Wie stellen wir uns der Kreuzigung Jesu?

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute am Karfreitag denken wir an den Tod Jesu. Der Predigttext ist die Geschichte wie Jesus gekreuzigt wird nach dem Lukasevangelium. Interessanterweise interessiert sich diese Geschichte überhaupt nicht dafür, wie es Jesus geht. Unser Predigttext erzählt stattdessen ausführlich wie die unterschiedlichen Menschen  auf das, was da geschieht, reagieren. Und er fragt uns: Wie stellen wir uns zu der Kreuzigung Jesu? Aber hören Sie selbst. Ich lese

Lukas 22,32-49

32 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden.

33 Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.

34 [Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!] Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.

35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.

36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig

37 und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!

38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.

39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!

40 Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist?

41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.

42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!

43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

44 Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde,

45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.

46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen!

48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um.

49 Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Na, das ist ja ein ganzes Feuerwerk von unterschiedlichen Reaktionen auf den Kreuzestod Jesu. Fangen wir hinten an: Das Volk schlug sich an die Brust und kehrte um. Sie taten Buße sahen ihre Fehler ein und änderten ihr Leben. Das ist es, was Jesus von Anfang an gewollt hat, dass die Leute umkehren zu Gott. Mit seinem Tod erreicht er das bei den Umstehenden.

Der Hauptmann des Kreuzigungskommandos erkennt, dass Jesus ein Gerechter war. Er wendet sich Gott zu und lobt ihn, obwohl er Römer ist und eigentlich sonst andere Götter anbetet bekehrt er sich zu dem Gott Israels. Das ist schon bemerkenswert.

Jesus selbst ist unterwegs zu Gott. Er befiehlt seinen Geist in Gottes Hände und ist schon so gut wie da.

Im Tempel zerreißt der Vorhang. Der Vorhang trennt das Allerheiligste von dem Bereich, der von Menschen betreten werden darf. Der Tempel öffnet sich. Der heilige Bereich wird für die Menschen zugänglich. Die Welt ändert sich. Gott ist jetzt für alle erreichbar.

Auch die Sonne reagiert. Sie verbirgt sich. Die Sonne trauert. Ihr Schein verlöscht. Die Sonne zeigt, dass mit dem Tod Jesu die Welt ihren inneren Schein verliert.

Jetzt kommen die beiden Verbrecher, die mit Jesus zusammen gekreuzigt wurden. Das ist die Stelle, wo die Geschichte kippt. Sie kippt zwischen der Reaktion des ersten und des zweiten Mitgekreuzigten.  Der erste schließt sich dem Spott der Oberen und der Soldaten an. Der zweite bittet Jesus: Denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.

Der zweite ergreift die Gelegenheit seine Zukunft zu sichern, und ins Paradies zu gehen. Und Jesus sagt ihm zu: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein. Ab diesem Moment passiert für alle, die dabei sind nur noch Gutes. Die Menschen finden zu Gott. Das ist die Schlüsselstelle, wo sich alles ändert.

Davor sieht es schlimm aus. Das Volk sieht zu. Die Oberen verspotten Jesus Die Soldaten bringen ihm Essig und fordern ihn auf, sich selbst zu helfen. Der Übeltäter lästert Gott, indem er sich den Oberen und den Soldaten anschließt. Schlimmer geht es nicht mehr. Selbst ein Verbrecher sieht auf Jesus herab.

Und dann mit der Reaktion des anderen Verbrechers ist plötzlich alles anders. Die Leute kehren um und glauben an Gott. Jesus zeigt sich schon am Kreuz als der wahre König, der die Herzen der Menschen bekehrt.

Die Geschichte fragt uns: Und wie ist es mit dir? Wie stellst du dich zur Kreuzigung Jesu? Reagierst du mit Spott und lästerst Gott wie die Oberen und die Soldaten und der erste Verbrecher?  Oder machst du es wie das Volk der Hauptmann  und der zweite Verbrecher, dass du dich Gott zuwendest?

Die Antwort ist einfach, oder? Schließlich sind wir am Karfreitag in die Kirche gekommen, um Gott zu ehren. Da ist es doch klar, wie unsere Antwort ausfällt. Natürlich kehren wir um und glauben an Gott. Was für eine Frage.

Aber wir sind natürlich nicht unabhängig von dem, was sonst in der Gesellschaft gedacht und geredet wird. Und vielleicht teilen wir doch ein paar leise Fragen.

Vor nicht allzu langer Zeit hat mir jemand gesagt: Also wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte Jesus gerne weiter leben können und alt und lebenssatt sterben können. Also ich will mit dieser Sorte Brutalität nichts zu tun haben.

Und ja es ist eine Herausforderung, was diese Geschichte uns erzählt. Durch den Tod Jesu und in seinem Tod bekehren sich die Herzen der Menschen zu Gott.  Diese Geschichte zeigt es. Aber sie erklärt es nicht. Und vielleicht kann man es nicht wirklich erklären sondern nur zeigen. Durch die ganze Kirchengeschichte hindurch haben Menschen solche Erfahrungen gemacht. Teresa von Avila zum Beispiel hat während sie ein Bild des Gekreuzigten meditiert hat, sich mit den Schmerzen ausgesöhnt, unter denen sie so lange gelitten hat. Andere, die Schweres erlebt haben, fühlen sich Jesus nahe. Sie fühlen sich von ihm verstanden und können ihm vertrauen, weil er diesen furchtbaren Tod gestorben ist.

Offensichtlich passiert es auch heute noch, dass Menschen sich im Angesicht des Todes Jesu  zu Gott bekehren.  Wir können das nicht erklären. Und wir müssen das nicht erklären. Und wir sollten uns vor einigen Erklärungen in Acht nehmen. Vor allem vor der des Anselm von Canterbury.

Anselm von Canterbury hat gemeint: Gott hat Jesus geopfert, um seine Ehre wieder herzustellen. Er brauchte ein Opfer, damit er uns unsere Schuld vergeben kann. So etwas steht nicht in der Bibel aber es geistert noch in den Köpfen der Menschen herum. Davon sollten wir uns fern halten.

Wir müssen den Tod Jesu nicht erklären. Aber wir sollten seine Wirkungen für uns in Anspruch  nehmen. Wir können uns in unserer Todesstunde dem zweiten Gekreuzigten anschließen und mit ihm sagen: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Und dann hören wir die Antwort Jesu: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Das ist die beste Form mit dieser Geschichte umzugehen.

Ich wünsche uns allen das Vertrauen dieses zweiten Verbrechers, der mit Jesus gekreuzigt wurde. Wir können es brauchen, in der Stunde unseres Todes und in schweren Zeiten, die wir immer mal wieder durchleben müssen.  

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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