Weites Herz! Büttenpredigt zum Fastenmotiv 2016

Büttenpredigt zur Fastenzeit 2016

Weites Herz – gegen Sklerokardia

„Krach!“
‚Heinrich, der Wagen bricht.‘
‚Nein, Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als ihr in dem Brunnen saßt,
als ihr eine Fretsche wast.

Ein Märchen aus der alten Zeit
das nehm´ ich heute, dass es leit´
uns alle zu dem Thema hin,
das dieses Jahr uns ist im Sinn.

Es zeigt, dass schon in alter Zeit
die Menschen waren so gescheit
zu achten auf ihr eignes Herz,
dem Schicksalsschlag bedeutet Schmerz.

„Der Froschkönig“, das ist sein Name.
Es ging darin um eine Dame,
beziehungsweise Königskind,
(die wunderhübsch ja immer sind)
die mit ´ner gold´nen Kugel spielte
und dabei wohl nicht richtig zielte.
Die Kugel fiel in`n Brunnen rein,
da fing sie lauthals an zu schrei´n.

Ein hässlich Frosch dann sprach zu ihr:
„Wenn du es willst, dann helf´ ich dir.
Gewähr mir nur, dein Freund zu sein,
der mit dir isst vom Tellerlein,
der auch in deinem Bett darf ruh´n,
so will ich den Gefallen tun,
tief abzutauchen in den Grund
zu suchen nach dem gold´nen Rund.“
„Ja, so soll´s sein!“ sprach´s Königskind,
dacht sich, „der ist ja blöd wie´n Rind,
der kann doch nie mein Freund wohl sein,
das bildet der sich doch nur ein.“

Und kaum hat sie den Ball bekommen,
da ist sie schon dem Frosch entronnen.
So schnell wie sonst ein feurig Ross
läuft sie hinauf zu Vaters Schloss.
Doch dann daheim beim Abendessen;
– den Frosch, den hat sie längst vergessen –
sie sitzen all im Speisesaal,
da klopft der Frosch an das Portal.
Der König sprach „Kind dein Versprechen,
dass darfst du auch beim Frosch nicht brechen.“
So saß der Frosch bald mit am Tisch
– vielleicht gab´s grade lecker´n Fisch –
und aß von ihrem Tellerlein,
das Königskind fand´s gar nicht fein.
Und später dann in ihrem Zimmer
da wurde es dann immer schlimmer.
er wollt´ mit ihr im Bettlein schlafen!
„Na warte du! Ich wird dich strafen!“
Sie schmiss das Froschtier an die Wand,
wo sie alsbald ´nen Prinzen fand.
Und dieser sprach: „Jawohl ich bin´s,
Frosch war in Wirklichkeit ein Prinz!
Nur du allein konnts´t von dem bösen
Fluch einer Hexe mich erlösen.
Das Schicksal lässt uns keine Wahl,
ich glaub ich bin jetzt dein Gemahl.
Und morgen früh kommt meine Kutsche,
die bringt uns dann in einem Rutsche
nach Hause in mein Vaters Reich
vergessen ist der kalte Teich.“

Am morgen kommt der treue Knecht,
der Heinrich mit nem Herzen echt,
wie man es findet gar nicht oft,
wie man es sich vom Freund erhofft.

Als einst er von dem Fluch gehört,
da war sein ganzes Glück zerstört.
Er hatte sich voll tiefer Trauer
von irgendeinem Eisenbauer
drei Eisenring ums Herz gelegt,
weil´s so sehr war von Schmerz bewegt.

Nun fährt der Heinrich mit acht Pferden
den Prinz zum schönsten Platz auf Erden
ganz freudig, schnell – wie ein Geschoss –
zurück zu seines Vaters Schloss.
Vorbei des Heinrichs Weh und Ach
die Fessel um das Herz macht
Krach
Worauf der Prinz zum Heinrich spricht:

‚Heinrich, der Wagen bricht.‘
‚Nein, Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in großen Schmerzen,
als ihr in dem Brunnen saßt,
als ihr eine Fretsche wast.

Viel besser als mit diesen Worten
kann man das Thema kaum verorten,
das Thema dieser Fastenzeit
„kommt, Menschen, macht die Herzen weit.“

Dass wir nach weitem Herzen streben,
daran war Jesus sehr gelegen.
Ja, Jesus sagt, Hartherzigkeit
ist eigentlich ´ne Herzkrankheit.
Im Neuen Testament steht dort
skleroKARDIA als das Wort!
Das klingt schon ganz nach KARDIOlogen
drum habe ernstlich ich erwogen.
solch einen Herz-Arzt einzufliegen
dass wir ne Herz-Belehrung kriegen.

Zu unserem Glück ist Karneval
da find´t man Ärzte überall.
(Taucht mit Talar ab und Arztkittel auf)

Ich grüße euch und sag Alaaf
habt Dank, dass ich hier sprechen daaf.

Nach Herzensverhärtung ihr mich fragt,
wollt hören, was das Lehrbuch sagt.

Da müsst ihr zweierlei bedenken:
Ad 1) den Blick aufs Herz erst lenken,
ich meine das Herz als Pumporgan
die Grafik zeigt den Aufbau an.

Zwar gibt es verschied´ne Kardiomyopathie
doch ne Verhärtung im Ganzen, die gibt es da nie.
Nur in Bezug auf die Adern als Arteriosklerose
doch eben nur für die Adern, nicht für das Herz als das Große.

