Gebet um Heilung

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
das Thema der heutigen Predigt ist wie im Nachrichtenblatt angekündigt: Gebet um Heilung.
Wer war noch nicht krank und hat sich danach gesehnt wieder gesund zu werden? Haben Sie dafür gebetet, dass Sie wieder gesund werden?
Unser Körper hat Selbstheilungskräfte. Wenn man eine Erkältung hat, versucht der Körper die Erkältung wieder loszuwerden und meisten gelingt ihm das innerhalb einer Woche. Gott hat unsere Körper so geschaffen, dass Verletzungen und Krankheiten, die Tendenz haben wieder zu heilen. Die ganze Medizin macht nichts anderes als diesen Heilungsprozess, zu unterstützen. Zum Beispiel desinfiziert sie Wunden, damit sie sich nicht entzünden sondern in Ruhe heilen können. Oder sie richtet gebrochene Knochen, damit die gerade zusammen heilen. Aber die Heilung wird nicht von der Medizin, sondern von den Selbstheilungskräften des Körpers bewirkt. Insofern hat Gott Heilung in jeden von uns eingebaut. Und es ist inzwischen auch wissenschaftlich belegt, dass Gebet die Selbstheilungskräfte des Körpers stärkt. Also beten Sie um Heilung, wenn sie krank sind. Das ist auf jeden Fall hilfreich. Krankheiten werden dadurch positiv beeinflusst. Im Gebet finden Sie Ruhe und Kraft, um die Zeit der Krankheit besser zu bewältigen. Das hilft zusätzlich.
Soweit – so gut – so vernünftig. Aber gibt es nicht noch mehr dazu zu sagen? Hat Jesus nicht Menschen geheilt, die schwer krank waren, wo die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht mehr ausgereicht haben? Ja, das hat er getan. Es gibt in allen Evangelien Geschichten von plötzlichen Heilungen. Ich lese Ihnen eine vor. Ich lese Markus 5,24b-34
24b Eine große Menschenmenge folgte Jesus und umdrängte ihn. 25 Es war auch eine Frau dabei, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. 26 Sie war schon bei den verschiedensten Ärzten gewesen und hatte viele Behandlungen über sich ergehen lassen. Ihr ganzes Vermögen hatte sie dabei ausgegeben, aber es hatte nichts genützt; im Gegenteil, ihr Leiden war nur schlimmer geworden. 27 Diese Frau hatte von Jesus gehört; sie drängte sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. 28 Denn sie sagte sich: »Wenn ich nur sein Gewand anfasse, werde ich gesund.« 29 Im selben Augenblick hörte die Blutung auf, und sie spürte, dass sie ihre Plage los war. 30 Jesus bemerkte, dass heilende Kraft von ihm ausgegangen war, und sofort drehte er sich in der Menge um und fragte: »Wer hat mein Gewand berührt?« 31 Die Jünger sagten: »Du siehst, wie die Leute sich um dich drängen, und da fragst du noch: ›Wer hat mich berührt?‹« 32 Aber Jesus blickte umher, um zu sehen, wer es gewesen war. 33 Die Frau zitterte vor Angst; sie wusste ja, was mit ihr vorgegangen war. Darum trat sie vor, warf sich vor Jesus nieder und erzählte ihm alles. 34 Jesus sagte zu ihr: »Meine Tochter, dein Vertrauen hat dir geholfen. Geh in Frieden und sei frei von deinem Leiden!«
In Jesus ist heilende Kraft. Jesus spürt wie diese Kraft von ihm ausgeht. Und in der Frau ist der Glaube, dass die Berührung Jesu ihr helfen kann und sie heilen kann. Und wo die Kraft Jesu und das Vertrauen von Menschen aufeinander treffen, da kann Heilung geschehen. Menschen wurden in der Begegnung mit Jesus geheilt. Die Kraft Gottes in Jesus bewirkt das. Und da man Jesus auch heute noch begegnen kann, werden auch heute noch Menschen in der Begegnung mit Jesus geheilt. Das geschieht immer wieder überall auf der Welt. Die katholische Kirche hat das systematisiert und zu diesem Zweck Wallfahren zum Beispiel nach Lourdes eingerichtet. Ich kenne eine evangelische Messelerin, die in Lourdes von einer schweren Allergie geheilt wurde. Und wenn man verschiedene katholische Wallfahrtsorte besucht, findet man an den Wänden überall Votivtafeln, in denen sich Menschen bedanken, dass sie geheilt wurden. Aber natürlich fahren auch Hunderttausende jedes Jahr nach Lourdes, ohne dass sie geheilt werden. In der evangelischen Kultur ist die Idee, dass die Begegnung mit Jesus auch heute noch heilende Kräfte freisetzt eher an den Rand gedrängt. Es werden auch in der Evangelischen Kirche Gottesdienste angeboten, in denen Menschen nach vorne kommen und ein Gebetsteam ihnen die Hände auflegt und um Heilung für ihre Krankheit betet. Aber das ist selten. Und auch in diesen Gottesdiensten passieren wirklich Heilungen. Ich kenne zumindest jemanden, der einen kennt, dessen Geschwür nach dem Gottesdienst einfach weg war. Die Operation war schon angesetzt, hat dann aber nicht mehr stattgefunden. Aber auch da gilt: Es nehmen viele Leute an diesen Gottesdiensten teil, ohne dass sie geheilt werden. Medizinisch gesehen spricht man da heute übrigens nicht mehr von Wundern, sondern von Spontanheilungen, die es zweifellos gibt, die aber leider ziemlich selten sind. Obwohl mir immer wieder Leute erzählen, dass eine Krankheit überraschend sehr viel besser verlaufen ist, als die Ärzte es voraus gesagt haben. Was fangen wir damit an?
