Konfirmation

Konfirmationspredigt 19. 4. 15: Was wirklich wichtig ist im Leben mit Pinguingeschichte
von Pastor Udo Dreyer, 27798 Hude/Wüsting

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Groß­eltern und Paten!

heute werdet ihr konfirmiert – das ist ein bedeutender Tag auf eurem Lebensweg – ein Signal, das deutlich macht: so langsam wirst du erwachsen. Und auch wenn du es noch nicht ganz bist – die Kindheit ist auf jeden Fall vorbei.

Heute also dieser erste Schritt in die Erwachsenenwelt! Was liegen da für Möglichkeiten vor euch und wie viel unterschied­liche Meinungen gibt es darüber, worauf es ankommt im Le­ben.
Geld, rufen die einen – und blicken mit Anerkennung auf Bill Gates, den reichsten Mann der Welt. Gutes Aussehen ist wich­tig, sagen die anderen. Erfolg im Sport, meinen noch ande­re und möchten von Sieg zu Sieg eilen wie die Fußballer von Bayern München.

Ja, aber ist das wirklich alles, viel Geld zu haben, gut auszuse­hen und große Erfolge vorzuweisen? Wer kann das schon von sich behaupten. Und wenn’s so wäre bliebe noch offen, ob das allein wirklich glücklich und zufrieden macht.

Auf die Frage: Worauf kommt’s wirklich im Leben an? gibt es noch ganz andere Antworten. Eckhard von Hirschhausen hat sie im Zoo gefunden – beim Beobachten von einem Pinguin.
Hören wir seine Geschichte (leicht verändert), die gut illustiriert, was wirklich wichtig ist:
„Im Zoo sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen.
Ich dachte: Was für ein armes Würstchen. Die Flügel zu klein, kannst nicht fliegen und hast noch eine untersetzte Statur. Und vor allem: Hat Gott der Schöpfer bei dir die Knie vergessen? Mein Urteil: eine komplette FEHLKONSTRUKTION.
Dann ging ich eine kleine Treppe runter. Und sah noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor meinem Gesicht, schaute mich an, und ich spürte – jetzt hatte er Mitleid mit mir. Er war in seinem Element.
Boah-ey. 
Dann hab ich es nachgelesen:Pinguine sind zehnmal wind-schnittiger als ein Porsche! Mit der Energie aus einem Liter Benzin käme der über 2500 km weit!
Pinguine sind hervorragend geeignet, zu schwimmen, zu jagen, zu spielen – und im Wasser viel Spaß zu haben.

Der Pinguin erinnert uns an zwei Dinge. Das Erste ist, wie schnell wir oft urteilen, nachdem wir jemanden in nur einer Situation erlebt haben. Und wie man damit komplett daneben-liegen kann. Und die zweite Pinguin- Botschaft lautet: wie sehr es von der Umgebung abhängig ist, ob das, was man gut kann, überhaupt nach außen sichtbar wird.

Manche beißen sich leider gern an dem fest, was sie nicht gut können. Aber das ist nicht sehr sinnvoll.Wir alle haben ja unsere Stärken und Schwächen. Deshalb ist es besser, nicht auf dem Schwächen rumzureiten, sondern die Stärken zu fördern.

Manchmal, wenn es nicht gut läuft: kann es besser sein, wenn man das Umfeld wechselt. Denn kaum einer ändert sich komplett und grundsätzlich. Anders formuliert, wenn du als Pinguin geboren wurdest, wird aus dir keine Giraffe werden.“