Die Bessere Spur, damit komm ich zu 2)
ist wenn wir erinnern Gefühle dabei.
Das Herz als ein Bild aus dem Seelenerleben
das kann uns den besseren Sinn hier ergeben.
Das Herz als Organ in dem wir verorten
den Sitz der Gefühle in vielerlei Worten.

Doch wieso ist das Herz dieses wichti´ge Organ?
Wieso nicht Hirn oder Nase, Milz oder Zahn?

Wollen wir derart das Herz hier verstehen,
müssen ganz weit zurück wir mal gehen.

Zurück – pränatal – in den Mutterleib.
Fragt euch: Was war da der Zeitverteib?
Nichts sehen, nichts riechen ich kann es beschwören:
Allein das Herz uns´rer Mutter, das taten wir hören.
Das Geräusch dieses Herzen, dem wir lauschten gebannt,
hat sich tief im Bewusstsein uns eingebrannt.

Dann aber, geboren, als Kind hatten wir
fürs das Herz lange Zeit überhaupt kein Gespür.
Wir spürten die Nase, den Mund und die Knochen
dann wenn wir liefen und am Boden rumkrochen.
Und selbst als wir rannten – als Kind jedenfalls –
spürten wir uns´ren Puls ausschließlich am Hals.

Doch dann irgendwann , ich sag nur: Pubertät,
hat sich mit einem Mal alles gedreht.
Im Kopf Karussell, alles anders nur weil
wir erstmals getroffen von des Armors Pfeil.
Der traf mitten rein – ja ich spür noch den Schmerz
er traf mitten hinein in das schlagende Herz.

Auch das wie ein Knall und da springen die Bande,
man ist mittendrin in dem Liebeslande.
Ja da spürt man das Herz in sich pochen und klopfen
als springt plötzlich auf von der Sektflasch´ der Pfropfen
und selbst wenn man an die Geliebte nur denkt,
dann wummert das Herz und es wird fast gesprengt.

Ein Zustand derart, ging man zum Psychologen
die Diagnose wär einfach: „Sie sind wohl auf Drogen!“
Und so ähnlich auch ist es, gemäß der Funktionen.
in uns wirken dann Scharen von Verliebtheitshormonen.

Und noch selbst, wenn es schiefgeht, spür´n wir unser Herz
seh´n wir sie mit ´nem Andren dann bleibt uns nur Schmerz.
Nicht im Kopf, nicht die Galle, nicht der Hals, nicht der Zeh,
es ist klar, ganz eindeutig, das Herz tut uns weh.
„Mein Herz ist gebrochen!“ so lautet die Klage.
Wird´s je wieder besser? Das ist die Frage.

Und nun kann´s passier´n – im übertragenen Sinne –
dass das Herz sich verhärtet, damit es Schutz so gewinne,
als zögen wir ums Herz ne Mauer herum
zum Zwecke der Herzens-Verteidigung.

Und genau der Mechanismus greift schon früher beim Kind,
die, wenn sie geboren, ganz offen noch sind.
Mit offenem Herzen begegnen sie jedem
als wollten die Welt mit Liebe sie segnen.

Doch manche Enttäuschung und schlimmes Erlebnis
hat für das Herz ein fatales Ergebnis:
Das Herze schon hier eine Schutzmauer baut ,
weil´s ohne Schutz sich nun nicht mehr traut.
Doch der zunächst wirklich sinnvolle Schutz
ist dann auf Dauer nicht wirklich von Nutz.

Wenn nicht an´dre Liebe das Herz wieder weitet,
und der Mensch selbst nicht sein Herz in Liebe begleitet,
dann kann es passieren das zunimmt die Härte
im Extrem ist der Mensch nur noch Härte-Experte.

„Der Mensch ist hartherzig“ so sagen wir dann,
oder, noch schlimmer, „er ist herzlos der Mann“.

Das würde ich sagen – es zeigt dieses Dia
ist, was Jesus meint mit Sklerokardia.
(taucht ab und auf als Pfarrer mit Talar)

Vielen Dank Dr. Zille für diese Erklärung.
Es folgt – wie gewohnt – nun die Pfarrer-Belehrung.

Ich hoffe ihr seid jetzt nicht verstört,
weil auch in euch ihr Härte spürt.
Es ist nun einfach wirklich so,
das Leben ist nicht immer froh.
So manches müssen wir verdauen,
das ist, als würd uns einer hauen.

Doch hart zu werden in dem Herz
bedeutet letztlich Zusatzschmerz.
Nur off´ne Herzen können spüren,
können Andere berühren,
können fühlend in der Welt
das Gute spür´n, das sie enthält,
können Liebe auch empfinden
und ein tiefes Glück so gründen.

Drum lohnt es sehr, auf Jesus hören,
und Hartherzigkeit abzuschwören.

Doch lässt sich Liebe nicht befehlen,
da könnten wir uns lange quälen.
Es geht nur so, fast wie auf Socken
sich selbst zum Lieben zu verlocken.
Doch das dafür mit rabiatem
und wirklich langem, langem Atem.
Denn was so lange uns geprägt,
ist nicht so schnell hinweggefegt.

Man könnt jedoch für sieben Wochen,
sich dazu quasi selbst einlochen,
wie um mal in Klausur zu geh´n
um einmal auf den Grund zu seh´n
wo wir in Sachen Herz grad steh´n.

Dabei dann wohl herauszufinden,
dass wir in Gottes Liebe gründen.

Denn der das ganze Weltall trägt,
hat in den Mensch hineingelegt
ganz tief in uns den Liebeskeim,
der in sich hat
den Plan
zu sein.

Amen

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