Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!

Liebe Schwestern und Brüder!
„Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“
Das sind von alters her der Ruf und die Botschaft von Ostern und bedeuten:
Ostern: das Fest der Auferstehung.
Ostern: das Fest des Lebens.
Ostern: der Sieg des Lebens über den Tod.
Ostern: die Erinnerung an die Auferweckung Jesu und die Hoffnung auf die eigene Auferstehung von den Toten.
Ostern: das Fest der göttlichen Liebe und des universalen Heilsereignisses: nämlich Auferstehung von den Toten und ewiges Leben.

Aber auch:
Ostern: der Anlass der gleichnamigen Ferien.
Ostern: die Chance zum Kurzurlaub und Osterspaziergang.

„Christus ist auferstanden!“ Er ist wahrhaftig auferstanden! Doch den Ruf der Frauen und die Mitteilung des Engels schienen die Jünger vergessen zu haben. Sie waren erschrocken und fürchteten sich, meinten sogar einen Geist vor sich zu sehen, wie der Evangelist Lukas schreibt.
Erst langsam konnte Jesus die Jünger gegen alle Skepsis, Angst und Befürchtungen davon überzeugen: dass er es ist. Der Gekreuzigte und Auferstandene in einer Person; leiblich gegenwärtig, was die Jünger buchstäblich „begreifen“ können. Ein Mensch stand vor ihnen mit „Fleisch und Knochen“, der Gekreuzigte und der Auferstandene
in ein und derselben Person und mit ein und derselben Identität. Die Jünger zögerten, bevor sie begriffen, wer vor ihnen stand. Sie können sich denken, dass darüber, über diesem ganzen Heilsgeschehen, Skepsis und Zweifel lagen.
Und wir lernen: Auch damals und ziemlich früh gab es sie schon: die Zweifel an der Auferstehung und den Gesichtsausdruck des zeitlosen ungläubigen Thomas, der immer das Gleiche wiederholt:
„Ich glaube nur, was ich sehe“, so oder so ähnlich antworten viele Menschen auf die Frage, ob sie an Jesus Christus glauben und ganz zu schweigen von der Auferstehung. Und weil sie ihn nicht sehen, können sie natürlich nicht an ihn glauben.

Auch der Apostel Paulus, der Verfasser des heutigen Predigttextes, musste sich mit dieser Form der Auferstehungsleugnung in seiner Zeit auseinander setzen.
In Korinth gab es Gemeindeglieder, die die leibliche Auferstehung von den Toten leugneten bzw. bestritten, dass diese für Christen stattfände! Und gegen diese Leugner und Bestreiter der Auferstehung von den Toten setzt der Apostel seine logische Argumentationskette:

Denn, wenn Christus nicht auferstanden wäre, dann:

1. hat die Predigt vom Auferstandenen keinen Sinn,
2. Und der Glaube daran ist vergeblich und sinnlos,
3. Und wir wären Lügner und
4. Es gäbe keine Vergebung in Christus und noch
5. schlimmer die Verstorbenen und wir wären ohne Hoffnung.
Dagegen setzt der Apostel die Argumente:
1. Die Predigt macht Sinn, denn sie verkündigt den Auferstandenen.
2. Unser Glaube ist keine Illusion oder projizierte Einbildung, sondern im Glauben Gemeinschaft mit Christus und neu entfaltetes Leben. Unser Glaube gibt unserem Leben Sinn.
3. Weil wir durch unseren Glauben Sinn finden und mit Jesus, dem Auferstandenen leben, lügen wir nicht, sondern haben dadurch Trost und Orientierung.
4. Uns vergibt Jesus durch Gott unsere Schuld, er nimmt uns unsere seelischen und psychischen Lasten und schenkt uns einen Neuanfang und
5. Unsere Hoffnung mündet nicht in Hoffnungslosigkeit und Irrtum, sondern mit der gläubigen Gewissheit der letztgültigen Beziehung bei und mit Gott gehen wir unseren Weg durchs Leben. Und dies gilt über den Tod hinaus.
Liebe Schwestern und Brüder,
dieser Ausruf: „Christus ist auferstanden!“ Er ist wahrhaftig auferstanden!“ und diese universale Hoffnung gelten
gegen alle Leugnung der Auferstehung,
gegen alle noch so vermeintlich vernünftigen und logischen Einwände und Gründe, dass dies nur Einbildung sei,
gegen alle Skepsis und Zweifel,
und muss sie im Glauben nicht ernstlich belasten.
Ich bin gewiss, dass unser Leben nach dem Tod weitergeht, sowie unser Leben auch nach dem Tod von uns geliebten Menschen weitergeht.
Ich bin gewiss, dass nach dem Tod das neue Leben bei Gott beginnt, in seinem ewigen Reich und unter seinen Bedingungen.
Und der Apostel schreibt später im gleichen Kapitel über das „Wie“ der Auferstehung:
35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen?
36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt.
37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem.
38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib.
Und dann nochmal:
42 So auch die Auferstehung der Toten.
Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.
43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.
44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.
Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib.

