Der Glaube ist das größte Wunder

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Wie geschieht Heilung? Wie war das das letzte Mal als Sie krank waren? Wie sind Sie wieder gesund geworden?

Es ist gar nicht so einfach, das festzustellen. Vielleicht hatten Sie eine Grippe und haben sich ins Bett gelegt. Nach einer Woche konnten Sie wieder aufstehen. Vielleicht haben Sie Medikamente genommen, vielleicht haben Sie aber einfach nur abgewartet und sind von selbst wieder gesund geworden. Wie kam es zu der Heilung? Hat der Körper sich selbst geheilt oder haben die Antibiotika Sie geheilt? Oder hat beides zusammen gewirkt? Oder bei der Hüftoperation? Die Schmerzen in der Hüfte sind weg. Hat der Arzt sie geheilt, indem er gut operiert hat. Ist es das künstliche Hüftgelenk, das Sie geheilt hat. Oder würden Sie das Ganze nicht als Heilung bezeichnen, weil es zwar besser geht, aber doch nicht alles wieder so ist wie früher?

Ich lese Ihnen jetzt eine Heilungsgeschichte von Jesus aus dem Johannesevangelium vor. Ich lese

Johannes 4

46 Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum.

47 Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn der war todkrank.

48 Da sprach Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.

49 Der königliche Beamte sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!

50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.

51 Und während er noch hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt.

52 Da fragte er sie nach der Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber.

53 Da merkte der Vater, dass es zu der Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.

54 Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.

 

Mit Fernheilungen ist das so eine Sache. Woher wissen wir, dass das Wort Jesu die Ursache dafür war, dass es dem Jungen besser ging? Der Vater fragt nach der Zeit als das Fieber nachgelassen hat. Das war die gleiche Zeit als Jesus gesagt hat: „Dein Sohn lebt“. Aber hat Jesus das nur gewusst oder hat er es auch bewirkt? Schließlich geht Fieber auch manchmal von alleine weg.

 

Das lässt die Geschichte offen.

 

Ihr geht es nicht darum, dass Jesus wunderbar das Kind des königlichen Beamten heilt. Vielleicht hat er das getan, vielleicht auch nicht. Und das Johannesevangelium sagt dazu: Das war das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam. Was ist das Zeichen?

Das erste Zeichen war als auf der Hochzeit in Kana plötzlich Wein in den Wasserfässern war, weil die Mutter Jesu, den Dienern gesagt hatte, dass sie tun sollen, was Jesus will. Jesu Mutter hat ihm das zugetraut. Sie hat an Jesus geglaubt.

Das zweite Zeichen hier ist, dass ein Kind gesund wird, weil der Vater Jesus glaubt, dass es gesund wird. Dieser Vater hat Jesus geglaubt bevor er gesehen hat, dass sein Kind gesund geworden ist. Er straft damit Jesus Lügen, der gesagt hat: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht.“ Der Vater glaubt bevor er Zeichen und Wunder sieht, und das ist das wahre Wunder.

Zeichen sind also nicht nur, dass etwas  Ungewöhnliches passiert: Wasser wird zu Wein, ein todkranker Junge wird gesund.

Zeichen geschehen dann, wenn Menschen Jesus glauben. Das Wunder ist nicht das, was geschieht, wenn Menschen glauben. Das Wunder ist, dass Menschen glauben. Der königliche Beamte hat Jesus geglaubt. Und nachdem sein Sohn gesund war, glaubte auch sein ganzes Haus.

Der Glaube kommt zuerst und die wunderbaren Ereignisse folgen dem Glauben.

Also zuerst ist der Glaube da, dann kommen die Wunder.

Und wer nicht glaubt, der kann die Wunder nicht sehen. Der Vater glaubt, dass Jesus die Heilung seines Sohnes bewirkt hat. Er hätte auch denken können: „Das war Zufall, dass das Fieber zur gleichen Zeit weggegangen ist.“ Er hat keinerlei Beweise dafür, dass Jesus sein Kind geheilt hat. Aber er glaubt. Und weil er glaubt sieht er das Wunder, dass Jesus sein Kind geheilt hat.

 

Um ein Wunder zu sehen, muss ich in meiner Vorstellung eine Verbindung zwischen zwei Dingen herstellen, wie der Vater hier, der eine Verbindung zwischen dem was Jesus sagt und dem was seinem Sohn passiert herstellt.

