Einfach seinen Job machen

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wir brauchen eine Kultur der Wertschätzung in den Firmen in den Kirchen und in der Verwaltung. Wir sollten höflich miteinander umgehen, uns bedanken, wenn wir etwas bekommen, freundlich bitten, wenn wir etwas von jemandem brauchen. Diese Kultur ist wichtig, denn dann gehen die Leute gerne zur Arbeit oder in die Kirche und sind auch bereit sich zu engagieren. Alle fühlen sich wohl und es gibt weniger Spannungen. Das leuchtet jedem ein und wird in großen Firmen auch konsequent durchgesetzt.

Alle in der Kirche sind dieser Meinung – außer Jesus. Ich lese

Lukas 17,7-10

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; und danach sollst du essen und trinken?

9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war?

10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

Was soll denn das?

Vorsintflutliches Hierarchiedenken? Respektloser Umgang mit Menschen? Katastrophale Personalführung? – so würde man das heute wohl bezeichnen.

Klar provoziert Jesus hier – besonders die Gewerkschafter unter uns:

Das ist nicht gerade gewerkschaftsfreundlich. Ich soll schuften und nicht meckern und am Ende noch sagen: Ich bin unwichtiges Personal und habe nur gemacht, was ich sollte und keinen Dank erwarten. Das ist doch etwas zu viel verlangt. Und öffnet es nicht der Ausbeutung Tor und Tür. Wenn man keinen gerechten Lohn und angemessenen Dank verlangt, dann machen die mit einem was sie wollen. Als Arbeiter oder Angestellte muss man für seine Rechte kämpfen und auch für einen guten Tarifabschluss und gute Arbeitsbedingungen. Das ist wichtig. Da kann man sich nicht hinstellen und sagen, ich bin nur eine kleine Angestellte und ich habe nur gemacht, was mir aufgetragen wurde und ich habe keinen angemessenen Lohn verdient.

 

Vorsicht. So meint Jesus das nicht. Jesus hält keine Rede an das Volk: Jesus sagt nicht zu der Volksmenge: „Ihr müsst gut arbeiten und dürft dafür keinen Dank erwarten. Eure Arbeitsmoral ist schlecht. Ihr müsst sie verbessern, damit die judäische oder galiläische Wirtschaft voran kommt.“

 

Sehen wir uns einmal an zu wem Jesus das sagt! Vorher haben die Leitungskräfte seiner Bewegung von ihm verlangt ihren Glauben zu stärken. Und er hat geantwortet, wenn sie nur Glauben hätten so groß wie ein Senfkorn könnten sie einem Maulbeerbaum sagen, er solle sich ins Meer verpflanzen und er würde das tun.

Direkt nach dieser Stelle kommt unser Predigttext. Jesus redet also mit seinen Aposteln, den zwölf. Er redet mit denen, die er für seine Nachfolge ausgesucht hat. Und die stellen Forderungen. Sie wollen etwas von Jesus, was er nicht tun kann. Jesus findet sie sind selbst für ihren Glauben verantwortlich. Er kann ihren Glauben nicht stärken. Da müssen sie sich selbst drum kümmern.

 

Jesus spricht mit der Leitungsebene seiner Bewegung. Er spricht mit den zwölf Aposteln. Er redet nicht mit den kleinen Angestellten oder mit den Sklaven. Er redet mit den Chefs. Und denen sagt er: „Macht verdammt noch mal euren Job und stellt eure Eitelkeiten zurück. Fixiert euch nicht auf euer Glaubensleben und erwartet auch nicht großartige Erfahrungen und überschwänglichen Dank. Tut, was ich euch sage, und bildet euch nichts ein, auf das, was ihr tut.“

 

Diese zwölf Männer sind gerade dabei sich selbst und ihr Innenleben in den Mittelpunkt zu stellen und vergessen ganz, wofür Jesus sie berufen hat. Sie sollen arbeiten. Sie sollen sich um das Volk kümmern. Sie sollen Kranke heilen und das Evangelium verkündigen und nicht sich um ihren Glauben Sorgen machen und unangemessene Forderungen an Jesus stellen. Was sie tun sollen, wird gebraucht. Und das sagt er ihnen dann auch sehr deutlich mit diesem Vergleich.

 

Er rückt den Aposteln den Kopf zurecht. Und das ist wichtig. Denn sie müssen kapieren, dass es nicht um sie und ihren Glauben geht. Und sie müssen aufhören, sich als die Bosse einer zukünftigen mächtigen und erfolgreichen Bewegung zu phantasieren, in der sie mächtig sind und ihnen die Massen dankbar zu Füßen liegen.

