Gott nahe zu sein ist mein Glück – Jahreslosung 2014

A: Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
liebe Gemeinde,
wir feiern Silvester. Ein neues Jahr kommt auf uns zu. Was wird es bringen? Freude oder Leid, neue Beziehungen oder Abschied? Wir wissen es nicht. In dieser Ungewissheit hilft uns die Jahreslosung für 2014 mit Zuversicht in das neue Jahr zu gehen. Sie haben einen Kalender mit der Jahreslosung bekommen. Sie steht im 73. Psalm und lautet: Gott nahe zu sein ist mein Glück.
R: Ich finde es nicht gut, einen Satz aus der Bibel aus seinem Zusammenhang zu reißen und dann als eine allgemeine Wahrheit zu verkaufen. Dieser Vers gehört in den 73. Psalm und ist auch nur im Rahmen des 73. Psalms verständlich.
A: Wir haben den 73. Psalm ja am Anfang des Gottesdienstes gebetet.
R: Ja schon, aber wir müssen uns den 73. Psalm schon noch mal als Ganzes ansehen. Gott nahe zu sein ist mein Glück ist der Schlusssatz, der dieses Gebet abschließt. Aber zu diesem Satz kommt der Beter erst über schlimme Zweifel.
A: Welche Zweifel meinst du?
R: Asaf regt sich darüber auf, dass die Gewalttätigen und Gottlosen soviel Glück haben und es ihnen so gut geht. Sie häufen Macht an. Sie sind reich und gesund und leben im Überfluss. Dabei sind sie hochmütig, verhöhnen Gott und unterdrücken ihre Mitmenschen. Die anderen bewundern sie und wenden sich von Gott ab und laufen ihnen nach.
A: Klar das ist heute noch so. Da kann man sich doch auch darüber aufregen. Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt. Es liegt viel zu viel Macht bei Leuten, die kein Gewissen haben, nur auf ihren Vorteil bedacht sind und sich keine Gedanken darüber machen, was ihr Handeln für andere bedeutet. Das ist ja auch furchtbar.
R: Asaf fragt sich, wie kann Gott das zulassen, dass es den Gottlosen so gut geht, ihm selbst aber so schlecht. Wo er sich doch darum bemüht, die Gesetzt Gottes zu halten und zu tun, was Gott gefällt. Er respektiert Gott und versucht Gutes zu tun. Und was ist das Ergebnis: es geht ihm viel schlechter als den Gewalttätigen und Gottlosen.
A: Natürlich regt er sich darüber auf. Und heute hat man ja auch manchmal das Gefühl: Wenn man sich an die Regeln hält und versucht Gutes zu tun, ist man der Dumme. Reich werden die anderen. Natürlich kann man da anfangen an der Gerechtigkeit und der Macht Gottes zu zweifeln. Ich finde das gut nachvollziehbar. Asaf hat auch für heute noch recht. Aber wie kommt er dann zu dem Satz am Schluss: Gott nahe zu sein ist mein Glück?
R: Asaf geht zum Tempel und betet dort. Er klagt Gott sein Leid. Und plötzlich versteht er: Die Gottlosen und die Gewalttätigen haben keine Chance. Sie haben Gott gegen sich. Und deshalb wird es für sie ein schlimmes Erwachen geben. Die sich von Gott fern halten gehen zu Grunde.
A: Aber wie kann das sein? Wie kommt der Beter dazu seine Meinung derart zu ändern? Irgendetwas muss da im Tempel passiert sein.
R: Ja, und die Jahreslosung sagt auch was passiert ist.
A: Ja, und was ist es?
R: Der Beter ist im Tempel Gott nahe gekommen. Und das hat für ihn alles geändert.
A: Weil er Gott nahe gekommen ist hat er seine Meinung über den Lauf der Welt verändert?
R: Ja, denn er hat Gott erfahren. Und jetzt kann er sich nicht mehr vorstellen, dass Gott ungerecht handelt.
A: Aber seine Alltagserfahrungen sprechen doch dagegen. Er hat doch erlebt, dass es den Gottlosen gut geht und ihm, der sich um Gottes Gebote bemüht geht es schlecht.
R: Die Nähe Gottes zu spüren hat ihn davon überzeugt: Das ist nicht das letzte Wort. So wird es nicht bleiben. Am Ende setzt Gott sich durch. Offensichtlich war die Nähe Gottes zu erleben so überzeugend, dass er aufhören musste zu klagen.
A: Stattdessen hat er angefangen Gott zu loben und von seinen großen Taten zu erzählen. Stattdessen ist er einfach glücklich geworden.
R: Sein Glück hat er hinausgerufen in dem Satz: Gott nahe zu sein ist mein Glück.
A: Er hat gemerkt, nicht die Gewalttäter und die Gottlosen sind glücklich, sondern ich bin glücklich, weil ich Gott nahe gekommen bin. Mein Lebensentwurf ist doch der Richtige. Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich mich um ein Leben, das Gott gefällt, bemühe.
