Sich ändern – aber wie? Buß- und Bettag 2016

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Es ist 20:00 Uhr. Die Sitzung sollte beginnen. So stand es in der Einladung. Zehn Leute werden erwartet. Aber es sind erst 4 da. Ich sehe auf die Uhr und bin sauer und denke: Ich habe auch besseres zu tun als hier zu warten. Wieso fängt das nicht pünktlich an? Und dann wird es wieder nach 22:00 bis es zu Ende ist und ich muss noch zurück fahren und brauche mindestens eine Stunde um runter zu kommen. Also werde ich nicht vor 12 zum Schlafen kommen. Und wieso fängt diese unfähige Leitung nicht um 20:00 an dann würden die anderen wahrscheinlich das nächste Mal auch pünktlich kommen.

Kennen Sie das?

Oder ich blicke auf die Straße herunter. Wieso liegt jetzt wieder Laub vor meiner Tür. Ich habe alles weggekehrt und der Nachbar kehrt nie Laub und fliegt es zu  mir herüber und morgens wenn ich nicht aufpasse, dann rutsche ich darauf aus. Oder die Freundin, die mich besuchen will rutscht aus. Und es fällt mir auch immer schwerer zu kehren. Aber ich mache das trotzdem und mein Nachbar schert sich einfach nicht darum.

Hören wir den Anfang des heutigen Predigttextes aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom

Römer 21Deshalb hast du auch keine Entschuldigung,

du Mensch,

der du dich zum Richter aufspielst.

Wenn du jemand anderen verurteilst,

sprichst du damit selbst das Urteil über dich.

Denn du verurteilst zwar andere,

handelst aber genauso.

 

Wirklich, handele ich genauso. Naja ein zweimal bin ich in meinem Leben schon auch zu spät gekommen. Und das Laub kehren habe ich schon auch mal vergessen.

Erwischt.

Aber das ist nicht das Hauptproblem. Hauptsächlich ärgere ich mich, weil ich mich so anstrenge es richtig zu machen. Und die anderen strengen sich viel weniger an. Ich finde das unfair.

Meistens handele ich nämlich  nicht wie mein Nachbar, ich kehre die Straße, aber ich würde auch gerne mich weniger anstrengen und die Straße einfach so lassen. Aber das geht doch nicht. Also mache ich es nicht.

Oder ich würde auch mal gerne so entspannt sein vor einer Sitzung und nicht darauf achten, ob ich pünktlich komme, das mache ich aber nicht, weil ich es unhöflich finde. Aber eigentlich bin ich auch bisschen neidisch auf die, die sich einfach nicht an die Regeln halten, während ich mich anstrenge alles richtig zu machen. Da werde ich doch wohl einmal sauer sein dürfen.

Aber da fällt mir ein: Am meisten rege ich mich auf, wenn ich in die Küche komme und den Kühlschrank aufmache und die Marmelade aufschraube und den Schimmel sehe. Dann kann ich richtig wütend werden. Ich finde Schimmel im Kühlschrank eklig. Und wenn das im Gemeindehaus ist, beschließe ich es muss wieder eine Sitzung der Gruppen her und alle müssen ihre Reste mit nach Hause nehmen oder wegschmeißen. Ich will einfach nicht mehr der Kühlschrank aufmachen und mich ekeln müssen. Und dann denke ich an letzten Sommer als wir aus dem Urlaub zurück kamen und ich den Kühlschrank in meiner Küche geöffnet habe und ich mich gefragt habe wieso ich den nicht vor dem Urlaub geputzt habe. Und dann merke ich, am meisten rege ich mich darüber auf, wenn andere etwas falsches machen, was ich auch öfter falsch mache. Und vielleicht bin ich da ganz typisch oder?

 

Hören wir weiter auf den Predigttext:

2Wir wissen aber:

Wer so handelt,

über den spricht Gott das Urteil.

Und dieses Urteil entspricht der Wahrheit.

»Wahr« ist etwas, wenn es hält, was es verspricht. In diesem Sinne ist »wahr«, was von Gott kommt. Jesus ist der Zeuge für diese Wahrheit. Mehr noch: weil er von Gott kommt, ist er die Wahrheit selbst.

3Du Mensch,

du tust doch genau dasselbe wie die anderen,

die du verurteilst.

Rechnest du wirklich damit,

dem Urteil Gottes entgehen zu können?

4Oder missachtest du Gottes große Güte,

Nachsicht und Geduld?

Erkennst du denn nicht,

dass Gottes Güte dich dazu bewegen will,

dein Leben zu ändern?

