Büttenpredigt zum Fastenthema "Du bist schön"

Nun ist es wieder mal so weit!
Seit Tagen schon, da macht sich breit
die Tollitäten-Feierstimmung
es ist die Zeit der Frohsinns-Innung!
(Orgel: Tata-Tata-Tata)
Drum woll’n auch wir nicht Trübsal blasen
sondern so verschachteln Phrasen,
dass sie munter wie die Hasen
gereimt durch meine Predigt rasen.

Und wie seit Jahr’n mein Predigt-Schema
halt‘ ich mich gern’ ans Fastenthema,
damit ab heut’ es uns begleit’
durch sieben Wochen Fastenzeit.

So drück ich die Computertasten
und such nach „evangelisch Fasten“
genauer „Sieben Wochen ohne“
ob sich dies Jahr das Thema lohne.

Ich seh’s und denk’, ich krieg ’nen Föhn,
da steht nur einfach „Du bist schön!“

An dieser Stelle muss ich kurz innehalten. Denn heute ist es ja modern, wenn alles interaktiv ist. So soll auch dies eine interaktive Büttenpredigt werden, zum Mitmachen.
Immer wenn eine Zeile sich auf „schön“ reimt, müssen sie in der nächsten Zeile laut das Fastenmotto aufsagen: „Du bist schön“

Wir üben das sofort mal an den letzten Zeilen meiner Predigt.

Ich seh’s und denk’, ich krieg ’nen Föhn,
da steht nur einfach ► „Du bist schön!“

Ich schau verdutzt. – Ist das die Seit’
auch wirklich von der Fastenzeit?
Ihr kennt das ja den ganzen Mist,
wie schnell man umgeleitet ist.
Du suchst ’ne Blume, tippst Gewächs
und landest – schwupps – bei Hausfrau’nsex.
Und aus dem Laptop kommt Gestöhn
dazu ein Flüstern: ► – – –

Ja! Das war mir schon klar, dass das hier mit dem Einsatz nicht klappt! Kaum kommt das Thema Sex da seid ihr so gebannt, dass ihr euren Einsatz verpasst.
Also noch einmal. Ich hab vorsorglich auch ein Hinweisschild (►) mitgebracht.
Und vielleicht könnt ihr auch atmosphärisch mitgehen und den Satz son’n bisschen anzüglich flüstern:
Also:

Du suchst ’ne Blume, tippst Gewächs
und landest – schwupps – bei Hausfrau’nsex.
Und aus dem Laptop kommt Gestöhn
dazu ein Flüstern: ► „Du bist schön!“

So ähnlich wird’s auch hier wohl sein
ich bin wohl bei ’nem Fremdverein.
Denn „Du bist schön“ das klingt doch nicht
nach Christen-Botschaft mit Gewicht.
Das klingt doch eh’r nach Schönheitsfarm,
nach Piercing auf dem Oberarm,
nach Wellness, Beauty, Botox-Kur,
nach Lifting und nach Traumfigur.

So ähnlich, denk ich, muss es sein
und tipp noch einmal „Fasten“ ein.

Es ist umsonst mein Laptop spricht,
„’ne andre Antwort geb’ ich nicht.“
Das „Du bist schön“ ist echt der Knochen
zum Draufrumkau’n in diesen Wochen.

Oh liebe Leute reicht es nicht
dass Werbung nur von Schönheit spricht?
Das Auto glitzert in der Sonne
und obendrauf streckt sich Yvonne
die Küche ist ein Traum-Gedicht
und wird, scheint’s, stündlich durchgewischt.
Selbst noch das Klo ist durchgestylt
und Feng-Shui-mäßig ausgefeilt.

Da kann die Welt zugrunde gehen,
die Hauptsach’ ist, wir ham’ es schön

Dazu kommt noch: Der Schönheitswahn
gilt ebenso für Frau und Mann
und willst Du Dich nicht arg blamieren
musst du dein Ausseh’n optimieren.

Leicht fängt es an: Dich schön frisieren,
und etwas Schminke applizieren,
die Augenbrauen ziselieren
und dir die Nägel schön lackieren
ein wenig am Gewicht verlieren
als Lohn ne Gurkenkur spendieren.

Was, du willst jetzt schon jublieren?
Wie wär’s die Fältchen weg-kaschieren?
Dir andre Nägel fabrizieren;
dir ’ne Intimfrisur frisieren
und unbedingt die Brust wattieren!
Und stets im Spiegel dich taxieren
und weitre Mäkel registrieren:
Bauch, Po und Ohren operieren,
vielleicht doch dein Gewicht halbieren?

Als Mann dich super cool frisieren
und Fitness-Stunden terminieren.
Mit schweren Hanteln rumhantieren
und deinen Bizeps optimieren,
dazu ein Sixpack antrainieren
mit Bauchübung auf allen Vieren.

korrigieren
reduzieren
tätowieren
einmassieren
aufpolieren
regulieren
kontrollieren
parfümieren
epilieren

Von Schick kommt scheinbar schikanieren!

Soll das der Sinn vom Fasten sein
dass wir uns darin reihen ein?
Denn so verstanden ist’s obszön
das Fastenthema ► „Du bist schön!“

Was ham’ gedacht die klugen Köpfe
die für uns rühr’n die Themen-Töpfe?
Dazu les ich das Heft zum Fasten,
um mich ans Thema ranzutasten.
Ach so! So werd’ ich warm damit
und krieg aufs Thema Appetit:

Es geht drum, kritisch anzusehen
den Schönheitskult und zu verstehen,
dass im Extrem er zwar versklavt
und die, die sich versklaven straft,
doch dass die Schönheit selbst im Leben
ja durchaus ist von Gott gegeben
als eine Freude für die Sinne
auf dass der Mensch so Glück gewinne.
Wies bei der Schöpfung heißen tut
nach jedem Tage: „Es war gut.“

Dazu geht’s auch um diese Frage,
ob ich zu mir zu sagen wage,
beziehungsweise dran gewöhn,
zu mir zu sagen ► „Du bist schön“!