Und da sind wir bei der Frage, die ja auch Thema auf unserer Katefahrt und beim Vorstellungsgottesdienst war: Was brauchst du wirklich zum Leben? Diese Frage bleibt ja euer Leben lang aktuell: Bei der Berufswahl, der Partnersuche oder vielleicht in den nächsten Tagen schon, wenn ihr euch überlegt, was ihr von eurem Konfirmationsgeld kaufen wollt.
Was ist wirklich wichtig? Was tut mir gut? Und was kann ich gut? Das sind die Lebensfragen jedes Menschen. Dabei ist es wichtig, dass ihr euch gut kennt und wisst, ob eure persönli-chen Fähigkeiten und Gaben eher im Pinguin- oder im Giraffenbereich oder ganz wo anders liegen.
Deshalb: fragt euch immer wieder ganz ehrlich: Was will ich? Was macht mir Freude? Wann geht mir mein Herz auf? Wann ha­ben andere mit mir Freude? Wofür brenne ich wirklich?
Und wenn ihr dann merkt: Ich bin Pinguin, seht euch genau um: Und wenn ihr dann schon länger in der Wüste seid, liegt es nicht nur an euch, wenn’s nicht „flutscht“. Dann müsst ihr da weg und es ist eure Lebensaufgabe, das passende Was­ser für euch zu finden.
Auch wenn es sich vielleicht erst kalt anfühlt – springt hinein ins Kalte wie die Pinguine! Und schwimmt! Das Wasser trägt. Und dann wünsche ich euch, dass ihr spürt, wie es ist, in eu­rem Element zu sein.“ (bis hier Inhalt der v. Hirschhausen Geschichte) Und außerdem dürft ihr gewiß sein – Gott ist bei euch, er steht euch zur Seite. Er hilft euch, eure Gaben und Fähigkeiten voll zur Entfaltung zu bringen. Und Gott trägt und behütet euch – besonders wenn’s mal schwer wird oder Mißerfolge zu verkraften sind.

Die Geschichte vom Pinguin zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst gut zu kennen und das Leben an seinen Stärken auszu-richten. Die hat ja jeder und jede von euch. Das habt ihr in der Katezeit gezeigt und ich fand – im Großen und Ganzen ward ihr gut dabei. Ja ihr wart eine manchmal so lebendige Truppe, dass ich meine Stimmbänder nach dem Unterricht ganz schön gespürt habe.

Liebe Konfirmandinnen und Konfrmanden, Gott hat euch ganz unterschiedlich geschaffen. Ihr seid alle seine Ori­ginale. Umso wichtiger ist das Verbindende – sozusa­gen der Schmierstoff für ein gutes Miteinander. Und da sind wir wieder beim Thema der Katefahrt und was ihr da rausearbeitet habt:
Werte wie Freundschaft, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit stehe­nen bei euch ganz obenan aber auch Liebe, Frieden, Familie, Re­spekt und Verantwortung.
Auch Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe habt ihr genannt. Vergeßt das nicht. Glaube und Gottvertrauen sind so wichtig. Das eine ist, dass die Bibel uns hilfreiche Gebote ans Herz legt. Wir haben es eben gehört: die Gottes- und die Nächstenliebe und nicht zu vergessen auch die Selbstliebe sind das wich-tigste. Oder auch die Goldenen Regel, wo Jesus uns ans Herz legt: „Be­handelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.“ Und zum anderen gibt es auch noch das Spirituelle
als Grundbestandteil unseres Lebens. Denn wie könnten wir Leben ohne Liebe, Hoffnung und Zuversicht, die Gott uns schenken will. Er sieht in unser Herz und weiß genau, was wir brauchen.

Die Kirche spielt zwar keine große Rolle im Leben vieler junger Menschen und ich gönne es euch ja auch, dass ihr nun wieder jeden Sontnag aus­schlafen könnt.– aber das eine möchte ich euch doch mit auf den Weg geben: Vergesst Gott nicht und versucht so zu leben, als ob es ihn gibt. Das gibt ein besseres Lebensgefühl: zu spüren und darauf vertrauen zu können: da ist einer an meiner Seite, der mich im Innersten kennt und wirklich weiß, was ich brauche.

Liebe Konfirmandinen und Konfmranden, Gott sieht euch und euer Herz an und geht alle Wege und auch Umwege in eurem Leben mit. In diesem Sinne wünsche ich euch von Herzen Gottes Segen für euren Lebensweg. Amen.

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