, aber bald stellt sich dieses Durstgefühl wieder ein. Ich brauche dauernd Nachschub, brauche immer wieder neu Wasser, dass ich nicht verdurste, dass mein Körper nicht kollabiert. Mit dem Wasser, das Jesus schenkt, verhält sich das ganz anders.

Jesu Gabe reicht nicht nur ein- für allemal, sondern sie sorgt auch dafür, dass der mit diesem Wasser Beschenkte selber zur Quelle des Wassers des Lebens wird. Von dem, der von Jesus etwas empfängt‚ ‚werden Ströme lebendigen Wassers fließen‘.

Die beiden Bilder müssen getrennt werden: Es gibt das Wasser, das wir brauchen wie das tägliche Brot und es gibt das Wasser als Lebensmittel für die Seele, das von jedem kommt, der zum Leib Christi gehört. Eine unglaubliche Verheißung, die auf den Jüngerinnen und Jüngern Jesu liegt. Jeder der getauft ist, ist ein Engel für die Menschen. Er bringt den Menschen Wasser des Lebens.

Christinnen und Christen sind eine Erfrischung für die Menschheit. Sie können den Menschen helfen, dass das Heil bei ihnen ankommt, dass der Geist Gottes Raum gewinnt bei ihnen. Gemeinde Jesu Christi ist eine ewige Quelle für die Menschheit.

Es wird Zeit, dass wir uns besinnen, welch großartige Quelle wir haben, um unser Leben zu gestalten. Es gibt ja unzählige Medien und Einrichtungen, die uns pausenlos erzählen, was wir alles zum Leben brauchen: Meine Frau, mein Haus, meine Yacht sowieso, aber auch andere Gegenstände, Beziehungen, Versicherungen. Das alles sollen Quellen eines zufriedenen Lebens sein. Und die Realität erzählt uns, dass Menschen immer weniger glücklich werden, je mehr sie mehr haben, als sie wirklich zum Leben brauchen. Besitz allein macht eher unglücklich als glücklich.

Da kommt Jesus mit seinem lebendigen Wasser. Er ist Quelle wirklichen Lebens. Er ermöglicht Menschen Freiheit. Die Freiheit ihr Leben zu gestalten, wirklich sie selbst zu sein. Und er traut den Menschen einiges zu: Nämlich dass von ihnen lebendiges Wasser weiterströmt zu den Menschen, dass sie losgehen und allen Menschen erzählen von den Wundern, die Gott wirkt unter uns. Die Menschen können Heilsbringer für ihre Mitmenschen sein.

Es gibt bekanntlich auch das Zuviel an Wasser, das Menschen belastet, Hochwasser, Dauerregen, Überschwemmungen, Wasserrohrbrüche, aber auch krankhafte Ansammlungen vom Wasser im Körper. Das ist nicht Wasser des Lebens. Das ist Wasser, das Leben bedroht.

Jesus gibt Wasser, das Leben schafft, weil es wirkliches Lebensmittel ist, Mittel zum Leben. Ich darf es genießen, ich darf es verschwenden, ausbreiten unter den Menschen, egal, ob sie es verdient haben oder nicht. Ich habe es geschenkt bekommen, damit es Heil anrichten kann unter den Menschen. Mir ist so unendlich viel anvertraut. Ich darf mitwirken, dass Jesus ankommt bei den Menschen.

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