Oh nein, das kann ich wirklich nicht,
denn schön sind andere, nicht ich.

Auch die Kritik am Schönheitswesen,
die ich vorhin laut vorgelesen,
ist sicher auch aus Neid genährt,
der solche Schönheit selbst begehrt.

Denkt mal an eure Jugendzeit!
Bei mir war’s nicht nur Heiterkeit.

Das Mädchen aus der Klasse sieben
tat ich ganz heimlich furchtbar lieben.
Sie hat mich nicht mal angeseh’n!
Das war echt doof! Ihr tut’s versteh’n.

Und überhaupt: Die Pickel-Zeit,
ein jeder weiß da wohl Bescheid.
Ein Ur-Gefühl oft in uns spricht:
„Nein, schön, das bin ich wirklich nicht.“

Zum Glück tut manches Blatt sich wenden
wenn solche Zeiten einmal enden.
So kam das End’ der Pickeltzeit,

da macht der Haarausfall sich breit!

Doch da stand ich schon fest im Glauben
nichts konnt’ mir noch die Basis rauben.
Mir war ganz klar mit viel Bedacht
hat Gott mich, wie ich bin, gemacht.
Als Beispiel dafür wunderbar
sagt Jesus grade über’s Haar:
(Matthäus 10, in dem Vers dreißig)
„Gott hat schon längst gezählt ganz fleißig
ein jedes Haar auf deinem Kopf“

So kann auch ich den meinen Schopf
getrost aus seinen Händen nehmen
brauch keinen anderen ersehnen.

Nur manchmal, wie ich euch gesteh’,
bekomm ich gleichsam Haar-Heimweh
Zwar weiß ich Gott hat mit Bedacht,
mich sicher, wie ich bin, gemacht.
Doch Gott, ich selbst, hör doch mal zu:
Hätt gern so Haar wie Winnetou!
(setzt lange schwarze Perücke auf)
Hör zu, und gib mir bitte recht,
so auszuseh’n wär doch nicht schlecht?!

Die Frauen würden auf mich fliegen,
ich tät in ihren Armen liegen.
Trät’ ich durch irgendwelche Türen,
würd ich der Frauen Blicke spüren.

Sag Gott, „Was hast du dir gedacht,
als du mich, wie ich bin, gemacht?
(Nimmt die Perücke ab)
Sag an: Wieso mit diesen Haaren?“
Ich hör nur: „Es tut Shampoo sparen.“

Da hilft kein Beten und kein Hoffen:
So manche Lebensfrag’ bleibt offen.

Dazu noch tat ich Pfarrer werden,
der unmodischste Job auf Erden.

Gelb ist die Post, der Klemptner blau
hellbraun der Tischler auf dem Bau
der Gärtner grün, weiß ist der Arzt
nur ich trag immer dunkel-schwarz.

Wär ich doch wenigstens Kathole
dann trüg ich weiß mit bunter Stole,
mal grün, mal blau je nach der Zeit
da würd sich Farbe machen breit.
Oder vielleicht auch – zapperlot –
stellt euch mal vor, ich ging in rot!

Ich bin da echt ein armes Schwein.
Wie hier nur Farbe bringen rein?
Es gibt nur eins: Ich heb die Brocken,
(hebt den Talar an)
dann seht ihr meine rosa Socken.
(man sieht die rosa Strumpfhose)

Das aber kann ich meist nicht machen,
bleibt’s also bei den schwarzen Sachen?
Wie nur kann ich die Lage wenden
und wie den Farbnotstand beenden?

Man müsste sich was buntes stricken
das würde alle doch entzücken!
(setzt Strickkragen auf)
Das sieht doch gleich viel frischer aus
ich wett’ das gibt bestimmt Applaus.
(Applaus)
Wenn ich mich so mit schwarz versöhn
dann rufen alle ►„Du bist schön“

Ah! Das ist Balsam für die Seele!
(streicht sich selbstverliebt über die Glatze)
Am liebsten gäb ich euch Befehle,
durch irgendeinen Scheiß auf –öhn,
sagt bitte noch mal ► „Du bist schön“!

Ihr denkt bestimmt, das war ein Trick,
dass ich euch zwing mit viel Geschick,
mein armes Ego zu polieren.
Nein, nein ihr selbst sollt profitieren!

Ich wollt an meinem Beispiel zeigen,
wie’s lohnt, beim Fasten einzusteigen.
Denn es winkt wirklich als Gewinn
ein völlig neuer Schönheitssinn.

Denn Schönheit ist nicht absolut,
wie’s uns der Mainstream sagen tut.
Es lohnt, darüber nachzusinnen
und für sich selbst ein Maß gewinnen,
was wir als Schönheit denn empfinden.
Und Schönheit vielleicht tiefer gründen
und mehr zu lieben als die Form
die uns diktiert die Einheitsnorm.

Und so mit völlig neuen Augen
uns fragen, was wir optisch taugen
und uns mit Gottes Augen sehen
und unsre Schönheit neu verstehen.

Und dann am End’, am Ostermorgen
ist eure Schönheit nicht verborgen.
Wenn ihr dann in das Bad reingeht
und neu in euren Spiegel seht
und vor dem Spiegelbild ertön’
und Du zu Dir sagst: ►„Du bist schön“

Amen

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