Der Maria-Effekt

Liebe Schwestern und Brüder!

Zwei Frauen und Schwestern, Marta und Maria, begegnen Jesus. Und das alles passiert im Haus von Marta.

Marta, die vollkommene Gastgeberin hat Jesus eingeladen und kümmert sich um das kulinarische und leibliche Wohlergehen des Gastes. Wie man das eben mit orientalischer Gastfreundschaft so macht. Sie bringt Speisen und Getränke und schafft und bedient. Und Jesus erzählt vom Reich Gottes und verkündigt das Evangelium.  Er redet. Und zu seinen Füßen sitzt Maria, die Schwester Martas,  und lauscht seinen Worten und seiner Rede.

Zwei Menschen und zwei Perspektiven auf Jesus und seine Rede.

Zwei Frauen, zwei bestimmte Handlungsmuster und typische Verhaltensweisen von Menschen  und ihr Umgang mit dem Wort Gottes, könnte man heute sagen.

Da ist der eine Typus, den wir auch alle in und auswendig kennen, weil er auch in uns steckt.  Hier fest gemacht an einer fleißigen und geschäftigen Person, die alles Mögliche gut organisiert, herrichtet, viel Zeit und Energie in alles Mögliche wichtige oder weniger Wichtige investiert und will, dass der Gast, Freund, Kunde oder Verwandte gut bedient und mit perfekter Servicequalität zufriedengestellt wird.

Die männlichen und weiblichen Martas haben auch wenig Zeit zu zuhören oder aufzunehmen und zu spüren, was das Gegenüber will, weil sie immerzu beschäftigt sind und vollen Einsatz bringen. Bis hin zur Selbstaufgabe, Selbstausbeutung und dem Burn-Out.

Sie verpassen auch den Zeitpunkt und nehmen sich nicht die Zeit das Lebensentscheidende und das Notwendige, was bestimmt viel weniger ist als ein Mehr, eine Vielzahl an formaler, gastgeberischer Aufmerksamkeit, Sitte und Gepflogenheit.

Das gute Gespräch und das liebevolle, freundschaftliche Miteinander ist bestimmt tausendfach effektiver und schöner als das perfekte Menü oder die Rede über den besten Wein zum Essen.

Die besten Einladungen sind die, bei der wir als Gäste und Freunde uns gut unterhalten, füreinander Verständnis finden und weniger formale Regeln oder gesellschaftliche Zwänge die Ästhetik und Kulinarik am Tisch bestimmen.

Und mit noch etwas raubt  sich der Marta-Typus von Mitmensch bestimmter Lebensfreuden und auch Möglichkeiten der Ruhe und Entspannung.

Wer immer, weil er mit allen möglichen, durchaus auch  wichtigen Alltagsdingen oder vermeintlich relevanten Lebensentscheidungen beschäftigt ist, der verpasst das wirklich wichtige im Leben. Und ist dann extrem enttäuscht, wenn etwas nicht im Leben so läuft wie er sich das vorgestellt hat.

Also hat das Marta-typische Verhalten von uns Menschen zwar vordergründig einen tieferen Sinn, denn es gibt uns Ordnung und  Struktur, befriedigt aber nicht innerlich und macht noch nicht mal zufrieden.

Wobei Jesus nicht zur Marta sagt, dass es im nicht gefallen würde, von ihr bedient und umsorgt zu werden.

Ich denke, er wünscht sich nur mehr innere Gelassenheit und Ruhe, vielleicht auch Stille für Marta. Weniger Stress, weniger Hektik, weniger Umtriebigkeit, mehr Ruhe, mehr Hin- und Zuhören, mehr Annahme und innere Aufnahme der Botschaft, dass die Liebe Gottes darin besteht, sein Wort im Leben an- und aufzunehmen.

Es geht also in der Beispielgeschichte von Marta und Maria den beiden verschieden lebenden Schwestern nicht in erster Linie darum, dass die fleißige Marta gerüffelt wird und die zuhörende Maria bevorzugt wird, was die kleine Geschichte über die ungleichen Schwestern vielleicht vordergründig zu erzählen scheint. Es geht Jesus vielmehr Martas Blick darauf auszurichten und zu weiten, einmal herunterzukommen von dem Stress und der Schufterei und sich vielleicht auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Nämlich: dem Zuhören auf das lebensspendende und Kraft gebende Wort Jesu und seine Anwesenheit im Leben.

Denn wer sich aus der Tretmühle der Sorgen und des ewigen depressiven und pessimistischen Gleichklangs der Weltsicht ausschließt oder in blindem Aktionismus der Taten erstickt oder sich von vermeintlichen und wirklichen Pflichten und Aufgaben erdrücken lässt, der wird immer in Sorge leben.

Immer! Wir alle kennen solche Menschen.
Und Jesus gibt uns allen einen Hinweis, dieses sich sorgende und depressive Ausgebrannt sein zu entledigen:

Er sagt zu uns und ich nenne es den Maria-Effekt!

Setzt euch hin und macht es so wie Maria heute!

Wählt für euer eigenes Wohl den guten und entspannenden Teil der Botschaft Gottes für uns Menschen. Lebt aus dem Glück des Glaubens.

Hört meinen Worten, hört meiner Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes zu!
Kommt zum Gottesdienst und lauscht der Botschaft von der Liebe und Gnade Gottes und überfordert euch nicht in eurem Alltag und mit euren Sorgen. Denn jeder Tage hat seine eigne Sorge.

Ent-sorgt eure Sorgen und Nöte, euren Stress und eure Angst bei mir, indem ihr euch von meiner Botschaft trösten und halten lasst.

Lauscht der wunderbaren Botschaft, dass kein Mensch vor Gott und von Gott für die Anzahl seiner erbrachten Werke und Dienste bevorzugt wird. Aber auch keiner abgestraft und benachteiligt.

Und wenn wirkliche Not herrscht in uns, in unserer Seele und die Psyche durcheinander gerät, wenn der Alltag und die Sorgen uns quälen, dann können und vielleicht sollten wir auf das Wort Gottes hören, das sich in Jesus Christus für uns Christen offenbart hat:

Und wir können uns auf die Botschaft dessen, auf den guten Teil dessen verlassen, der gesagt hat: Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden!

Doch davor stehen das Erzählen und auch das Zuhören!

Und wie kommen der Trost und die Seelsorge zu mir:

In dem ich mich hinsetzte und z höre und das Wort Jesu annehme und mich im Gebet und im Zweigespräch an ihn wende und seiner Seelsorge für mich lausche, eben es wie die Maria mache.

Und wie geschieht diese liebende und tröstende, diese annehmende und verzeihende Seelsorge Jesu für uns Menschen?

Im Dreischritt von Hinhören, Zuhören und Annehmen:

Das ist der Maria-Effekt. Hinsetzen, zuhören, an-und aufnehmen. Sich Zeit nehmen für sich und andere.

Denn eines sagt die Geschichte nicht:

Dass das Verhalten der Marta falsch wäre, sondern nur dass sie den rechten Zeitpunkt verpasst auf das eigentliche zu hören.

Dass Maria ein besserer Mensch sei, weil sie zuhört, hinhört und das Wort Gottes aufnimmt. Das sagt das Gespräch Jesu mit Marta auch nicht aus.

Also Hinhören in uns selbst, zu hören auf das Wort Gottes, hier im Gottesdienst oder in und durch die Liebe meines Gegenübers  und es annehmen und aufnehmen ins eigene Leben und das Leben wird runder und schöner, so wie bei Maria.

Amen.

 

 

 

 

 

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