Wir wissen es besser als Gott! (1. Mose 16,1-6, Erprobung Reihe 2)

Ungewollte Kinderlosigkeit ist weit verbreitet.
Ich gehe davon aus, dass jeder von uns hier entweder selber davon betroffen ist oder jemanden kennt, dem es so geht.
Ungewollte Kinderlosigkeit kann ein großes Problem sein.
Viele Paare lassen nichts unversucht, um doch noch ein eigenes Kind zu bekommen. Investieren Zeit, Geld, Mühen, Emotionen.
Müssen Abschied nehmen von einem Lebensentwurf, von Träumen, von Zielen.
Das kann schwer sein.
Und das ist nichts Neues.
Das Problem der ungewollten Kinderlosigkeit begegnet uns schon in der Bibel, ganz an Anfang.
Im Ersten Buch Mose wird uns erzählt, dass Abram und seine Frau Sarai auch ungewollt kinderlos waren.
Was ihre Situation noch zugespitzt hat: Gott selber hat ihnen versprochen, dass sie Kinder haben werden. Das ist allerdings schon 10 Jahre her.
10 Jahre, in denen nichts passiert ist.
Wie sind Abram und Sarai damit umgegangen?
In der Bibel wird folgendes erzählt:

Abram und Sarai bekamen keine Kinder. Da schlug Sarai ihrem Mann vor: "Der Herr hat mir keine Kinder geschenkt. Aber nach den geltenden Gesetzen kannst du mir durch eine Sklavin Kinder schenken. Ich habe doch eine ägyptische Sklavin, die heißt Hagar. Ich überlasse sie dir, vielleicht wird mir durch sie ein Kind geboren!" Abram gehorchte der Stimme seiner Frau, und Sarai gab ihm Hagar zur Nebenfrau. Sie lebten zu der Zeit schon zehn Jahre im Land Kanaan. Er schlief mit Hagar, und sie wurde schwanger. Als Hagar wusste, dass sie schwanger war, sah sie auf ihre Herrin herab. Da beklagte Sarai sich bei Abram: "Jetzt, wo Hagar weiß, dass sie ein Kind bekommt, verachtet sie mich – dabei war ich es, die sie dir überlassen hat! Du bist schuld, dass ich jetzt so gedemütigt werde! Der Herr soll darüber urteilen!" "Sie ist dein Eigentum", erwiderte Abram, "ich lasse dir freie Hand – mach mit ihr, was du willst!" In der folgenden Zeit behandelte Sarai Hagar so schlecht, dass sie davonlief. Der Engel des Herrn fand sie an einer Quelle in der Wüste auf dem Weg nach Schur und fragte sie: "Hagar, Sklavin Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du?" "Ich bin meiner Herrin Sarai davongelaufen", antwortete sie. Da sagte der Engel zu ihr: "Geh zu ihr zurück. Bleib ihre Sklavin! Der Herr wird dir so viele Nachkommen schenken, dass man sie nicht mehr zählen kann! Du wirst einen Sohn bekommen. Nenne ihn Ismael, denn der Herr hat gehört, wie du gelitten hast. Dein Sohn wird wie ein wildes Tier sein, das niemand bändigen kann. Er wird mit jedem kämpfen und jeder mit ihm. Aber niemand kann ihn wegjagen. Er wird in der Nähe seiner Verwandten wohnen." Da rief Hagar aus: "Den, der mich angeschaut hat, habe ich tatsächlich hier gesehen!" Darum gab sie dem Herrn, der mit ihr gesprochen hatte, den Namen: "Der Gott, der mich anschaut." Seitdem wurde diese Quelle "Quelle des Lebendigen, der mich anschaut" genannt. Sie liegt zwischen Kadesch und Bered. Hagar ging wieder zurück. Sie bekam einen Sohn, und Abram nannte ihn Ismael. Abram war zu der Zeit 86 Jahre alt.

Ich würde dieser Geschichte die Überschrift geben:
Was passiert, wenn Menschen klüger sein wollen als Gott.
Wenn sie die Haltung einnehmen: Ich weiß besser als Gott, was für mich gut ist.
Und darum warte ich nicht mehr, sondern handle.
Sarai ergreift die Initiative.
Das ist naheliegend. Sie leidet anscheinend stärker als ihr Mann unter der Kinderlosigkeit.
Das kann ich nachvollziehen, denn in der damaligen Kultur wurde eine Frau erst wertgeschätzt, wenn sie Kinder bekam.
Je mehr, desto besser.
In manchen Gegenden der Welt ist das heute noch so.
In den 60er Jahren begleitete Hedwig Dietzfelbinger ihren Mann, den damaligen bayerischen Landesbischof nach PNG. Weil sie viele Kinder hatte, wurde ihr großer Respekt entgegengebracht – manchmal mehr als ihrem Mann.
Von daher kann ich gut verstehen, dass Sarai mehr darunter gelitten hat.
Und wer mehr leidet, wird eher aktiv.
Sie hat eine Sklavin, die heißt Hagar, eine Ägypterin.
