Feuer und Flamme

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

hier vor brennen die Kerzen auf dem Altar. Wir haben den letzten Sonntag der Epiphaniaszeit. Die Zeit der Erscheinung des Lichts.

Um Feuer geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Heiliges Feuer. Gott der aus dem Feuer spricht. (Wir haben diesen Text gerade als Lesung gehört)

Ich lese: 2. Mose 3, 1-14

1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

2 Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

3 Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

4 Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

5 Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

7 Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.

8 Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.

9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Drangsal gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen,

10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

11 Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?

12 Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott dienen auf diesem Berge.

13 Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen?

14 Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.

 

Gott spricht zu Mose aus dem brennenden Dornbusch. Der Busch brennt aber er verbrennt nicht. Und als Mose näher kommt, warnt Gott ihn: „Mose, zieh deine Schuhe aus. Dies ist heiliges Land.“ Die Erscheinung in der Wüste ist wunderbar. Und sie ist furchtbar. Natürlich rennt Mose hin als er ein Feuer sieht. Ein Steppenbrand ist gefährlich für ihn und für seine Schafe.

Dieser Gott, der aus dem Feuer spricht, ist wunderbar und furchtbar. Und was er von Mose verlangt ist es ebenfalls. Mose ist alt. Sein Leben hat er mit Schafe hüten verbracht.  Ja, früher einmal, da war er Prinz von Ägypten und noch früher Sohn einer hebräischen Sklavin. Mose hat einen Mord begangen. Mose musste fliehen und hat sich unter den stolzen Nomaden ein neues Leben aufgebaut. Und jetzt steht er hier – alt und müde geworden – vor dieser Erscheinung des mächtigen Gottes. Und sein bisheriges Leben geht in Flammen auf.

All die Jahrzehnte. Das war nur die notwendige Vorbereitung auf den alles entscheidenden Auftrag. Mose  soll Israel aus Ägypten befreien. Vor ihm liegt die Konfrontation mit dem mächtigsten Mann der damaligen Welt – mit dem Pharao von Ägypten.

Und wer gibt ihm diesen wahnwitzigen Auftrag?

Der Gott seiner Väter, der Gott der Hebräer, ein Gott, den Mose überhaupt nicht kennt. Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs. Ein Gott aus grauer Vorzeit. Auf dessen Geheiß hin soll er den Pharao herausfordern. Das ist lächerlich.

Deshalb die Frage des Mose: Mit wem habe ich es hier zu tun?

Ja, dies ist heiliges Land, dies ist ein Wunder. Gefährliches Feuer und doch verbrennt der Busch nicht. Und nun das Versprechen:  Ich bin, der mit dir ist, ich bin der mit euch ist, ich bin der der immer da war und immer da sein wird.

Und Mose sieht in dem Busch sein Schicksal. Brennen, und nicht verbrennen. Noch einmal etwas Großes tun im Leben – brennen – sich für etwas ganz einsetzen und dabei nicht kaputt gehen. Mose ein alter Mann, der nichts mehr für sich zu erwarten hat. Er ist der Richtige für diese Aufgabe, weil er nichts mehr von sich selbst erwartet. Aber er hat auch nichts mehr zu befürchten. Sein Leben ist sowieso bald zu Ende. Und hier bekommt er die Gelegenheit, dass zu erreichen, was er als junger Mann in seinem Zorn und mit all seiner Kraft nicht konnte, ein Volk zu befreien. Diese furchtbare Ungerechtigkeit, die ihn sein Leben am königlichen Hof gekostet hat, endlich zu beseitigen. Möglicherweise hat Mose Jahrzehnte in der Einsamkeit der Berge verbracht und immer wieder darüber nachgedacht, was er gegen diese himmelschreiende Unterdrückung seines Volkes in Ägypten hätte tun können. Und ihm ist einfach nichts eingefallen. Und jetzt erscheint plötzlich die Gelegenheit.

Ja, Mose fragt nach. Aber Mose geht auch. Ihn hat das Feuer ergriffen. Er ist entflammt für seine Aufgabe. Und er weiß, er ist nicht mehr ist als ein vertrockneter alter Dornenstrauch. Aber genau darin zeigt sich Gott. In den Flammen, die brennen aber nicht verbrennen.

Liebe Gemeinde,

was erwarten Sie noch vom Leben? Mose ist 80 als die entscheidende Wende in seinem Leben geschieht.

Was erwarten Sie noch von ihrem Leben?

