Ein neues Herz und einen neuen Geist, Dialogpredigt zur Jahreslosung 2017 am Altjahrsabend 2016

Elke: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

ein neues Jahr kommt auf uns zu. Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie inzwischen aufgehört mit guten Vorsätzen in das neue Jahr zu gehen? Oder wollen Sie in ihrem Leben etwas verbessern. Ein neuer Anfang ist ja immer eine Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und festzustellen, was im folgenden Jahr anders werden soll.

Albrecht: Fragst du das nur die anderen oder fragst du das auch mich?

Elke: Ja, sag, hast du gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst?

Albrecht: Nein, ich glaube nicht an gute Vorsätze. Ich glaube nicht, dass ich wirklich etwas an meinem Leben ändern kann. Die Dinge passieren und ich reagiere darauf. Und was alles passieren wird, weiß ich jetzt ja noch gar nicht.

Elke: Ja ich weiß. Das ist deine Art mit dem Leben umzugehen. Ich finde das manchmal ziemlich anstrengend, dass du einfach so in den Tag hinein lebst. Ich bin da anders. Ich möchte die Dinge in die Hand nehmen. Ich will mein Leben gestalten. Ich mache Pläne und versuche die dann umzusetzen. Ich will immer irgendetwas. Ich habe Ziele, ich nehme mir etwas vor.

Albrecht: Das klingt so als hättest du jede Menge gute Vorsätze für das  neue Jahr.

Elke: Öhh… ja klar, ich will weniger essen, mich mehr bewegen genug schlafen und die Dinge ruhiger angehen.

Albrecht: Wann hast du dir das das letzte Mal vorgenommen?

Elke: Im Sommer und im Herbst und vorletztes Jahr und vor zehn Jahren.

Albrecht: Und ist es dir gelungen?

Elke: Eh.. nein. Letztes Silvester habe ich auf gute Vorsätze verzichtet. Ich habe nämlich festgestellt, dass spätestens Mitte Januar klar ist, dass aus den guten Vorsätzen wieder nichts wird. Dann habe ich die Zeit für neue gute Vorsätze auf nach den Sommerferien verschoben, wenn das neue Schuljahr anfängt. Aber das war auch nicht effektiver. Ja, es ist schwer mit Absicht etwas grundlegendes im eigenen Leben zu ändern. Irgendwie funktioniert das nicht, obwohl ich so ein innovativer Mensch mit viel Initiative bin.

Albrecht:  Tja der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Das hätte ich dir auch schon vor zehn Jahren sagen können, dass gute Vorsätze sinnlos sind und nichts bringen.

Elke: Na ja, es doch viel effektiver, dass mich das selbst hast rausfinden lassen. Aber noch mal anders. Denkst du, dass wir beide heute noch genauso wie vor zehn Jahren sind. Haben wir uns nicht verändert? Denken wir heute nicht anders und handeln wir nicht auch anders?

Albrecht: Ja, wir haben uns verändert, aber nicht absichtlich. Wir haben auf die Dinge reagiert, die sich in unserem Leben entwickelt haben und die haben uns verändert.

Elke: Gut, du meinst Veränderung ist schon möglich, aber wir haben es nicht in der Hand in welche Richtung wir uns verändern und wie wir uns verändern?

Albrecht: Wenn du das so sagst, dann klingt das falsch.

Elke: Ich glaube auch das ist falsch. Ja, gute Vorsätze helfen nichts. Aber es gibt etwas, was hilft.

Albrecht: Du meinst die Jahreslosung für 2017.

Elke: Ja, die meine ich.

Albrecht: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch, Hesekiel 36,26. Inwiefern hilft dieser Satz?

Elke: Für positive Veränderungen in meinem Leben brauche ich Gottes Hilfe. Ich schaffe das nicht von alleine. Es reicht nicht, mir etwas vorzunehmen. Mit guten Vorsätzen was mein Seelenleben angeht ist es noch schlimmer als mit dem gesünder leben.  Dinge über die ich mich ärgere mit mehr Abstand zu betrachten. Einen freundlicheren Blick auf andere Menschen zu entwickeln. Mehr Gelassenheit und mehr Ruhe. Dinge laufen lassen, die ich nicht ändern kann. Hoffen, dass etwas gut geht anstatt damit zu rechnen, dass es wieder schief geht. Das Gute sehen und dankbarer leben. Das schaffe ich nicht alleine.

Albrecht: Das schafft kein Mensch. Auch nicht mit den besten Absichten. Also wieso solltest du da eine Ausnahme sein.

Elke: Ja, eigentlich bin ich alt genug, um zu wissen, dass ich auf solche Fragen wie worüber ich mich ärgere und wie  ich andere wahrnehme, tatsächlich wenig Einfluss habe. Ich kann mir nicht vornehmen dankbarer zu leben und das dann einfach umsetzen. Leider. Als handlungsorientierte Person würde ich das wirklich gerne können.