Und sie will, dass ihr Mann mit ihr schläft und ein Kind zeugt.
Rechtlich ist das damals ohne weiteres möglich.
Hager ist ihr Eigentum. Sarai kann mit ihr machen, was sie will.
Wie würden wird das heute rechtlich bewerten?
So als Mittelding zwischen Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch und erzwungener Leihmutterschaft?
Damals war das völlig legal.
Aber ich glaube, der rechtliche Status war dieser jungen Frau ziemlich egal für das, was sie dabei wohl empfunden hat.
Da wird einfach über meinen Körper verfügt. Ich werde als Gebärmaschine missbraucht. Und ich soll ein Kind haben, das mir dann weggenommen wird. Das nicht mein Kind ist.
Und Abram?
Der macht, was alle guten Ehemänner machen:
Er macht, was seine Frau ihm sagt.
Ohne zu zögern. Ohne mit der Wimper zu zucken.
Und anscheinend ohne Gott zu fragen.
Abram gehorchte der Stimme seiner Frau, heißt es.
Am Anfang der Abrahamsgeschichte hieß es: Abram gehorchte der Stimme Gottes. Jetzt gehorcht er der Stimme seiner Frau.
Warum?
Weil er mit ihr keinen Streit haben will? Weil er feige ist?
Weil es für ihn verlockend ist, mit einem jungen Mädchen Sex zu haben?
Weil er auch die Geduld verloren hat und das Vertrauen auf Gott?
Oder weil er denkt: Vielleicht ist das ja der Plan Gottes?
Wir wissen es nicht.
Er macht, was seine Frau sagt.
So wie damals in der Erzählung aus dem Paradies Adam auch einfach gemacht hat, was seine Frau ihm gesagt hat.
Wenn Männer keine Verantwortung übernehmen, sondern den leichteren Weg gehen, einfach machen, was ihre Frau ihnen sagt, ohne zu überlegen, ob das gut ist oder nicht, dann ist das nicht gut.
Leider kommt es oft vor.
Und oft kommt wie in dieser Geschichte nichts Gutes dabei heraus.
Der Plan von Sarai funktioniert, aber sie wird nicht glücklich damit.
Hagar wird schwanger – und logischerweise empfindet sie sich jetzt als wertvoller als ihre Eigentümerin.
Und die spürt das. Menschen spüren so etwas. Und Frauen vielleicht noch leichter als andere.
So heimliche Verachtung.
Und das bringt ihre schlechtesten Seiten ans Tageslicht.
Gehässigkeit.
Rachsucht.
Und Abram:
Wie jeder gute Ehemann gibt er seiner Frau freie Bahn.
Mach mit ihr, was du willst.
So ein Schlappschwanz, fällt mir dazu ein.
Aber ich wiederhole mich.
In der folgenden Zeit behandelte Sarai Hagar so schlecht, dass sie davonlief.
Das kann ich verstehen.
Aber dann passiert etwas Außergewöhnliches:
Gottes Engel, also ein Bote Gottes begegnet ihr.
Gott kümmert sich um das Opfer von Sarai und Abram.
Und als erstes stellt er ihr eine Frage:
"Hagar, Sklavin Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du?"
Der Bote Gottes fragt das nicht, weil er es nicht weiß, sondern weil er Hagar dazu bringen will, dass sie sich ehrlich ihrem Leben stellt:
Wer bist du?
Wo gehörst du dazu?
Warum bist du weggelaufen?
Was planst du jetzt?
Und Hagar geht darauf ein: "Ich bin meiner Herrin Sarai davongelaufen"
Sie gesteht sich ein:
Ich bin nicht frei. Ich bin abhängig. Ich bin gebunden. Und ob mir das passt oder nicht – es ändert nichts.
Ich bin ausgebrochen. Ich bin weggelaufen. Ich habe versucht, durch Flucht aus meinem unerträglichem Leben in ein besseres zu kommen.
Und ich denke, viele werden die Antwort dieses Boten Gottes unverständlich finden:
"Geh zu ihr zurück. Bleib ihre Sklavin!“
Das klingt unglaublich. Das klingt hart. Aber es ist realistisch.
Unter den damaligen Lebensbedingungen hat eine schwangere Frau ohne Familie, ohne eine Gemeinschaft, die sie trägt, alleine auf sich gestellt absolut keine Überlebenschance.
Das ist hart, aber das ist so.
Die einzige Alternative zum Tod ist:
Geh zurück.
Bleib drunter.
Halte es aus.
Weglaufen ist hier keine Lösung.
Achtung: Hier wird nicht gesagt: Weglaufen ist NIE eine Lösung.
Es gibt schon Situationen, in denen ist Weglaufen sehr wohl eine Lösung.
Aber hier ist es so: Weglaufen ist hier für dich keine Lösung.
Darum: Geh zurück.
Aber du gehst nicht alleine zurück.
Gott verspricht dir, dass er für dich sorgt.