In diesen Versen beschreibt der Apostel über das „Wie“ der Auferstehung, denn das „Dass“ der Auferstehung, nämlich das Hauptargument zum Beweis der Auferstehung ist geklärt.
Wer glaubt, der weiß, und sieht Dinge, die anderen Menschen verschlossen sind. Der durchschreitet eine Tür der Wahrnehmung und Erkenntnis, die Zweifler und Ungläubige nie begehen können und werden.
Wer glaubt und in Christus hofft, der weiß, dass der Tod nicht das letzte Wort spricht, der weiß im Glauben, dass unsere Toten in Gottes seliger Hand liegen.
Wer an den auferstandenen Christus glaubt, der hat keine kleine Hoffnung, sondern lebt aus der Gewissheit und mit der großen Hoffnung, dass unser Leben Sinn macht. Und dass aus dem Tod neues Leben entsteht.
Wer an den Auferstanden glaubt und auf seinen Frieden hofft, der weiß, dass der Segen Gottes in unser Leben hineinregiert. Denn auch bei Schwierigkeiten, Sorgen und Zweifel schenkt dieser Segen Gottvertrauen Gelassenheit und Stärke.
Wer glaubt, der lebt mit der Gewissheit, dass in Niedrigkeit gestorben wird, aber in Herrlichkeit auferstanden wird.
Ich bin so kühn zu behaupten: Wer glaubt, der weiß mehr.

Denn: Glauben ist immer mehr als Wissen und Sehen.
Glauben ist immer mehr als Wissen und pure logische, rationale und wissenschaftliche Erkenntnis, weil im Glauben eine Dimension der Wirklichkeit beschritten wird, die nicht auf Beweise und Logik aus ist, sondern alles daransetzt, das Gott unsere Wirklichkeit mit seinem Wort und seiner Tat durchdringt.
Und wenn ich begreife und glaube, dass die Auferweckung nicht nur ein „Symbol“ ist, sondern ein wirkliches Heilsereignis Gottes, dass Veränderung in mir bewirkt, dann kann ich jeden Tag neu ‚aufstehen‘ mit der Gewissheit der Gnade und Treue Gottes.
Dann schenkt Gott mir auch die Kraft um einen Neuanfang zu beschreiten, wenn es mich in die Irre führen sollte. Verkrustete Beziehungen können sich verändern. Menschen werden durch die Macht der göttlichen Kraft und Liebe erneuert.
Und das geschieht durch die Auferstehung mitten in unserem Leben und dabei ist sein Reich dann auch punktuell zu sehen.
Da blitzt es auf, das Reich Gottes, vielleicht unscheinbar, aber im Effekt für viele Menschen gewaltig.
Der Glaube an die Auferstehung ist kein statisches und leeres Dogma, sondern eine wunderschöne verändernde Tat Gottes für uns Menschen.
Gott will, dass wir mit Ostern leben. Und die österliche Lebenspraxis, die Verkündigung des lebendigen Gottes Sohnes, unser Auftrag, kann im eigenen Leben vielfältig geschehen. Es bedeutet sowohl Freude über die Liebe der Nächsten, das Glück des wortlosen Verstehens in der Familie oder Partnerschaft, das Einssein und die Fülle als auch das Wissen über den Schmerz, das Nichtverstehen, die Fremdheit und das Entbehren. Beides gehört zum Glauben und zur Liebe, beides kommt aus Gottes Hand, beides gehört zur Verkündigung des lebendigen Gottes.
Und Jesus Christus verkündigen heißt dem lebendigen Gott Vertrauen zu schenken und zu folgen und davon auszugehen, dass Jesus mitten unter uns aufersteht.
Gleichwie der Osterruf gilt:
„Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Amen.

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