Alle dürfen dabei sein

Liebe Gemeinde, heute hier an den Tischen,

Laura ist fast 14 Jahre alt. Seit gut 1 ½ Jahren geht sie zum Konfirmandenunterricht. Anfangs hatte sie Sorge, weil auch Lennart aus ihrer Schulklasse in der Gruppe ist. In der Schule ist er oft gemein zu ihr. Sie hat das Gefühl, er kann sie nicht ausstehen. Einmal hat er sogar ihr Handy kaputt gemacht – er hat gesagt „aus Versehen“. Aber sie weiß, dass das nicht stimmt. In der Konfergruppe ist das anders, sie sind sich irgendwie näher gekommen, besonders auf der Konferfahrt. Einmal hat Lennart bei der Abendandacht neben ihr gesessen und ihr das Brot gegeben und sie dabei sogar angelächelt.

Lennart ist schon 14. Eigentlich geht es ihm gut. Er ist beliebt in der Schule, gut im Fußball. Aber seit einiger Zeit ist eine Riesenwut in ihm. Seine Eltern haben sich getrennt und es gibt nur Stress. Um das Geld, und wer wann mit ihm Urlaub macht. Sogar über seine Konfirmation konnten sie sich nicht einigen. Manchmal platzt es aus ihm raus und er macht irgendeinen Blödsinn. Letzt hat er mit Absicht Lauras Handy vom Tisch gefegt, einfach so. Bei ihr scheint immer alles glatt zu laufen. Nachher hat er sich geschämt.

Sabine M. ist alleinerziehend, das ist hart. Alle zerren an ihr: Ihre Kinder, ihr Chef, ihr Ex. Manchmal weiß sie einfach nicht, wie sie das alles schaffen soll. Sie hat das Gefühl, sie hat ihr Leben gegen die Wand gefahren, ist gescheitert mit ihren ganzen Träumen von Erfolg und einem glücklichen Familienleben. Ja, Fehler hat sie auch gemacht. Aber jetzt ist es zu später, um die Dinge rückgängig zu machen.

Arnold B. ist Witwer und er kann es immer noch nicht fassen. Seine Frau Ursula war doch 10 Jahre jünger als er. Immer war klar, dass er eines Tages vor ihr gehen würde. Aber es ist anders gekommen. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es ging ganz schnell, die Ärzte konnten nicht mehr viel tun. Es war ein elendes Sterben. Für die anderen ist mittlerweile wieder der Alltag eingekehrt, aber sein Leben ist immer noch erfüllt von Schmerz, jeden Tag. Manchmal geht er zum Gottesdienst, um der Einsamkeit zu entfliehen. Aber mit dem da oben steht er auf Kriegsfuß. Warum hat er nicht geholfen? Warum hat er ihm das angetan?

 

Laura, Lennart, Sabine M. und Arnold B. sitzen heute hier am Tisch. Nein, natürlich nicht wirklich. Aber so verschieden wie die vier sitzen wir hier, mit unseren ganz eigenen Geschichten. Jeder bringt was mit: Ängste und Hoffnungen, Erfahrungen von gelungenem Leben und Scheitern. Den Willen zu glauben und die Zweifel, ob das mit Gott wirklich was für mich ist…

Wir sind eine bunte Tischgemeinschaft. Manche kennen sich gut, andere gar nicht. Und trotzdem gehören alle dazu.

 

So wie damals.

Jesus und seine 12 Jünger. Mit jedem einzelnen verband ihn eine eigene Geschichte. Ja, sie waren ihm nachgefolgt, hatten alles für ihn aufgegeben. Aber vieles haben sie auch nicht verstanden. Immer noch warten sie darauf, dass er endlich das große Messiasschwert und die Krone herausholt und die Macht ergreift. Gottes Friedensreich gründet. Ja, er wird Gottes Willen tun, aber so ganz anders, als sie es sich vorstellen. Sie können nicht ertragen, was ihm bevorsteht, obwohl er es ihnen gesagt hatte.

Einer von ihnen, Judas, wird ihn verraten. Der großmäulige Petrus wird ihn verleugnen. Und als er sie am meisten braucht, da lassen sie ihn alle im Stich.

Und doch sitzt er mit ihnen an einem Tisch, keiner wird ausgeschlossen. Für jeden gilt, was er sagt: Nehmt, esst und trinkt – Brot und Wein, das bin ich für euch. Er teilt sich mit, gibt sich hin, damit alle Erlösung erfahren.

Sie werden es erst später verstehen.

Da ist er nicht mehr da und doch mitten unter ihnen.

Auch im Brot und im Kelch.

Für Petrus und alle, die ihn im Stich ließen.

Für Arnold B. und Sabine M., für Lennart und für Laura. Für dich und für mich.

Christi Leib für dich gegeben.

Christi Blut für dich vergessen.

Alle sind geladen, keiner wird ausgeschlossen.

Amen.

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