Von Gottes und unserer Großzügigkeit

2. Korinther 9,6-15

9.10.2017 Ev.-Freikirchl. Gemeinde (Baptisten) Berlin-Marzahn

6 Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. 7 Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. 8 Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; 9 wie geschrieben steht (Psalm 112,9): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.« 10 Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. 11 So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. 12 Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. 14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!
Wenn ich die beiden Kapitel 8 und 9 im 2. Korintherbrief lese, so kann ich mich eines lakonischen Kommentars nicht erwehren: Klappern gehört zum Geschäft. Paulus kann gar nicht aufhören, von der Kollekte für die Gemeinde in Jerusalem zu schreiben. Immer wieder fängt er davon an. Und auch wenn ich unterstelle, dass unsere heutigen zwei Korintherbriefe ursprünglich mal mindestens drei gewesen sind, die Zusammenfügung dieser beiden Kapitel 8 und 9 zeigt doch, wie wichtig dem Apostel diese Sammlung gewesen sein muss und wie sehr sie seine Arbeit geprägt hat. Und natürlich hat’s auf uns abgefärbt. Versammlungen von Christen fallen u.a. dadurch auf, dass da immer Geld gesammelt wird.

Zwei Aspekte seien zunächst in Erinnerung gerufen.

Das Sammeln von Kollekten erinnert uns Christen daran, dass wir zusammengehören und dass wir einander brauchen. Eine gute und wichtige Erinnerung.

Und dass wir etwas abgeben können – sei es viel oder wenig – erinnert uns zum zweiten daran, dass wir materiell gesehen eigentlich genug haben, ja dass wir, bei Lichte betrachtet, überreich beschenkt sind. Und selbst die berühmte Armutsgrenze, von der immer wieder einmal die Rede ist, liegt heute doch höher als das Lebensniveau vieler Reicher aus früheren Zeiten.

Dass dies alles letzten Endes Gottes Geschenk und nicht unser Verdienst ist, brauche ich hier nicht besonders zu betonen. Vielleicht lohnt es sich aber, im Anschluss an Paulus ein wenig über die Großzügigkeit nachzudenken, die uns Gott vormacht und zu der er uns auffordert, weil wahrscheinlich allein sie zum Erfolg führt, ob nun in der Gemeinde oder im persönlichen Leben.

Paulus beginnt mit einer schlichten Lebensweisheit: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten. Das Bild setzt die Landwirtschaft Palästinas voraus. Da ist der Boden meistens steinig. Da konnte man zumindest in den antiken Zeiten nicht lange und gerade Furchen ziehen und große Felder anlegen. Da musste man den Boden so nehmen, wie er nun mal war, ihn ein wenig aufbrechen und dort dann den Samen einfach auswerfen. Dabei fiel natürlich auch viel auf den Fels oder unter die Dornen wie im berühmten Gleichnis, aber manches auch auf guten Boden, wo es dann vielfältig aufging. Nur wer also beim Samenauswerfen nicht knauserte, konnte auf einen guten Ertrag hoffen.

Was nun auffällt, ist, dass Paulus als Gegensatz zu „kärglich“ nicht das Wort „großzügig“ verwendet, sondern vom „Segen“ spricht. Damit verlässt er das landwirtschaftliche Bild und beginnt, von Gott und von seinem Handeln zu reden: Gottes Handeln ist Segenshandeln, es ist ein großzügiges Handeln. Es ist das eigentliche, stetige und oftmals verborgene Handeln Gottes an uns und an seiner gesamten Schöpfung.

Auf den viel gelesenen Alttestamentler Claus Westermann geht es zurück, beim Handeln Gottes von seinem rettenden und seinem segnenden Handeln zu sprechen. Rettendes Handeln ist die Bezeichnung für das besondere Eingreifen Gottes zugunsten seines Volkes oder auch einzelner Personen. Es ist das außergewöhnliche und niemals planbare Tun Gottes. Wir denken etwa an die Taten Gottes beim Auszug aus Ägypten.

Gottes segnendes Handeln ist das, was immer geschieht, indem er die Welt erhält. Es ist das Handeln Gottes, von dem wir alle leben, ein Handeln, von dem auch diejenigen leben, die Gott nicht kennen oder nicht kennen wollen. Es ist darum ein großzügiges Handeln, denn Gott lässt seine Sonne aufgehen über allen und die Erde ist „voll seiner Güter“, wie es im 104. Psalm heißt. Es ist dieses Handeln unseres Gottes, weswegen wir auch Erntedankfest feiern. Es ist diese Großzügigkeit Gottes, die uns selber großzügig sein lässt.

Von zweierlei muss solche Großzügigkeit aber unterschieden werden: Sie sollte nicht verwechselt werden mit Nachlässigkeit. Und sie hat absolut nichts zu tun mit Großspurigkeit.

Wer nachlässig ist, ist vielfach nur gedankenlos, oft sogar verantwortungslos. Beides entspricht nicht dem Willen Gottes, der uns Gebote gab und uns damit in Verantwortung nahm. Nicht erst mit den berühmten zehn Sätzen vom Sinai tat er das, sondern von Anfang an, als er den Menschen Aufgaben gab im Garten Eden, dass sie diesen Garten bebauen und bewahren sollten.

Und wenn ich sehe, wie Gott immer wieder die Schwachen, die erst später Gekommenen, groß herausbringt, verbietet sich alle Großspurigkeit, denn er erwählt den Mose, der nicht besonders reden kann und den Jeremia, der fürs Prophetenamt noch zu jung erscheint. Er segnet nicht den zuerst geborenen Esau, sondern Jakob, den danach auf die Welt gekommenen, und erwählt David, mit dem anfangs noch keiner rechnete, weil er so klein und jung war. Auch Paulus, der wohl körperlich nicht besonders fit war, nimmt er in den Dienst. Ja, er selber, Gott zeigt sich in Jesus, einem einfachen Wanderprediger.

Was uns aber verheißen ist, wenn wir uns bemühen, dass wir großzügig denken und handeln, das ist reicher Segen, Segen für uns selbst und durch uns. Ich lese noch einmal die letzten Sätze unseres Schriftabschnittes in der Fassung der Neues Leben-Bibel:

11 Ihr werdet empfangen, damit ihr umso großzügiger geben könnt. Und wenn wir eure Gabe denen bringen, die sie nötig haben, werden sie Gott von Herzen danken. 12 Auf diese Weise geschehen gleich zwei gute Dinge: Die Not der Gemeinde 5 in Jerusalem wird gelindert, und sie werden Gott voller Freude danken. 13 Durch euer großzügiges Geschenk werdet ihr also zur Verherrlichung Gottes beitragen. Denn eure Großzügigkeit ihnen gegenüber beweist, dass ihr der Botschaft von Christus gehorcht. 14 Sie beten für euch und möchten euch wiedersehen, weil sich Gottes reiche Gnade an euch zeigt.

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dass wir mit Paul Gerhardts Worten beten:

Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen, / hilf uns gehorsam wirken deine Werke; / und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke. Lobet den Herren! Amen.

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