Welche Schlüsse ziehen wir für unser Thema: Gebet um Heilung? Haben Sie Mut, beten Sie um Heilung, bitten Sie Gott immer wieder, dass er Sie heilt. Gottes Kraft ist immer noch in der Welt und es ist immer möglich, dass diese Kraft auch in Ihnen bewirkt, dass Sie gesund werden. So lange wir leben gibt es Hoffnung. Begleiten Sie das, was die Ärzte tun, mit Gebet. Das macht es für alle Beteiligten leichter. Beten Sie darum, dass die Therapie wirkt. Beten Sie, dass die Operation gut verläuft. Beten Sie dass etwas gefunden wird, dass ihnen hilft. Und beten Sie für andere, dass sie geheilt werden. Das schafft eine intensive Verbindung. Die Menschen, für die sie beten, freuen sich über die Anteilnahme und Unterstützung.
„Ja, aber“ könnten Sie jetzt sagen, „wenn das alles nichts hilft…“ Ja, das kann sein, dass alles nicht hilft. Diese Erfahrung machen nicht nur wir. Der Apostel Paulus hat die auch gemacht. Im zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth Kapitel 12 schreibt er:
7 Ich habe unbeschreibliche Dinge geschaut. Aber damit ich mir nichts darauf einbilde, hat Gott mir einen »Stachel ins Fleisch« gegeben: Ein Engel des Satans4 darf mich mit Fäusten schlagen,5 damit ich nicht überheblich werde. 8 Dreimal habe ich zum Herrn gebetet, dass der Satansengel von mir ablässt. 9 Aber der Herr hat zu mir gesagt: »Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Je schwächer du bist, desto stärker erweist sich an dir meine Kraft.«6 Jetzt trage ich meine Schwäche gern, ja, ich bin stolz darauf, weil dann Christus seine Kraft an mir erweisen kann. 10 Darum freue ich mich über meine Schwächen, über Misshandlungen, Notlagen, Verfolgungen und Schwierigkeiten. Denn gerade wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Das Wort, das hier mit Schwäche, schwach sein übersetzt ist, kann auch krank sein bedeuten. Paulus ist offensichtlich chronisch krank. Er hat Gott um Heilung gebeten. Aber Gott sagt zu Paulus: „Deine Krankheit ist wichtig. Sie schützt dich vor Überheblichkeit und du erfährst in ihr meine Stärke.“ Und Paulus akzeptiert das und findet einen Sinn in seiner Krankheit, und er lernt, mit der Krankheit zu leben.
Auch uns bleibt manchmal nichts anderes übrig als mit unserer Krankheit leben zu lernen. Und vielleicht finden auch wir manchmal einen Sinn darin. Ich betone manchmal! Oder wir finden zumindest ein bisschen Trost in dem, wie andere uns in der Krankheit helfen. Meine Frau ist zum Beispiel total genervt von ihrer Stimmstörung. Und sie wäre sie lieber gestern als heute los. Aber sie sagt auch, dass sie froh ist, dass ich ihre Texte lese und sie immer noch schreiben kann. Und sie ist froh, dass die Gemeinde diese Krankheit so gut mitträgt und sie ganz viel Mitgefühl entgegen gebracht bekommt. Sie fühlt sich unterstützt und getragen. Und das ist eine wichtige Erfahrung.
Ja, Wir sollen um Heilung beten. In der Begegnung mit Jesus Christus passiert Heilung. Aber die sieht nicht immer so aus, dass die Krankheit weg geht. Manchmal bekommen wir von Gott einfach nur die Kraft, unsere Krankheit tragen zu können. Manchmal erkennen wir einen Sinn in unserem Leiden. Und manchmal noch nicht mal das. Zu unserem Leben gehört Leiden dazu – zu unserem Leben gehört oft genug auch sinnloses Leiden. Wunderschön ist es, wenn das Leiden zu Ende geht. Und was immer bleibt, ist die Hoffnung, dass am Ende Gott abwischen wird alle Tränen und alles Leid und alles Geschrei zu Ende sein wird. Ja, am Ende wird alles gut werden. Aber leider kann das noch ein Weilchen dauern. Ich wünsche uns allen Geduld und Hoffnung. Und hören Sie nicht auf zu beten und um Heilung zu bitten. Gott hört unsere Gebete und wird uns helfen. Auch wenn wir uns nicht aussuchen können wie diese Hilfe letztendlich aussieht.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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