Gottes Gnade ist nichts für Fundamentalisten

Liebe Schwestern und Brüder!

 Wie sieht Gottes Erbarmen und Gnade aus?

Und wer definiert,  wer Gott und was sein Wille ist? Islamisten, Terroristen, feige Mörder, die meinen den Namen einer Religion zu missbrauchen, um ihre pervertierte Gottesvorstellung mit brachialer und selbstzerstörerischer Brutalität im Namen Allahs durchzusetzen und alles Leben auszulöschen? Die bestimmt nicht, diese Apostaten, Häretiker und Mörder!

Bestimmen die Theologen der drei sog. monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, also der Religionen, die nur an einen Gott glauben: an den einen, allumfassenden, ganz anderen und allmächtigen Gott und sonst keinen, wer und wie Gott ist?! Und sind das jüdische, das christliche und das islamische Gottesbild das gleiche oder gar dasselbe?

Mitnichten.

Es ist nicht alles dasselbe. Wie auch wir Menschen nicht dieselben sind, sondern Charakter, Persönlichkeit und Individualität besitzen. Und es ist auch nicht dasselbe oder womöglich gerechtfertigt  und rechtens, wenn im Namen der Religion Menschen getötet und ermordet werden. Wer dies tut, der pervertiert und missbraucht eine Religion.

Unsere Religion, das Christentum hat sich dabei keinesfalls mit Ruhm bekleckert. Statt mit Nächsten-oder sogar Feindesleibe zu beeindrucken und gar  überzeugen, wurden Andersgläubige über viele Jahrhunderte massakriert und getötet. Bis in die Konfessionskriege des 20. Jahrhunderts in Nordirland ging das.

Die jeweilige religiöse und konfessionelle Sicht der Welt wurde dabei absolut gesetzt und mit voller

Macht und Brutalität versucht gegenüber anders Gläubigen durchzusetzen. Von wegen religiöse Toleranz oder Respekt vor dem Leben der Mitmenschen.

So geschehen auch über die Jahrhunderte gegenüber dem Judentum von Christen im Namen Gottes. Das war schrecklich und ist nicht so einfach zu vergessen oder zu vergeben.

 

Der heutige 10.Sonntag nach Trinitatis soll uns an das Volk Israel, seinen ewigen Bund mit Gott und seinen Einfluss auf die Kirche Jesu Christi erinnern.

Traditionell werden an diesem Sonntag die Verbindung und das Verhältnis von Judentum, also dem Volk Gottes, und Christentum als Kirche Jesu Christi im Gottesdienst bedacht.

Lange Zeit haben in der christlichen Theologie und auch in der Frömmigkeit der Menschen erbitterte Feindschaft und tödliche Verfolgung gegenüber der jüdischen Religion geherrscht.

Das hatte lange Zeit seine einseitige Sicht darin, dass Jesus von Nazareth angeblich von den Juden allein und nur durch sie getötet wurde. Dass die Römer dafür verantwortlich waren und Jesus auch durch die grausame Tötungsart dieser römischen Besatzer, nämlich die Kreuzigung hingerichtet wurde, wurde leicht verdrängt.  Heute weiß man und geht allgemein davon aus, dass die politisch und religiös Mächtigen zurzeit Jesu Unruhen und Aufruhr durch Jesu Wirken und Taten in Palästina fürchteten und dann kurzerhand den Tod Jesu beschlossen und ausführten, um Unruhen zu vermeiden. Die ersten Christen, die nach Sicht der Römer eine jüdische Sekte waren, setzten sich vom jüdischen Glauben ab und reagierten teilweise mit Antijudaismus, also Gegnerschaft  und Ablehnung auf das Judentum. Über die Jahrhunderte steigerte sich dieser christlich legitimierte Antijudaismus zu dem so genannten Antisemitismus, der auf einer totalen Ablehnung von allem Jüdischen basiert.

Und wo der organisierte auf Rassismus aufbauende Antisemitismus des Nationalsozialismus hingeführt hat, gerade in Deutschland, das zeigen die ehemaligen Konzentrationslager in Auschwitz, Bergen Belsen, Dachau, Buchenwald und wo sie sonst noch waren. 6 Mio. Juden wurden von den Nazis getötet, darunter etwa 1 Mio. Kinder.

 

Viele Christen verkennen auch heute leider noch, dass sich das Christentum aus dem Judentum entwickelt hat.

Und auch das immer wieder aktuell um sich greifende Schreckgespenst von Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus und rechter Gewalt und ewig Gestriger  bedient sich dieses bösartigen und menschenverachtenden Antisemitismus. Neuerdings gibt es einen nicht unerheblichen Antisemitismus unter muslimischen Gläubigen, die das Judentum für ihre eigene durch arabischen Despotismus und soziale Unterprivilegierung geprägte Situation verantwortlich machen. Die Bösen sind immer die anderen.

Doch die eigentliche weltweite religiöse Bedrohung, die den Menschen zu recht Angst macht, geht nicht vom Christentum aus, schon gar nicht vom Judentum oder vom Staat Israel. Nein, die Gefahr stellt der unaufgeklärte Islam als Religion dar. Der einfache Antworten auf die Globalisierung und den arabischen Despotismus zu haben scheint. Zudem hat der Islam als Religion scheinbar in Teilen ein inhärentes und ungelöstes Problem mit und zur Gewalt und einen gewalttätigen Absolutheitsanspruch. Nicht der über Jahrhunderte tolerante Islam, der in seinem Hoheitsgebiet Andersgläubige stets tolerierte und respektvoll behandelte, ist damit gemeint,  sondern der radikale, mörderische und apokalyptische dämonische und extrem fundamentalistische Islam des IS und seiner  Bewunderer, der anders Denkende, anders Gläubige, anders Lebende einfach tötet, wenn die Menschen sich nicht sofort und bindungslos dieser fanatischen Ideologie unterwerfen!

