„Nur zu Besuch“ von den Toten Hosen – Andacht auf dem Friedhof

Dies ist eine Friedhofsandacht anlässlich des Ewigkeitssonntags,
die sich mit dem Lied und Text von den Toten Hosen „Nur zu Besuch“ als Trauertext auseinander setzt.

Liebe Schwestern und Brüder!
Nichts kann die Gemütsverfassung der Seele so tief ausloten und nichts kann die Liebe zu einem Menschen so stark spiegeln und universal ausdrücken wie es Musik kann. Musik erreicht die Seele. Musik, Gesang, Lied und die dazugehörende Lyrik treffen unser Innerstes. Viel tiefer und elementarer als es Worte jemals könnten, kommt Musik an unsere Psyche ran. Das gilt für das Leben und zu Lebzeiten mit wunderbaren, einmaligen Liebesliedern, und für sehr viele Menschen auch in der Trauer bei einem Todesfall und schmerzlichen Verlust in der Familie.
Musik hilft bei der Trauerbewältigung, löst den Schmerz auf der Seele und hat psychologisch gesprochen – reinigende, kathartische Wirkung bei Trauer und Verlust.
Trauer, Traurigkeit, endgültiger Verlust, Abschiedsschmerz und das Weinen, Schreien, Jammern, Seufzen, Klagen Verzweifeln und psychisches Leiden sind die Folge von einem seelischen Trauma, das sich durch den Tod und Verlust eines geliebten Menschen manifestiert und uns in Trauer hält.
Und so ist es gut, hilfreich und schön, wenn ein Lied und oder Musik der Kanal für den Schmerz der Seele sind.

Aber mindestens genauso wichtig für die Trauerarbeit und Erinnerung sind die Orte für das Zwiegespräch mit den Verstorbenen auf dem Friedhof, also das individuelle Grab und der konkrete Platz, wo die sterblichen Überreste der Angehörigen liegen.

Menschen brauchen konkrete Orte, Plätze und Rituale zum Trauern. Wir wissen es aus Jahrhunderte-langer Seelsorgeerfahrung

Und somit sind das Grab mit Namen auf dem Grabstein und/oder Kreuz, mit eingemeißelten Geburts- und Sterbedatum nicht nur der Ort für die Trauer, fürs Gebet, für das leise oder laute Zwiegespräch. Gräber sind und waren auch immer Orte der Tränen, der Hoffnung auf Wiedersehen, der Sehnsucht und der liebevollen Erinnerung an einst gelebtes Leben eines besonderen und geliebten Menschen.

Campino, der Sänger der Toten Hosen hat diesen Gang zum Grab, der uns immer wieder schmerzlich an den Tod und Verlust unserer geliebten Angehörigen erinnert, auf sehr melancholische und wunderbar zärtliche Art und Weise im Lied „Nur zu Besuch“ besungen. Ganz im Gegensatz zu andern Songs der Toten Hosen herrscht im Song die Ruhe und wird der seltsam tröstliche Charme, der von Friedhöfen ausgeht, auf einzigartige Weise beschrieben.

Einer geht auf den Friedhof mit Blumen ans Grab und spricht dort mit einer verstorbenen Frau, wahrscheinlich seiner Mutter. Er legt die Blumen aufs Grab und singt seinen Schmerz aus der Seele.

Er singt:

Ich habe Blumen mit, weiß nicht, ob du sie magst.
Damals hättest du dich wahrscheinlich sehr gefreut.

Und so red ich mit dir wie immer,
so als ob es wie früher wär,
so als hätten wir jede Menge Zeit.

Ich spür dich ganz nah hier bei mir,
kann deine Stimme im Wind hören
und wenn es regnet, weiß ich, dass du manchmal weinst,
bis die Sonne scheint; bis sie wieder scheint.

Ich soll dich grüßen von den andern:
sie denken alle noch ganz oft an dich.

Und dein Garten, es geht ihm wirklich gut,
obwohl man merkt, dass du ihm doch sehr fehlst.

Sie spüren es ist ein liebevolles und intimes Zwiegespräch in Form eines Monologs, das er vorträgt. Auch der Wunsch auf ein wirkliches Gespräch meint man zu spüren.

Und zum Schluss singt er:

Und so red ich mit dir wie immer
und ich verspreche dir,
wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit.

 Dann werden wir uns wiedersehen,
du kannst dich ja kümmern, wenn du willst,
dass die Sonne an diesem Tag auch auf mein Grab scheint –
dass die Sonne scheint, dass sie wieder scheint.

Dabei spürt und begreift man, dass der Wunsch und die Gewissheit auf ein Wiedersehen bestehen. Auf ein friedliches und von Sonnenlicht durchflutetes Wiedersehen und Miteinander irgendwann.

Es ist nicht nur schön, das Lied. Es hat fast schon eine religiöse Komponente: Nämlich das Wiedersehen nach dem Tod.

