Es gibt Zukunft und es gibt Hoffnung

[Anmerkung: Die Predigt wird zusammen mit meinen Töchtern Rebekka und Rahel gehalten.]

Elke: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns.

Liebe Gemeinde,
der Weihnachtsbaum steht in der Kirche. Die Kerzen brennen. Wir feiern Weihnachten. In diesem Jahr haben wir eine neue Krippe unter dem Christbaum. Die Frauen vom Strickkreis haben die Krippenfiguren gestrickt. Seit dem Sommer waren sie damit beschäftigt. Und Edgar Karach hat den Stall gebaut. Wenn Sie möchten können Sie sich die Krippe nach dem Gottesdienst noch näher ansehen. Das muss aber auch nicht heute sein. Die Krippe steht noch bis zum 6. Januar hier unter dem Baum.

Rahel: Das ist doch eine gute Gelegenheit, sich mit den Krippenfiguren zu beschäftigen. Die meisten von ihnen kommen in den beiden Weihnachtsgeschichten vor. In der Weihnachtsgeschichte nach Matthäus gibt es die Magier aus dem Osten, die Geschenke bringen.

Rebekka: Aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas gibt es hier die Hirten, die zum Stall gehen, in dem das Christkind geboren wird.

Elke: Und natürlich kommen in beiden Geschichten Joseph, Maria und das neugeborene Jesuskind vor.

Rahel: Das ist aber noch nicht alles: Aus dem Matthäusevangelium ist hier der Stern zu sehen, der den Magiern den Weg gezeigt hat. Der Stern ist über dem Geburtsort Jesu stehen geblieben und hat den Sterndeutern gezeigt, wie sie den neugeborenen König finden.

Rebekka: Aus dem Lukasevangelium stammen die Engel hier. Sie haben den Hirten verkündet, dass der Retter geboren ist. Ein Engel steht hier auf der Spitze des Daches und einer steht bei den Hirten. Und im Stall sind Ochs und Esel. Die kommen nicht in der Bibel vor. Aber natürlich passen sie gut in einen Stall.

Elke: Alles zusammen gibt es hier. Hier ist die ganze Welt versammelt.

Rahel: Hier sind die Menschen aus fremden Ländern, die von weit her kommen. Und hier ist der Stern, der die Bedeutung der Geschichte im ganzen Universum deutlich macht. Die Magier, später wurden aus ihnen die heiligen drei Könige, sind reich. Sie bringen wertvolle Geschenke: Gold Weihrauch und Myhrre.

Rebekka: Hier sind auch die Menschen, die ganz in der Nähe leben, die Hirten. Sie sind arm. Sie können dem Kind nicht viel schenken. Aber sie kommen, um es anzubeten. Sie sind neugierig. Zu der Geschichte gehören die Engel, die vom Frieden auf Erden reden. Ein großes Licht ist am Himmel erschienen. Die Bedeutung des Ereignisses für die Welt zeigt sich darin, dass hier nicht nur menschliche sondern auch göttliche Wirklichkeit aufscheint.

Rahel: Maria und Josef sind da, zusammen. Josef hat dem Befehl des Engels gehorcht er hat Maria zu sich genommen und sich zu dem Kind bekannt. Die Familie ist zusammen.

Rebekka: Die Geburt ist gut gegangen. Mutter und Kind sind wohlauf. Maria hat es geschafft, ohne Hebamme, ohne ihre Mutter, die ihr sonst bei der Geburt geholfen hätte. Das Kind liegt in Windeln gewickelt in der Futterkrippe. Die Gefahr ist erst mal gebannt.

Elke: Gott ist Mensch geworden. In diesem hilflosen kleinen Baby ist das ungeheuerliche geschehen. Der unendlich mächtige Gott hat sich ganz klein gemacht und hat sich an uns Menschen ausgeliefert in diesem Kind in der Krippe.

Rahel: Über der Krippe liegt ein besonderer Glanz.

Rebekka: Über der Krippe liegt ein besonderer Friede.

Elke: Glanz und Frieden wie sie nur möglich sind in einem Augenblick höchster Gefahr.

Rahel: Ja, von höchster Gefahr spricht die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus: König Herodes trachtet dem Kind nach dem Leben. Er fürchtet um seinen Thron. Schon bald wird die Familie aufbrechen, um nach Ägypten zu fliehen. Herodes lässt alle Jungen unter zwei Jahren in Bethlehem umbringen.

Rebekka: Von höchster Gefahr spricht auch die Weihnachtsgeschichte nach Lukas: Maria ist hochschwanger. Die Wehen setzen ein und es war kein Raum in der Herberge. Eine Geburt unter freiem Himmel mitten auf der Straße droht. In letzter Minute findet die Familie noch ein Armutsquartier, einen Stall.

Elke: Überall stehen Weihnachtskrippen. Immer wieder sehen wir auf diese Szene und immer wieder rührt uns etwas darin an. An irgendeiner Stelle finden wir uns wieder. Wahrscheinlich rührt uns diese Szene deshalb so an, weil sie wie im wirklichen Leben ist.

Rahel: Obwohl da geheimnisvolle Fremde, teure Geschenke und ein leuchtender Stern zu sehen sind?

Rebekka: Obwohl Engel aus dem Himmel herab schweben und singen. Obwohl die Nacht plötzlich ganz hell wird?

