Orientiert euch an Jesus Christus (Phil 2, 5)

Liebe Anja, lieber Kai, liebe Festgemeinde,

Eine lange, bewegte Geschichte liegt hinter Ihnen. Schon viele Jahre kennen Sie sich. Durch Ihre Tochter sind Sie schon lange  miteinander verbunden. Nun haben Sie sich entschlossen, diesen gemeinsamen Weg durch die Ehe abzusichern. Ganz bewusst haben Sie sich entschlossen, das dieses Mal auch unter Gottes Segen zu stellen.

Ehe und Partnerschaft sind nicht selbstverständlich. Das haben Sie miteinander und auch in anderen Beziehungen erfahren.

Heute nun dürfen wir gemeinsam Gott um seinen Beistand für Ihre Ehe bitten. In unserem Gespräch war zu spüren, dass Sie sich das gut überlegt haben.

Als Trauspruch haben Sie sich einen Vers aus einem alten Christus-Lied ausgewählt. Orientiert euch an Jesus Christus, schreibt Paulus im Brief an die Gemeinde in Philippi. (Übers.: Hoffnung für alle).

Ich finde das ist ein gutes Leitbild für eine Ehe. Orientiert euch an Jesus Christus. Nehmt euch den Menschen zum Vorbild, der vielleicht als einziger geschafft hat , Gottes Liebe sichtbar werden zu lassen. Gott ist die Liebe wird an anderer Stelle im Neuen Testament gesagt. In unserer Liebe zueinander können wir Gott erkennen.

Orientiert euch an Jesus Christus.

Wenn es uns gelingt, so zu leben, wie Jesus es vorgelebt hat, dann können wir miteinander erahnen, wie Gott diese Welt gedacht hat.

Das wird besonders deutlich, wenn man frisch verliebt it. Wenn man miteinander das Kribbeln im Bauch spürt, wenn die Partnerin oder der Partner in die Nähe kommen. Wenn man miteinander das Feuer der Liebe anfachen und genießen kann. Im Gefühl des Verliebtseins kann man die Kraft der göttlichen Schöpfung in sich selber spüren.

Auch solche Festtage wie heute gehören dazu. Die Hochzeit ist ja Ausdruck dieser grenzenlosen Liebe.

Dankbar haben Sie in unserem Gespräch geschildert, wie sie sie diese Liebe zueinander besonders in der Begleitung Ihrer Tochter wahrnehmen. Die gemeinsamen Zeiten sind der größte Schatz. Gerade weil Sie so unterschiedliche Arbeitszeiten haben, erleben Sie die gemeinsamen Zeiten besonders wichtig. Mit dem Wohnwagen in Cuxhaven wollen Sie das in noch festere Formen gießen. Sich einen Rückzugsort für die kostbare gemeinsame Zeit schaffen.

Orientiert euch an Jesus Christus.

Jesus hat sich viel Zeit genommen für die Begegnung mit den Menschen. Gerne hat er abends bei einem Becher Wein mit seinen Freunden zusammen gesessen und über die Ereignisse des Tages gesprochen. Voller Geduld hat er ihnen dabei erläutert, was tagsüber geschehen ist. Auch daran orientieren Sie sich schon. Immer wieder, so erzählt es die Bibel, ist Jesus auf Menschen zugegangen, die am Rande standen. Menschen, die die Konventionen überschritten hatten. Menschen, die nicht dazu gehörten. Menschen, die an anderen schuldig geworden sind. Jesus hat ihre Nähe gesucht und ihnen Wege zurück in die Gemeinschaft aufgezeigt.

Orientiert euch an Jesus Christus.

Ein gutes Vorbild für die Ehe. Auch in Ihrem Miteinander hat es ja schon viel Auf und Ab gegeben. Auch Sie haben nach schmerzhaften Trennungen wieder zueinander gefunden. Im Phlipperbrief wird im Anschluss an Ihren Trauspruch ausgeführt, dass Jesus sich selber klein gemacht hat. Er, Gottes Sohn, ist Mensch geworden. Und nicht etwa der mächtigste Mensch auf Erden, sondern ein einfacher kleiner Wanderprediger. Und als seine Worte und sein Vorbild den Mächtigen auch so noch zu bedrohlich waren, hat er sich sogar am Kreuz hinrichten lassen.

Das wünsche ich Ihnen nun nicht. Auch glaube ich nicht, dass in Ihrer Ehe eine solche Unterordnung nötig sein wird. Immerhin ist aber auch das ein wichtiger Hinweis für eine gelingende Partnerschaft. Partnerschaft heißt auch, dass ich bereit bin, meine eigenen Interessen hinter die der Ehe zurück zu stellen. Das ich bereit bin, mich klein zu machen, damit mein Partner oder meine Partnerin glücklich werden kann. Da geht es nicht um Rechte oder Pflichten, einfach nur um liebevolles aufeinander-Acht-Haben. Wenn eine Ehe auf Dauer Bestand haben soll, dann muss sie zu einem eigenen Wert neben den persönlichen Interessen werden. Wenn Sie beide Eigenes zurücknehmen können, um das Gemeinsame zu stärken, dann wird Ihre Ehe stark.

Orientiert euch an Jesus Christus.

Das heißt ja nicht, dass man sich selber aufgeben soll. Liebe deinen Nächsten wie dich selber, lehrt Jesus. Das eine geht nicht ohne das andere. Wenn sich eine oder einer immer nur unterordnet, wird die Partnerschaft irgendwann brüchig.  Das gegenseitige Umwerben ist mit der Hochzeit nicht zu Ende. Es dauert ein Leben lang an. Auch da ist Jesus ein gutes Vorbild. Auf die genervte Frage der Jünger, ob es denn reiche, wenn man sich siebenmal die Schuld vergibt, antwortet er nicht sieben Mal sondern sieben Mal siebzig Mal. Und wer sich in der antiken Zahlenmystik auskennt weiß, dass er damit grenzenlose Vergebung beschreibt.

Orientiert euch an Jesus Christus.

Zum Schluss das Wichtigste:  Zeit seines Lebens war sich Jesus bewusst, nicht aus eigener Kraft zu handeln, sondern von Gott getragen zu sein. Bei allem was er tat wusste er, wenn ich nicht mehr weiterkomme, dann steht Gott mir zur Seite. Spätestens am Kreuz hat er das auch laut hinaus geschrien. Auch das gilt für Ihre Ehe. Dafür sind Sie nach dem Standesamt auch hierher in die Stiftskirche gekommen. Wir können uns noch so viel versprechen. Unsere Kräfte sind begrenzt. Darum bitten wir um Gottes Segen und Beistand. Darum lassen wir uns hier in der Kirche zusagen, dass er seine Hand über den Bund hält, den Sie beide heute eingehen.

So wünsche ich Ihnen Liebe, Phantasie, Zärtlichkeit und Mut um sich miteinander weiterentwickeln zu können. Und darüber Gottes Segen, der Ihnen überall da neue Wege aufzeigt, wo die eigene Kraft an ihre Grenzen stößt.  Amen.

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