Albrecht: Ja, ich weiß, du nimmst die Dinge gern selbst in die Hand. Aber bei den Fragen des eigenen Seelenlebens geht es nicht so sehr darum die Dinge in die Hand zu nehmen. Es geht vielmehr darum geht die Dinge loszulassen. Die Urteile und Vorurteile loszulassen, den Ärger loszulassen, auch das loszulassen, was man glaubt über den anderen zu wissen.

Elke: Ich weiß, du kannst das manchmal ganz gut, mir fällt das schwerer. Aber auch wenn ich mir das vornehme hilft das nichts.

Albrecht: Ja, denn das neue Herz und den neuen Geist kannst du dir nicht erwerben. Du kannst dir die anderen Gefühle und das andere Denken nicht antrainieren. Du kannst nur darum bitten.

Elke: Und das alte loslassen, und hoffen, dass etwas Neues erscheint.

Albrecht: Und dazu brauchst du viel Geduld. Das alte verschwindet nämlich nicht plötzlich und auf einmal. Du kannst versuchen es loszulassen. Aber in der nächsten Stresssituation ist es wieder da und beherrscht dich.

Elke: Aber wir ändern uns doch oder wir werden verändert. Gott ist doch mächtig, und wenn er uns ein neues Herz schenkt und einen neuen Geist in uns legt, dann ist das doch wirklich so. Dann ist das neue Herz da und der neue Geist ist in uns. Und das muss sich doch auch irgendwie zeigen. Das ist doch Wirklichkeit. Das muss doch wahrnehmbar sein.

Albrecht: Oh ja, das ist wahrnehmbar. Aber es geschieht nicht plötzlich, sondern es entwickelt sich zum Teil über lange Zeiträume. Und dann gibt es Rückschläge und wir müssen wieder von vorne damit anfangen:  Die Urteile und Vorurteile loszulassen, den Ärger loszulassen, auch das loszulassen, was man glaubt über den anderen zu wissen.

Elke: Bei dir klingt das jetzt doch so als würden wir das selbst machen. Aber die Jahreslosung sagt: Gott macht das, nicht wir.

Albrecht: Wir müssen schon den Raum schaffen, dass Gott das tun kann. Wenn wir zu sehr am Alten festhalten ist in uns kein Platz für Neues. Loslassen ist unsere Aufgabe, und uns etwas Neues schenken, etwas Neues in uns zu legen, das ist Gottes Aufgabe. Und das passiert dann schon.

Elke: Ich weiß nicht. Irgendwie hört sich das zu sehr nach guten Vorsätzen an. Und gute Vorsätze funktionieren ja nicht, wie wir schon festgestellt haben.

Albrecht: Nein, es ist ganz anders als gute Vorsätze. Wir machen das tatsächlich nicht selbst auch wenn wir daran beteiligt sind und es nicht gegen unseren Willen passiert.

Elke: Mit dem nicht gegen unseren Willen bin ich mir nicht so sicher. Wenn ich an Menschen denke, die sich stark verändert haben oder von mir aus stark verändert worden sind, haben die oft etwas Schlimmes erlebt. Sie sind durch eine schwere Krise gegangen oder haben einen schweren Verlust erlebt.

Albrecht: Ja, schon. Aber manche, denen etwas Schlimmes zugestoßen ist, sind verbittert und müde geworden und andere weise und freundlich. Die äußeren Umstände bestimmen nicht, wie wir darauf reagieren. Vielleicht bekommen wir ein neues Herz und einen neuen Geist geschenkt und vielleicht werden wir starr und unflexibel und ängstlich und abwehrend und weisen das neue Herz und den neuen Geist zurück oder können uns nicht darauf einlassen.

Elke: Und vielleicht passiert auch erst das eine: wir werden ängstlich und mutlos und dann das andere: Wir gehen gestärkt aus der Krise hervor.  Was wissen wir schon über die Wege Gottes mit uns Menschen? Nicht viel finde ich!

Albrecht: Ja, das ist doch gut. Es gibt leichte Zeiten und schwierige Zeiten. Aber das wichtigste ist, dass wir damit rechnen, dass noch viel Gutes vor uns liegt.

Elke: Ja, ein neues Herz und ein neuer Geist und Mut und Zuversicht. Und wir wissen, dass wir eines Tages alles anders betrachten werden als wir es jetzt sehen. Es liegen tatsächlich viele gute neue Entscheidungen, ein neues Herz, viele schöne Gefühle und Begegnungen, viele gute Gespräche, ein neuer Geist und eine neue Perspektive auf die Welt vor uns. Gott kommt uns entgegen. Und wir freuen uns darauf.

Albrecht: Wir wünschen Ihnen für das Jahr 2017, ein neues Herz und einen neuen Geist und Glück und Segen und Gelassenheit und einen guten Umgang mit den Dingen, die Ihnen schwer fallen.

Elke: und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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