Christus gegenwärtig im Abendmahl

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wie erleben Sie das Abendmahl? Und wie verstehen Sie das, was Sie tun, wenn Sie am Abendmahl teilnehmen?

Auf einem Arbeitsblatt für Konfirmandinnen und Konfirmanden werden verschiedene Menschen vorgestellt und ihre Begründung, warum sie zum Abendmahl gehen: Da ist Sandra, Schülerin 15 Jahre alt. Sie geht zum Abendmahl, weil sie dort Gemeinschaft erlebt. Olaf, 25 Jahre und Student ist mit seiner Mutter zum Abendmahl gegangen, um sich wieder mit ihr zu versöhnen. Für ihn ist es wichtig, die Vergebung der Sünden zu erfahren. Henry, 37 Jahre, Praktikant aus Afrika findet, dass das Abendmahl seine Hoffnung stärkt, dass es irgendwann gerecht zugehen wird. Marianne 51 Jahre alt, ist Hausfrau und katholisch. Sie hat sich geärgert, dass sie bei der Konfirmation ihres Patenkindes nicht zum Abendmahl gehen durfte. Sie hat das Abendmahl als trennend erlebt. Und Gustav, 51 Jahre, Rentner geht zum Abendmahl, weil das üblich ist. Für ihn ist es Tradition einmal im Jahr zum Abendmahl zu gehen.

In unserem Predigttext heute geht es auch um das Abendmahl. Und der Text versteht das Abendmahl völlig anders als Sandra, Olaf, Henry, Marianne und Gustav. Ich lese:

Johannes 6,54-59

54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. 59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

In den ersten Jahrhunderten war dies eindeutig die Bedeutung des Abendmahls. Das Abendmahl ist das Mahl der Unsterblichkeit. Das Abendmahl führt zum ewigen Leben für alle, die daran teilnehmen. Denn in Brot und Wein ist Christus gegenwärtig. Und Christus führt uns ins ewige Leben. Wir werden mit ihm in Ewigkeit leben. Hier steht nichts von Sündenvergebung, nichts von Gemeinschaft untereinander (Gemeinschaft mit Christus steht schon da). Es ist die einfache Zusage: Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Wieder mal ist es Johannes, der die Dinge unvergleichlich zuspitzt. Und ich frage mich natürlich: Ist das nicht zu einfach? Ich gehe zum Beispiel an Karfreitag in die Kirche. Ich nehme am Abendmahl teil und das war`s. Dann ab in den Himmel.

Ist es etwa egal, was ich getan habe? Spielt es keine Rolle, wie ich gelebt habe? Und spielt es auch keine Rolle, ob ich an Gott glaube oder nicht? Ist es nicht wichtig, ob ich Kirchenmitglied bin und doch eine erhebliche Menge an Kirchensteuer zahle? Glaube, Werke, innere Einstellung, alles egal – ein Stück Brot, ein Schluck Wein oder Saft und damit ist das ewige Leben gesichert?
Kann Johannes das ernsthaft so meinen?

Schwer zu sagen. Johannes kann sich sicher nicht vorstellen, dass jemand zum Abendmahl geht, ohne an Jesus Christus zu glauben, ohne zur Kirche zu gehören und ohne zu versuchen in der Liebe zu leben. Insofern ist meine Fragestellung eine andere als die des Johannes damals.

Trotzdem bleibt die Herausforderung dieses Textes bestehen. Eine einfache, äußerliche Handlung führt zum ewigen Leben, weil in dem Brot und in dem Wein Jesus Christus gegenwärtig ist. Und das ist so wirksam, dass alles andere dagegen verblasst.

Der Sohn einer Freundin musste im Rahmen seiner Ausbildung, seine Erfahrungen mit dem Abendmahl reflektieren und sein eigenes Abendmahlsverständnis aufschreiben. Er hat für sich festgestellt, dass Gemeinschaft ihm nicht so wichtig ist, aber Sündenvergebung. Und er hat sich erinnert, dass er als Kind während einer abendmahlsähnlichen Feier für Erwachsene und Kinder die Traube, die er bekommen hat, sehr intensiv geschmeckt und hat und sich an ihr gefreut hat und dass in dieser Erfahrung er sich Gott nahe gefühlt hat. Und er meinte dazu. Ich kann doch nicht schreiben, dass man im Abendmahl Gott erfährt. Ich habe ja auch an Abendmahlsfeiern teilgenommen und hatte überhaupt nicht das Gefühl, Gott nahe zu sein.

Als er das gesagt hat, habe ich verstanden, dass es nicht in erster Linie darauf ankommt, was man beim Abendmahl fühlt oder erlebt. Gotteserfahrungen sind unverfügbar. Das Abendmahl ist offen dafür, dass Menschen dabei Gott erfahren. Aber viel öfter als das passiert, erfahren Menschen beim Abendmahl gar nichts außer eben dass sie ein Stück Brot schmecken und einen Schluck Wein oder Saft oder auch eine Traube zu sich nehmen. Und trotzdem glaube ich mit Johannes, dass Jesus Christus in Brot und Wein gegenwärtig ist und das Abendmahl wirkt. Und zwar zieht es mich ins ewige Leben. Und zwar egal ob ich die Gemeinschaft schön oder schwierig finde, egal ob ich Form steif oder ansprechend finde, egal ob ich mich wohl oder unwohl fühle egal ob ich finde, dass ich gerade die Vergebung meiner Sünden besonders brauche oder denke, dass ich eigentlich in den letzten Wochen nichts schwerwiegendes verbrochen habe.

Ich muss die Gegenwart Christi im Abendmahl nicht erleben. Ich muss sie nicht wahrnehmen. Ich muss mich nicht wohlfühlen und ich muss mich nicht besonders glaubensstark fühlen, damit das Abendmahl wirkt.

Es wirkt auf einer anderen Ebene, die von meiner Befindlichkeit unabhängig ist. Christus wirkt im Abendmahl und ja ich kann zu dieser Wirkung nichts beitragen. Brot und Wein, Fleisch und Blut, die Gegenwart Christi in Brot und Wein wird mir geschenkt. Und ich kann nichts anderes tun als sie dankbar anzunehmen. Im Abendmahl begegne ich Gott, ob ich das erlebe oder nicht. Ob ich es wahrnehme oder nicht. Und das Abendmahl wirkt, ob ich fest daran glaube oder doch unabweisbare heimliche Zweifel mich quälen. Das spielt keine Rolle. Christus zieht mich ins ewige Leben.

Ich finde das genial. Und es ist die größte Herausforderung, die ich mir vorstellen kann. Keine Psychologie, keine Innerlichkeit, kein Erleben, nur die einfache Zusage: „Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.“ Brot, das aus dem Himmel gekommen ist. Ewiges Leben einfach so. Was für einen Schatz haben wir in dem Geschenk des Abendmahls. Was für eine Quelle von Kraft und Wundern ist das.

Ewiges Leben geschenkt, die Gegenwart Christi ist da. Und wir müssen es nicht glauben, wir müssen auch nichts tun. Wir müssen nichts erleben. Wir müssen nichts inszenieren. Wir müssen nichts fühlen. Alles tut Christus für uns.

Danke! Danke Jesus Christus für deine Zusage. Danke, dass du uns ewiges Leben schenkst. Danke, dass du zu uns kommst, bevor wir dich gesucht haben.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal am Abendmahl teilnehmen. Sie können sich entspannen. Sie müssen nichts tun. Christus hat alles für uns schon getan.

Genießen Sie seine Gegenwart auch wenn Sie sie nicht wahrnehmen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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