Der Herr wird dir so viele Nachkommen schenken, dass man sie nicht mehr zählen kann! Du wirst einen Sohn bekommen. Nenne ihn Ismael, denn der Herr hat gehört, wie du gelitten hast. Dein Sohn wird wie ein wildes Tier sein, das niemand bändigen kann. Er wird mit jedem kämpfen und jeder mit ihm. Aber niemand kann ihn wegjagen. Er wird in der Nähe seiner Verwandten wohnen. Da rief Hagar aus: "Den, der mich angeschaut hat, habe ich tatsächlich hier gesehen!" Darum gab sie dem Herrn, der mit ihr gesprochen hatte, den Namen: "Der Gott, der mich anschaut."
Gott hat mich nicht vergessen.
Gott schaut mich an.
Gott schaut darauf, wie es mir geht.
Gott schaut darauf, was ich erleide.
Und es ist ihm nicht egal.
Er nimmt es sich zu Herzen.
Er nimmt Anteil daran.
Und er wird mich da durch begleiten und mir eine Zukunft eröffnen.
Und das zu wissen, gibt ihr Kraft.
Mir gefällt das gut.
Gott kümmert sich um die Opfer seiner Leute.
Abram und Sarai, das sind die Menschen, mit denen er großes vorhat.
Abram, der Stammvater Israels.
Abram, der Stammvater aller Glaubenden.
Und auch Abram baut hier Mist.
Und es gibt Menschen, die darunter leiden müssen.
Und das sieht Gott, und er kümmert sich um diese Menschen. Er sorgt für sie.
Ich finde das klasse.
Und noch etwas finde ich bemerkenswert:
Hagar hat eine große Sehnsucht nach Freiheit.
Diese Sehnsucht wird in Erfüllung gehen. Aber nicht in ihr, sondern erst in ihrem Sohn.
Gott denkt anscheinend in größeren Zusammenhängen als wir.
Und was passiert mit Abram und Sarai?
Aus den Altersangaben von Abram können wir folgern:
Danach war 14 Jahre lang Sendepause zwischen Gott und Abram.
Weil Gott geschwiegen hat?
Weil Abram so verhärtet war, dass er nicht hören konnte?
Wir wissen es nicht. Beides ist denkbar.
Und nach diesen 14 Jahren bekommen sie ein Kind. Einen Sohn.
Was wir aus dieser Geschichte lernen können:
Gott hat oft einen anderen Zeitplan als wir. Das ist nicht leicht auszuhalten.
Wenn Menschen meinen, schlauer zu sein als Gott und besser als er zu wissen, was jetzt für mich gut ist, dann kommt großer Mist dabei heraus, unter dem viele Menschen leiden werden.
Es sagt sich leicht:
Ich vertraue mein Leben Gott an. Ich lege das alles in seine Hand. Und ich will auf das hören, was er mir sagt.
Das sagt sich leicht.
Aber es ist nicht immer leicht zu leben.
Aber es lohnt sich.
In diesen Tagen erfahren wir viel von der 65-jährigen Frau in Berlin, die sich künstlich hat befruchten lassen und Vierlinge erwartet.
Was soll das, frage ich mich?
Leihmutterschaft ist auch ein immer größeres Thema.
Du kannst kein Kind bekommen?
Dann bezahle eine Frau in Indien dafür, dass sie für Dich ein Kind bekommt.
In Deutschland ist das verboten, in Indien nicht. Da ist das mittlerweile ein boomender Geschäftszweig.
Das Gesamtpaket ist in Indien für um die 24.000 Dollar zu haben. Die Leihmutter erhält davon zwischen 4.000 und 6.000 Dollar, ausgezahlt in Raten. Für Zwillinge oder Drillinge, was durch das Einsetzen mehrerer befruchteter Eizellen häufig passiert, gibt es einen kleinen Zuschlag. Eine Leihmutter erhält nämlich nur Geld, wenn sie ein gesundes Kind abliefert. Und erfahrungsgemäß, verlaufen 80 Prozent der künstlichen Befruchtungen erfolglos. "Die Frauen machen es wegen des Geldes", sie sind Teil eines global organisierten Geschäftes mit dem Kinderwunsch, dessen Regeln von den großen Konzernen und Gesundheitsagenturen innerhalb des Sektors bestimmt werden. Die Leihmütter würden darin zu Dienstleisterinnen, ihr Bauch zur Ware. Und wenn das Kind, das sie zur Welt bringen, behindert ist, kann es passieren, dass es nicht abgeholt wird. (Quelle: Zeit online)
Ich finde das furchtbar, wie da Menschen zu Handelsgut gemacht werden.
Ich finde es gut, dass das in Deutschland verboten ist.
Ich sagte schon am Anfang:
Ungewollte Kinderlosigkeit kann ein großes Problem sein.
Manche Ehen zerbrechen darunter.
Das muss aber nicht sein.
Es gibt auch erfülltes, glückliches Leben ohne erfüllten Kinderwunsch.
Und ich meine, das gelingt leichter zu finden mit einem innerlichen JA zu dem Weg, den Gott mit mir geht.
Und indem es eingeübt wird, auf den Gott zu vertrauen, der mich sieht.

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