 

Ich denke da an eine Geschichte: Eine Familie kommt aus dem Urlaub zurück. Mitten auf der Autobahn rutscht der Dachgepäckträger mit dem ganzen Gepäck vom Dach. Er rutscht auf den Seitenstreifen. Der Fahrer bremst und kommt auf dem Seitenstreifen zu stehen. Sie sammeln ihr Gepäck ein, machen den Dachgepäckträger wieder fest und kommen sicher nach Hause. „Wir hatten einen Schutzengel. Es hätte Tote geben können.“ Sagen sie ihm Nachhinein. „Es war ein Wunder, dass nichts Schlimmes passiert ist.“ Sie hätten auch sagen können: „Es war Zufall, wir haben Glück gehabt.“ Ein Wunder wird dieses Ereignis dadurch, dass die Familie es als Wunder als göttliche Bewahrung deutet.

Wir erleben auch heute noch Wunder, wenn wir genau hinsehen und glauben und die wunderbaren Dinge, die uns begegnen nicht für Zufall halten, sondern für eine göttliche Bewahrung.

Auch heute ist nicht zuerst das Wunder da, sondern zuerst ist der Glaube da. Und dann können wir in den guten Dingen, die uns begegnen, die Wunder sehen.

Und vielleicht trägt der Glaube auch etwas dazu bei, dass die Wunder geschehen. Es gibt wenn es um Heilung geht nachgewiesener maßen einen Zusammenhang zwischen der Erwartung, die jemand hegt, und dem, was ihm passiert. Dieser Zusammenhang ist nicht hundertprozentig. Es ist nicht so, dass man nur glauben muss, und dann geschieht das Gute, dass man erwartet.

Es gibt Leute die sagen: „Man muss nur glauben, und dann wird  man sicher gesund.“ Das ist falsch.

 

Wenn man testet, ob ein Medikament wirksam ist, dann muss es mehr Heilung bewirken als ein Stück Zucker ohne Wirkstoffe. Man gibt Menschen entweder das Medikament oder die Tablette ohne Wirkstoffe. Und man sagt allen: Das ist das Medikament. Bis zu 40% der Leute, die die Tablette ohne Wirkstoffe bekommen haben, fühlen sich danach besser. Man nennt das den Placebo Effekt. Der Körper richtet sich nach den Erwartungen der Seele. Damit ein Medikament als wirksam zugelassen werden kann, müssen sich mehr als 40% der Leute, die es nehmen, danach besser fühlen.

 

Jesus sagt es oft in den Evangelien: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Ja, der Glaube ist sehr wirkungsvoll. Das ist inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen. Und das größere Wunder im Vergleich zu einer wunderbaren Heilung, ist, dass wir glauben können, dass wir auf Jesus Christus vertrauen.

Das war nicht nur damals schwer, das ist heute immer noch schwer. Es gibt so viel, was uns vom Glauben abhält. Und auch wenn uns viel Gutes passiert, dann ist da immer noch die Stimme im Hintergrund, die uns einflüstert: „Das war doch alles nur Zufall.“ Wenn wir auf diese Stimme hören, dann verpassen wir die Wunder, die wir  nur sehen können, wenn wir glauben. Und wir verpassen auch die wunderbaren und heilenden Wirkungen, zu denen der Glaube beitragen kann.

 

Jesus sagt zu dem königlichen Beamten: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ Man kann den Satz auch umdrehen: „Wenn ihr nicht glaubt, so seht ihr die Zeichen und Wunder nicht, die sich vor eurer Nase ereignen.“

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns, uns nach den Zeichen und Wundern umsehen, die sich vor unserer Nase abspielen. Lassen Sie uns dankbar sein für die wunderbaren Heilungen, die wir immer wieder erleben, dass die Schmerzen weg sind nach der Hüftoperation, dass der Husten weggeht, wenn es wieder wärmer wird, und das Hörgerät zwar nicht perfekt ist, aber doch ermöglicht wieder einzelnen Personen zuzuhören.

Ich finde es ist ein Wunder, dass meine Stimme nach drei Jahren wieder gekommen ist und wenn mich jemand fragt, woran das liegt, dann sage ich: „Ich weiß es nicht.

Aber für mich ist das ein Wunder, ein wunderbares göttliches Geschenk. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich wieder predigen kann.“

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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