R: Und er sagt auch: Als ich Zweifel daran hatte, da war ich dumm wie ein Rindvieh. Ich war kein Mensch mit Würde als ich noch dachte, dass Gott nicht gerecht ist und als ich daran zweifelte, dass er am Ende Gerechtigkeit herstellt.
A: Ja, für unsere Menschenwürde ist es wichtig zu glauben, dass es sich am Ende auszahlt, wenn wir Gutes tun. Aus dem guten Handeln entsteht Glück.
R: Und was entsteht aus dem schlechten Handeln?
A: Ich glaube Menschen wissen, wenn sie etwas falsch machen. Sie wissen es, wenn sie etwas Böses getan haben oder dauernd Böses tun. Und davon werden sie unglücklich, selbst wenn sie erfolgreich sind. Sie müssen die ganze Zeit versuchen ihr Gewissen zu beruhigen. Und sie müssen aufpassen, dass sie die Folgen ihres bösen Handelns nicht sehen. Das ist ganz schön anstrengend, sich dauernd zu rechtfertigen und große Teile der Wirklichkeit auszublenden.
Rahel: Du meinst sie müssen immer zu sich selbst sagen: „Wenn ich diese Schweinerei nicht machen würde, dann würde es jemand anders tun.“ Oder „Die sind selbst schuld, wenn sie das mit sich machen lassen und so blöd sind auf meine Versprechen reinzufallen.“ Oder sie sagen sich wie Ulli Hoeness: „Der Staat hat doch genug. Es fällt gar nicht auf, wenn ich ein paar Millionen Steuern hinterziehe. Ich tue doch auch Gutes mit dem Geld!“
A: Genau, man muss sich immer Ausreden ausdenken und tief im Inneren weiß man doch, es ist falsch, was ich da gerade tue. Das ist anstrengend und macht auf Dauer unglücklich. Man kann schließlich immer auch erwischt werden und zur Rechenschaft gezogen werden.
R: Naja, viele Gewalttäter kommen schon damit durch. Und auch viele Steuerhinterzieher. Nur ein kleiner Teil von denen, die auf unsere Kosten dem Staat Geld wegnehmen, wird wirklich erwischt und muss nachzahlen und Strafe zahlen. Ich finde nach wie vor, dass es in der Welt nicht gerecht zugeht.
A: Vorläufig hast du recht. Aber nur vorläufig! Der Beter von Psalm 73 ist davon überzeugt, dass Gott am Ende alle erwischen wird und zur Rechenschaft ziehen wird. Er meint: Langfristig und vom Standpunkt der Ewigkeit ausbetrachtet lohnt es sich nicht Böses zu tun.
R: Gut nehmen wir an, es ist vernünftig Gutes zu tun. Und am Ende wird es sich auch auszahlen. Aber Gott nahe zu sein ist mein Glück sagt schon mehr als das
Sprichwort: Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
A: Ja, der Satz spricht von der großen Freude, sich im Gebet Gott nahe zu fühlen. Martin Luther übersetzt ja auch: „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.“
R: Freude gefällt mir besser als Glück.
A: Wieso?
R: Viele Leute fragen sich, wie werde ich glücklich. Es gibt einen ganzen Markt an Büchern, die uns erzählen, was wir tun müssen, um glücklich zu werden. In der Psychologie ist die Glücksforschung sehr modern. Und die Ergebnisse reichen von genug Sport bis 7-8 Stunden schlafen und Schokolade essen. Ich bin von diesen Ergebnissen immer etwas enttäuscht. Und ich finde es anstrengend, mein Leben auf der Suche nach Glück zu verbringen.
A: Das stimmt. Ich finde es auch besser, anders zu fragen: Nicht, wie werde ich glücklich, sondern wie wird mein Leben sinnvoll?
R: Genau, und sinnvoll ist es Gutes zu tun und nicht nur an mich selbst sondern auch an andere zu denken, wie es die Bibel sagt: Liebe Gott, dich selbst und deinen Nächsten. Das führt zu einem guten Leben.
A: Und ein gutes Leben führt zu Freude. Wenn ich stattdessen dem eigenen Glück nachrenne, verpasse ich das Glück. Das sagt übrigens die Glücksforschung auch und da hat sie wieder recht.
R: Also: Gott nahe zu sein, zu beten und entsprechend seinem Gebot zu handeln, das macht glücklich. Wir empfehlen es für das Jahr 2014.
A: Halt der Psalmbeter ist das etwas vorsichtiger: Er sagt: Gott nahe zu sein ist mein Glück! Ob es andere auch glücklich macht, müssen sie selbst herausfinden.
R: Gut, dann empfehlen wir für 2014, es rauszufinden, ob Gutes zu tun und zu beten, Sie auch glücklich macht.
A: Und der Friede Gottes…

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