Wir glauben, hoffen und wissen in unserem Innersten, dass wir sie wieder sehen, unsere Angehörigen. Es ist unser sehnlichster Wunsch.
Irgendwann, wenn die Zeit kommt, wenn wir von dieser Welt in die andere hinüber müssen. Und wir werden sie dort wieder treffen. Da , wo sie jetzt unsichtbar für uns weiterleben in Gottes Nähe. Da, wo er sie in seine Nähe geholt hat. In der Ewigkeit Gottes, im religiösen Himmel, dort werden wir eines Tages sie wieder sehen. Im Leben der der neuen Welt
Das ist wahrlich kein geringer Trost bei aller Trauer, seelischer Erschöpfung und allem unwiederbringlichem Verlust von Liebe und menschlicher Nähe. Gerade hier auf dem Friedhof
Wir sehen sie wieder, denn Sie sind jetzt in der Nähe Gottes, er hat sie geholt in seine Nähe; dort, wo der himmlische Friede ist, die Erlösung und das neue, ganz andere Leben. Dort, wo das Leben der kommenden Welt ist, wie es am Ende des Nicänischen Glaubensbekenntnisses so verheißungsvoll heißt.
Dann werden wir uns wiedersehen und über dem Leben und den Gräbern scheint wieder die Sonne.Das IST KEIN GERINGER Trost und auch im Verständnis unserer Religion, dem Christentum, keine billige Vertröstung auf ein besseres und schöneres Leben im Jenseits bei aller Trauer, Ohnmacht, Angst, Sorge und Verzweiflung, die viele heute hier und jetzt plagen und innerlich unruhig machen.
Wir sehen sie wieder. Dann werden wir uns wiedersehen, singt Campino.  Das ist unsere starrköpfige Hoffnung und unser unbändiger Halt und Anker der Hoffnung gegen die Sinnlosigkeit und Absurdität des Todes und die Ohnmacht, die der Tod ins uns durch den Verlust eines geliebten Menschen erzeugt.
Denn es ist eben ein Merkmal der Trauer und des Verlusts;
Ohnmacht, Verzweiflung und die Absurdität des Lebens auszuhalten und aushalten zu müssen. Das ist traurig, bitter und manchmal schwer zu ertragen. Am Meisten schmerzt der Verlust: Kein Gespräch mehr, kein Hallo mehr, kein „Ich liebe dich“ oder „pass auf dich auf“, „sei behütet und komm wieder!
Nichts dergleichen. Das geht an die innere Substanz und raubt einem, wenn es nach dem Trauerschock sich langsam ins Bewusstsein setzt, manchmal vor Trauer, Ohnmacht und Wut fast den Verstand.
Diese Leere und Einsamkeit über den unwiederbringlichen Verlust lähmt die Lebensenergie, aber wandelt sich mit der Zeit in die Hoffnung auf ein getröstetes und zukünftiges Wiedersehen.

Von der Hoffnung auf ein Wiedersehen wünsche ich allen, die heute hier und jetzt um Verstorbene trauern und damit zum Grab gehen, ganz viel. Auch viel von der Sonne und deren Kraft und Licht und dass die Sonne wieder in ihrem Leben scheint, um weiter zu leben.
Jesus Christus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Leben.               Johannes 8,12
Ja, sie leben unsere Angehörigen und einmal sehen wir sie wieder.

 

Nur zu Besuch von den Toten Hosen

Immer wenn ich dich besuch, fühl ich mich grenzenlos.
Alles andere ist von hier aus so weit weg.

Ich mag die Ruhe hier zwischen all den Bäumen,
als ob es den Frieden auf Erden wirklich gibt.

Es ist ein schöner Weg, der unauffällig zu dir führt.
Ja, ich habe ihn gern, weil er so hell und freundlich wirkt.

Ich habe Blumen mit, weiß nicht, ob du sie magst.
Damals hättest du dich wahrscheinlich sehr gefreut.

Wenn sie dir nicht gefallen, stör dich nicht weiter dran.
Sie werden ganz bestimmt bald wieder weggeräumt.

Wie es mir geht, die Frage stellst du jedes Mal.
Ich bin okay, will nicht, dass du dir Sorgen machst.

Und so red ich mit dir wie immer,
so als ob es wie früher wär,
so als hätten wir jede Menge Zeit.

Ich spür dich ganz nah hier bei mir,
kann deine Stimme im Wind hören
und wenn es regnet, weiß ich, dass du manchmal weinst,
bis die Sonne scheint; bis sie wieder scheint.

Ich soll dich grüßen von den andern:
sie denken alle noch ganz oft an dich.

Und dein Garten, es geht ihm wirklich gut,
obwohl man merkt, dass du ihm doch sehr fehlst.

Und es kommt immer noch Post, ganz fett adressiert an dich,
obwohl doch jeder weiß, dass du weggezogen bist.

Und so red ich mit dir wie immer
und ich verspreche dir,
wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit.

Dann werden wir uns wiedersehen,
du kannst dich ja kümmern, wenn du willst,
dass die Sonne an diesem Tag auch auf mein Grab scheint –
dass die Sonne scheint, dass sie wieder scheint.

Text und Musik: Die Toten Hosen

Gesungen und performt von den Toten Hosen und deren Sänger Campino auf der gleichnamigen  CD „Nur zu Besuch“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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