 

Hand aufs Herz. Hätten Sie Ihrem Chef nicht auch mal gerne gesagt: „Jetzt spiel dich nicht so auf, sondern mach einfach deinen Job.“

Oder

„Es geht hier nicht um deine Eitelkeit sondern darum, dass wir gute Maschinen bauen.“ Das kann man als Untergebene nicht so einfach sagen. Aber es wäre ganz gut, wenn jemand der Leitungsebene so etwas mal ins Gesicht sagen würde. Oder?

 

Jesus sagt das seinen Aposteln. Und er hat recht. Auf Dauer wird eine Firma oder eine Kirche oder eine Verwaltung nur funktionieren, wenn alle ihre internen Machtkämpfe und verletzten Eitelkeiten zurückstellen und sich um das kümmern wozu die Firma oder die Kirche oder die Verwaltung da ist. Alle müssen einfach ihren Job machen und nicht erwarten, dass sie dafür mit Dank überschüttet werden. Es gibt eine Aufgabe, und die muss man erfüllen. Punkt. Mit dieser Einstellung zur Arbeit erzielt man gute Ergebnisse. Das ist das Geheimnis einer funktionierenden Firma, Kirche oder Verwaltung.

 

Wirklich gut für alle Beteiligten ist es, wenn die innere Einstellung, mit der man seine Arbeit tut, stimmt. Und das geht nur, wenn man im Stande ist seine persönlichen Eitelkeiten zurückzustellen und seine Aufgabe zu Gunsten des Ganzen zu erfüllen.

 

Und das ist keineswegs vorsintflutlich. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn alle einen Sinn in dem sehen, was sie tun. Wenn alle gute Maschinen bauen, Kranke heilen, das Evangelium verkündigen oder einen guten und gerechten Staat am Laufen halten wollen. Wenn das nicht mehr klar ist, wozu man das alles tut, dann braucht man Personalmanagement und eine Kultur der Wertschätzung und Motivationsanreize.

 

Ich sage nicht, dass das schlecht ist, im Gegenteil es macht das Leben angenehmer und das ist gut. Aber Jesus verlangt viel mehr von seiner Leitungsebene.

 

Jesus verlangt von den Aposteln, sich als Sklaven zu verstehen, als Dienende und nicht als Herrschende. Sie sollen sich nicht wünschen groß und großartig zu sein. Sie sollen sich als Menschen verstehen, die ihren Job machen und ihren Auftrag ausführen. Und er sagt ihnen: „Ihr werdet euren Auftrag nur gut ausführen, wenn ihr eure Eitelkeit und eure Wünsche nach Macht und Ansehen zurückstellt und einfach macht, was ich euch aufgetragen habe und dafür keine Belohnung erwartet.“

Jesus entwirft hier ein Bild von guter Leitung, was aktueller ist denn je. Jesus hat das zwar für die Kirche entwickelt, aber es gilt weit über den kirchlichen Bereich hinaus.

 

Wirklich gute Leitung wird das, was erreicht werden soll in den Mittelpunkt stellen und selbst mit gutem Beispiel voran gehen und nicht von anderen etwas erwarten, was  man selbst nicht leisten will.

Und gerade Kirche ist nur Kirche, wenn sie Kirche für andere ist. Es darf bei uns nicht darum gehen, wer der Chef ist, und wessen Glauben am tollsten ist. Es muss immer um die Menschen gehen, die das Evangelium brauchen und die Heilung und Veränderung brauchen. Und dafür müssen wir uns alle gemeinsam einsetzen. Es gibt nur einen berechtigten Chef und das ist Jesus. Und alle Anderen sind dazu da, ihren Job zu machen und das was Jesus uns aufgetragen hat. Das ist zwar nicht gemütlich. Aber es ist genau das, was wir brauchen, und was Kirche zu Kirche macht.

 

Ja, ich fühle mich von Jesus provoziert. Ja, ich finde diese Anforderung unangenehm. Und ja ich fühle mich ertappt. Aber mir gefällt auch die Klarheit. Ich soll meinen Job machen und meine Eitelkeit zurück stellen und keinen Dank erwarten.

Eigentlich finde ich das richtig. Auch wenn es mir schwer fällt. Gut das Jesus mich mal daran erinnert, was es heißt Pfarrerin geworden zu sein. Das ist ok. Es geht um die Menschen, die das Evangelium brauchen, nicht um mich. Und nur einer ist Chef, Jesus. Damit bin ich einverstanden, denn ich weiß dass das für alle richtig ist.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

 

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