Oder warum schneiden staatlich bekannte Islamisten und Terroristen einen alten französischen Priester während der Messe die Kehle durch? Warum??

Diese abscheuliche Barbarei ist auch in ihrer Symbolhaftigkeit kaum zu überbieten und sät bewusst nur Zwietracht, Ablehnung und Misstrauen zwischen den Religionen.

Auch wer im Namen der Religion tötet und mordet, bleibt nichts anders als ein Mörder.

 

Das – und die vielen, vielen aktuellen und sinnlosen Attentate- sind und bleiben ein großes Problem dieser den Frieden im Namen tragenden Religion Islam und sind eine massiven Ursache in ihrer Bürger kriegerischen  und barbarischen Zerstörung allen Lebens, auch eine der Hauptursachen, nämlich in der Fratze des islamistischen Terrors,  von weltweiter Migration.

 

Doch wem ist Gott gnädig?

Bestimmt nicht diesen abscheulichen Mördern und Terroristen

und bestimmt auch nicht deren absurden Paradiesvorstellungen.

Deren „Paradies“ ist ja schon auf Erden die Hölle. Man mag sie sich das Jenseits ja gar nicht vorstellen.

Doch wem ist Gott gnädig? Und wem gnade Gott?

Paulus schreibt über Gottes freie Gnadenwahl:

15 Denn er spricht zu Mose (2.Mose 33,19): »Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.«

16 So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.

Wenn wir auf Gottes Erbarmen und seine Entscheidung vertrauen und glauben, dass nur Gott selbst in Jesus Christus seine Gnade und Liebe offenbart, dann wissen wir tief  in uns, dass seine Liebe und Gnade stärker ist, als alles Töten, morden und zerstören.

Liebe, Nächstenliebe, Besonnenheit und die Kraft, die man gewinnt, wenn man der eigenen religiösen Überzeugung folgt, die sich aus den Gedanken der Aufklärung und der Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus speist, sind gute Voraussetzungen, die Gnade Gottes im eignen Leben zu spüren.

Denn unsere christliche Freiheit geschieht aus der religiösen Überzeugung heraus, dass Gott uns bedingungslos durch seine Gnade und Barmherzigkeit angenommen hat, die in Jesus Christus geschehen ist. Jesus Christus führt uns zum Licht. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben wie es im Johannesevangelium heißt.

Keiner von uns muss sich auf sein Leistungsvermögen und seine guten Werke berufen, um Gott zu imponieren. Keiner von uns muss sich über andere erheben, weil er meint er hätte den größeren Gott.  Im Glauben an Gottes Gnade schenkt uns Gott seine Erlösung trotz unserer Sünde und Bösartigkeit.

Daran dürfen wir denken, wenn wir morgens „aufstehen“, mit aufrechtem und couragiertem Gang und mit Dankbarkeit für Gottes Gnade, zu dem alle  Menschen  als Ebenbilder Gottes berufen sind.

Jedoch wird damit das Leid in der Welt nicht legitimiert, schön geredet oder einfach hingenommen. Menschliches Leid, Angst, Kummer, Sorge sind  immens groß und häufig nicht zu begreifen. Jeder kennt das Gefängnis seiner Trauer, Angst und Sorge. Gott kennt unser Leid und unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte nach Erlösung.

Denn da ist einer, der mitgeht, der das Leid kennt, der uns aus dem Gefängnis unserer Angst, Klage, Trauer herausführen wird, ins Licht, in sein Licht, zur endgültigen Erlösung hin.

Es ist unser Herr und Erlöser Jesus Christus. Und wer sich als ein Ebenbild Gottes sieht, der wird das Leben als Wanderung auf Gottes Erden begreifen und wir dereinst zu Gott zurückkehren, wenn er uns ruft. Da liegt unser Trost, unser Halt, unsere Orientierung und Hoffnung im Leben.

Und diese Einsicht schütze uns vor überheblicher Selbstgewissheit, religiösem Fundamentalismus, Intoleranz und Fanatismus. Gott befähige uns zu Mitmenschlichkeit, Solidarität, Nächstenliebe und Zivilcourage. Wir alle sind Kinder Gottes auf dieser einen Erde, jeder von uns trägt die Ebenbildlichkeit Gottes in sich, unabhängig von Hautfarbe, Rasse, Herkunft und religiöser Überzeugung

Als Christen lernen wir durch den Blick auf die Gestalt Jesu, im Blick auf den Gekreuzigten, wir lernen auch von seiner Friedlichkeit und Nächstenliebe.

Wenn uns die Schläge des Lebens treffen und der Boden unter unseren Füßen bebt, dann wird der Mut zum Leben bisweilen gebrochen oder auf die Probe gestellt. Aber es gibt auch die Verheißung: dass wir „auferstehen“ in diesem Leben und im Folgenden zu neuem Leben, mit neuer Kraft- durch die Macht dessen, der das Sein aus dem Nichts schuf.

Durch die Güte dessen -und der Apostel spricht auch von der Güte-, der war, ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden.

Gott schenke uns täglich die Erkenntnis seiner Erlösungstat, er tröste uns in unserer Angst, Trauer und Not und er schenke uns den nötigen Respekt und die Ehrfurcht vorm Leben, vorm Leben aller Menschen, die Gottes Ebenbilder sind.

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge: Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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