Ja wenn man jung ist, und das Leben noch vor einem liegt und man sich vorstellt, was man alles erreichen kann. Das ist schön. Das ist spannend. Als Mose jung war, hat er einen Mord begangen. Er hat den ägyptischen Aufseher, der einen alten Israeliten gequält hat, erschlagen, und auf einmal war es mit seiner Zukunft vorbei. Er hat einen Fehler gemacht und das war’s  dann.

Aber bei Gott ist es nicht so schnell vorbei. Alles was wir tun, alles was uns begegnet, sei es gut oder schlecht, kann Gott gebrauchen. Denn auch für uns gibt es einen Auftrag, vielleicht einen Auftrag, der jenseits unserer Möglichkeiten liegt, etwas, was wir alleine nie bewältigen könnten? Wer weiß, wozu alle unsere Fehler einmal gut gewesen sind. Wer weiß, wann der  Moment kommt, wo wir in Gottes Auftrag über uns selbst hinaus wachsen werden?

Erwarten Sie nicht, dass alles immer so weiter geht. Es kann in jeder Minute passieren, dass Sie plötzlich vor Ihrem brennenden Dornbusch stehen und wissen: Hier ist heiliges Land. Jetzt kommt es darauf an. Und ihr Leben steht in Flammen. Das ist es, auf das alle meine bisherigen Erfahrungen mich vorbereitet haben. Das kann etwas so gewaltiges sein wie eine Konfrontation mit dem Präsidenten der USA oder etwas ganz kleines, dass nur für Gott und für Sie selbst sichtbar ist wie eine innere Aussöhnung mit einer Person, mit der Sie jahrelange  im Streit gelegen haben.

Ich habe keine Ahnung wie ihr Auftrag ausgesehen hat oder noch aussehen wird. Aber wenn es soweit ist, dann werden Sie es wissen. Dann wird ihr Herz höher schlagen und sie werden von einer Macht ergriffen, die großer ist als Sie selbst und es wird nicht mehr darauf ankommen, was mit ihnen selbst passiert. Es wird etwas sein, das größer ist als Sie selbst.

Heiliges Land kann überall auftauchen, im Wohnzimmer oder in der Wüste, in der schlimmsten Katastrophe und in dem Moment größten Glücks. Wir können es nicht herstellen. Es begegnet uns und dann müssen wir uns dazu verhalten.

Und das ist nicht einfach schön, sondern es ist immer auch schwierig, eine große Herausforderung, die uns genau in dem Moment erreichen wird, wo wir bereit sind uns ihr zu stellen.

Gott macht keine Fehler. Gott hat eine Aufgabe, einen Auftrag – mindestens einen Auftrag-  für jeden von uns. Und wenn der Moment kommt, dann wird er mit uns sein. Und wir werden etwas tun, was wir uns selbst nie zugetraut hätten, etwas richtig Großes oder etwas ungeheuer Kleines. Aber wir werden wissen, was es ist, was Gott von uns verlangt. Und werden wissen, wozu Gott uns berufen hat. Und es wird etwas sein zu dem unser Herz in der Tiefe unseres ganzen Seins, mit großer Freude ja sagen wird, weil wir uns das im Geheimen schon immer gewünscht haben.

Wir sollten das nicht verwechseln mit den Träumen von Ruhm und Berühmtheit und Nobelpreisen und einer Schar von Menschen, die uns dankbar sind.

Es wird nichts sein, wo wir uns toll und beliebt und beklatscht und bewundert fühlen werden. Sondern es wird etwas sein, was uns wirklich am Herzen liegt – unabhängig davon, wie wir vor anderen dastehen werden.

Vielleicht haben einige von Ihnen jetzt eine Ahnung, worauf das hinaus laufen wird.  In welche Richtung ihr heiliges Land liegt und wozu Sie schon lange in der Tiefe ihres Herzens ja sagen wollten, aber sich nie getraut haben?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie ihren Auftrag finden, dass ihr heiliges Land vor ihnen auftaucht, dass Sie erleben wie Sie den Auftrag Gottes für ihr Leben annehmen und ausführen. Dafür sind wir nie zu alt und auch nicht zu jung. Und dafür macht es auch nichts, dass wir wie dornige Büsche ohne eigenes Leben nur Futter für die Flammen sind. Gott ist es, der dafür sorgen wird, dass wir nicht verbrennen, sondern brennen für das, was uns wirklich am Herzen liegt.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

 

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