Elke: Ja, trotzdem findet sich in dieser Szene die Wahrheit unserer Welt und die Wahrheit unseres eigenen Lebens. Der Friede und der Glanz, den gibt es nur mitten in der Gefahr. Die Nähe Gottes die erfahren wir in Leid und in Überforderung, in unserem Versagen, in Armut (seelischer und materieller Armut). Den Frieden Gottes erfahren wir in Angst und Unruhe. Glanz durch Deko erreicht auf Dauer unsere Herzen nicht. Wenn wir den Glanz und den Frieden haben wollen ohne das Elend in der Welt, das Elend in unseren Familien und das Elend in uns selbst wahrnehmen, werden wir damit glorreich scheitern und höchstens in einer Depression landen.

Rahel: Vorsicht. Heute ist Weihnachten. Wir haben uns auf das Fest vorbereitet. Wir freuen uns auf Zuhause auf den Kerzenschein auf das gemeinsame Essen in der Familie auf die Geschenke. Lass uns doch heute mal all das negative ausblenden.

Elke: Nein, das negative ausblenden schafft es nicht aus der Welt. Es liegt uns weiterhin auf den Schultern, und rumort in unserem Hinterkopf. Gott ist nicht auf die Welt gekommen, damit wir das negative mal ein paar Tage ausblenden. Das negative gehört zu unserer Welt und wir können mit Gottes Hilfe damit klar kommen – mit dem Elend in der Welt, mit dem Elend in unseren Familien und mit dem Elend in uns selbst. Gott will uns wirklichen Glanz und wirklichen Frieden bringen. Der Glanz bricht durch die Gefahr, der Frieden strömt in unsere Welt und in uns hinein wie ein gewaltiger Fluß. Es wird alles gut – trotz unseren begrenzten Möglichkeiten, trotz unserer begrenzten Kraft, trotz dem was wir versäumen, trotz dem was wir falsch machen, trotz dem, was wir alles nicht tun, obwohl wir es vielleicht könnten.

Rebekka: Die Welt hat sich grundlegend geändert seit der Geburt Jesu vor mehr als 2000 Jahren. Und es gibt etwas, was uns durch die Gefahren und die Schrecken auch unserer Zeit hindurch tragen wird. Es gibt trotz unserer gefährlichen Welt Glanz und Frieden und eine Hoffnung. Und wir müssen weder ans uns selbst noch an unseren Familien noch an der Welt insgesamt verzweifeln. Wir können die Welt und unsere Familien und uns selbst mit den freundlichen Augen Gottes ansehen und auch das gute darin entdecken.

Elke: Ja, das ist die Weihnachtsbotschaft. Gott ist Mensch geworden. Die Kraft und die Macht Gottes ist in diesem kleinen Baby auf die Erde gekommen. Und sie ist in dieser Welt geblieben. Unsichtbar und unscheinbar wirkt sie in den Herzen der Menschen. Sie bewirkt Hoffnung, und sie bewirkt Umkehr, und Frieden und lässt den göttlichen Glanz strahlen.

Rahel: Gut, wir blenden nicht das Negative aus. Aber wir hoffen, dass es verwandelt wird und überlassen es Gott, damit er uns zeigt wie die Verwandlung geschehen wird. Und wir blenden das Gute ein, dass es in unserer Welt und in unserer Familie und in uns selbst gibt.

Rebekka: Genau sehen wir uns mal um, wer da alles heute Abend da ist und mit wem wir feiern dürfen. Es ist schön zusammen Weihnachten zu feiern. Ich will das Fest gerne genießen. Ich will den Glanz des Baumes und der Geschenke unter dem Baum sehen.

Elke: Ich möchte in diesem Glanz den Glanz Gottes sehen, der alles zum Guten verwandeln kann. In diesem kleinen Kind in der Krippe liegt die große Macht. Und ich sehe das Kind an und weiß es gibt Zukunft und es gibt Hoffnung. Und die finde ich hier in Jesus Christus.

Rahel: Wo ist hier Jesus Christus?

Rebekka: Jesus Christus ist in uns und in den anderen und auf geheimnisvolle Weise im ganzen Universum.

Rahel: Aber wie zeigt er sich?

Rebekka: Zum Beispiel in der Liebe zwischen uns Menschen und natürlich in vielem anderen auch.

Elke: Dazu noch eine kleine Geschichte aus dem Kalender der andere Advent kurz zusammen gefaßt:
Ein Mädchen erzählt von dem Höhepunkt ihrer Woche wenn sie beim Großvater zum Essen war. Nach dem Essen hat er ihr die Hände auf den Kopf gelegt und sich bei Gott bedankt, dass es sie gibt und dass er durch sie Großvater werden durfte und dann hat er Dinge aus ihrer Woche vor Gott gebracht, wenn sie etwas falsch gemacht hat, hat er ihre Ehrlichkeit gelobt, es zugegeben zu haben. Wenn ihr etwas mißlungen war, hat er wähnt wie sehr sie sich bemüht hat und wenn sie kurze Zeit ohne Nachttischlampe geschlafen hat, hat er ihre Tapferkeit gerühmt. Das hat sie gestärkt. Ihr Vater hat, wenn sie in einer Arbeit 98 von 100 Punkten hatte nach den zwei Punkten die fehlten gefragt. Der Großvater hat als Ausgleich dazu das Gute in ihr gesehen. Als dann der Großvater gestorben ist, hat sie gemerkt, dass einmal gesegnet zu sein weiterwirkt und es heißt für immer gesegnet zu sein.

Rahel: Gott segne Sie mit dem Segen der für immer reicht!

Rebekka: Gott sei mit Ihnen an diesem Abend, in dieser Nacht und alle Tage ihres Leben.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.

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