5Du bist starrsinnig

und im tiefsten Herzen nicht bereit,

dich zu ändern.

Und so ziehst du dir selbst

mehr und mehr Gottes Zorn zu

bis zum Tag des Zorns –

dem Tag,

an dem Gott sich als gerechter Richter offenbart.

 

Das ist jetzt aber übertrieben. Ich glaube nicht dass Gott uns bestraft, wenn wir Sachen im Kühlschrank vergammeln lassen, nicht die Straße kehren oder zu spät zu einer Sitzung kommen. Nein, dafür wird Gott bestimmt niemanden bestrafen. Das sind doch eher Kleinigkeiten.

 

Aber in den Kleinigkeiten steckt schon das Problem. Wenn ich andere dafür verurteile, dass sie zu spät kommen und selbst zu spät komme, dann ist das ein Problem. Wenn ich andere dafür verurteile, dass sie die Straßen nicht kehren und ich selbst auch die Straße nicht kehre, dann habe ich ein Problem. Und wenn ich andere dafür verurteile, dass sie Sachen im Kühlschrank vergammeln lassen, und ich tue das auch, dann wird es schwierig.

 

Was Jesus von uns verlangt und in seinem Auftrag auch Paulus ist, andere nicht zu verurteilen. Und das ist richtig schwer und zwar ist besonders schwer für Menschen, die viel richtig machen und sich anstrengen alles richtig zu machen. Denn sie fühlen sich unfair behandelt, wenn andere sich nicht anstrengen und nicht versuchen alles richtig zu machen sondern entspannt die Dinge schleifen lassen. Die, die sich anstrengen, haben dann das Gefühl, dass alles auf ihnen abgeladen wird und sie die ganze Last alleine tragen müssen.

 

Und überhaupt. Wie soll das gehen im alltäglichen Zusammenleben? Die einen strengen sich an, damit für die anderen alles schön ist. Und die scheren sich nicht darum und tragen einfach nichts dazu bei, dass das Zusammenleben funktioniert. Sie überlassen die ganze Arbeit einfach denen, die es richtig machen wollen. Das ist ja auch unfair, oder?

 

Ja, das ist unfair. Aber nur solange wir nicht verstanden haben wie Gottes Güte funktioniert. Und dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn wir nicht nach den Regeln dieser Welt leben würden, sondern in allem, was wir tun, der Güte Gottes entsprechen würden.

Das ist ein schwieriger Gedanke. Ich versuche mal ihn zu erklären.

Unser Alltag in dieser Welt ist geprägt vom: Wie du mir, so ich dir. Wir tauschen. Wenn jemand etwas für mich tut, dann tue ich etwas für ihn. Ich mache Sachen richtig und verlange dann von anderen, dass sie es auch richtig  machen. Ich setzte mich selbst unter Druck und erwarte das Gleiche von den anderen. Dagegen ist erst mal nichts zu sagen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und Leistung ist wichtig, sonst funktionieren die Dinge nicht. Wir brauchen Regeln und wir brauchen Gesetze und wir müssen wissen, was wir gerechterweise von anderen erwarten können. Das ist nötig.

Aber wenn das alles ist, dann haben wir Gott aus unserem Leben ausgesperrt. Die Ökonomie Gottes funktioniert nämlich anders. Seine Güte bewirkt etwas Neues, was nicht zu unserem: Ich geb dir das und die gibst mir dafür das passt.

Gott sagt zu uns: Ich sehe deine Fehler,  ich sehe auch, was du schleifen lässt, und ich sehe wo du andere verletzt. Ich sehe wie du die Regeln brichst und sehe wie du die Regeln zu deinen Gunsten auslegst und an andere viel höhere Anforderungen hast als an die selbst. Ich sehe wie du andere verurteilst und dich für besser hältst. Ich sehe dich. Und ich sehe deine Schwierigkeiten.

Und ich verurteile dich nicht. Komm zu mir. Ich nehme dich in den Arm und tröste dich. Ich gebe dir alles, was du brauchst. Du musst dir nichts verdienen. Aber eins möchte ich von dir. Geh mit den anderen auch so um, wie ich mit dir umgehe. Sei großzügig, sieh mal über etwas hinweg. Zeige ein bisschen Verständnis, wenn andere etwas falsch machen. Güte ist das was das Zusammenleben leichter macht. Meine Güte soll in dir sein und durch dich wirken. Ich vergebe dir. Vergib du auch anderen. Rechne mit meiner Güte. Sie gilt für dich, aber auch für die anderen, die Fehler machen.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

drucken