Der Auftrag lautet: Seid Vorbild

Liebe Gemeinde,
hören sie den Predigttext aus dem 1. Petrusbrief 5, 1-4.
Wort des lebendigen GOTTES! Amen.

Liebe Gemeinde!
„Versorgt die Gemeinde gut, die Euch Gott anvertraut hat.“ Hier ist keinesfalls nur der Pfarrer gemeint, sondern alle, die in der Gemeinde mitarbeiten. Und das sind mehr Menschen, als wir meinen. Lassen sie uns Teile des Predigtextes in diesem Sinne betrachten!

Fangen wir mit Eltern und Paten an. Gott hat Ihnen ein oder mehrere Kinder anvertraut. Sie sind verantwortlich für die christliche Erziehung dieser kleinen Wesen. Mögen sie das Samenkorn des Wissens in sie einpflanzen. Des Wissens, das es Gott gibt und er uns in seinem Sohn, Jesus Christus, begegnen möchte.

Sehen wir weiter auf die Konfirmanden. Sie sind schon ein aktiver Teil der Gemeinde, wirken tatkräftig und auch musikalisch im Gottesdienst mit. Bei Ihnen ist das Verständnis für Nähe, Zuwendung und Hilfsbereitschaft, durch das Vorleben der Erwachsenen, schon gewachsen. Auch eine Mitarbeit, in den Aufgaben der Gemeinde, ist ihnen möglich und gewünscht.

Den Kirchenältesten und dem Pfarrer obliegt die Leitung der Kirchengemeinde. Hierfür wird ihnen eine besondere Motivation mit auf den Weg gegeben: „Unterlasst es, Euch zu bereichern, sondern arbeitet gern, auch ohne Gegenleistung.“ In der Gemeinde ist Erfolg zu vernachlässigen, es geht erstens um Jesus Christus und zweitens darum, dass Menschen durch ihn zu Gott kommen und im Glauben Halt finden.

Um diese Ziele zu erreichen, brauchen wir Mitarbeiter und Ehrenamtler. Sie sind unverzichtbar für all die Aufgaben und Arbeiten in der Gemeinde. Ich sage allen Engagierten herzlich Dank für ihr Tun. Speziell denjenigen, die ohne ansehen der Aufgabe zupacken wo es nötig ist. Ohne Ihre Einsätze wären viele Tätigkeiten unmöglich. Und ich möchte den Unentschlossenen Mut machen: „Jeder hat Gaben und Fähigkeiten, mit denen er in unserer Gemeinde mitwirken kann.“

Dann gibt es noch die vielen Gemeindeglieder und Gottesdienstbesucher. Auch sie brauchen wir in unserer Gemeinde. Alle Gottesdienstbesucher können und sollen mithelfen, indem sie zögerliche Menschen in unsere Gottesdienste einladen und mitbringen. Und hier, die Augen offenhalten wo sie gebraucht werden. Die Gemeindeglieder können mithelfen vielen Menschen unser vorteilhaftes Wissen nahe zu bringen, indem sie die Gemeindearbeit mit ihrem persönlichen Gebet unterstützen.

Nach dem Aufruf zum Einsatz für die Gemeinde, wird gesagt, wie wir uns einbringen sollen: „Hütet die Herde Gottes als gute Hirten aus freien Stücken und verwerft das Pflichtgefühl.“, das erwartet Gott.

So unterschiedliche Aufgaben es in der Gemeinde gibt, so unterschiedliche Gruppen gibt es. Und diese Aufgaben sollen frei sein von Pflichtgefühl, sondern aus freien Willen und Begeisterung getan werden.

Der Pfarrer ist der Wichtigste und trägt die Hauptverantwortung, allerdings auch viele Andere tragen Verantwortung mit, und somit zum Gelingen eines Gottesdienstes bei. Der Küsterdienst, die Organisten, die Lektoren und die Ältesten. Lassen Sie uns jeden Gottesdienst mit frohen Herzen feiern und immer wieder liebevoll gestalten.

Mitarbeiter und Ehrenamtliche leiten regelmäßig die verschiedenen Kreise. Dies ist in der heutigen Zeit besonders beachtenswert, da eine längerfristige Bindung eine große Herausforderung darstellt. Hier seien beispielhaft der Kreativkeller im Pfarrhaus, der Gospelchor und die neu gegründete Jugendband genannt. Auch mehrere zeitlich begrenzte Projekte, wie Theaterstücke und Krippenspiel, werden angeboten. Wichtig ist, dass wir unsere engagierten „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ bei diesen wichtigen Aufgaben immer wieder ermutigen und mit persönlicher Danksagung positiven Rücklauf geben.

Unsere vier Kirchen, das Gemeindehaus und die Gelände müssen in Ordnung halten werden. Abgesehen von den angestellten MAE-Kräften, können wir jede helfende Hand gebrauchen, die in Gemeinschaft die nötigen Arbeiten durchführt. Es gibt unangenehme Aufgaben, wie putzen und reinigen; schweißtreibende, wie Garten- und Bautätigkeiten und auch schöne, wie die hungrigen und abgearbeiteten Helfer mit Essen zu verwöhnen und zu stärken. Zu all diesem Tun möchte Gott uns die Kraft und Freude schenken.

All diese Aufgaben sind gleich wichtig, aber unterschiedlich beliebt. Dazu eine kleine Begebenheit:
Der berühmte Komponist und Orchesterdirigent Leonard Bernstein wurde interviewt. Die letzte Frage in diesem Interview lautete: "Welches Instrument wird im Symphonieorchester am wenigsten gern gespielt?" Verschmitzt lächelte der Meister und antwortete, ohne zu zögern: "Die zweite Geige. Jeder möchte furchtbar gern die erste Geige spielen, und es gibt nur wenige, welche die gleiche Begeisterung und das gleiche Interesse für die zweite Geige aufbringen. Alle streben nur nach der Stellung des ersten Geigers, und nur wenige verstehen, wie wichtig der zweite Geiger ist. Die berühmtesten Orchester der Welt sind die, welche die besten zweiten Geiger haben. Denn alle Orchester haben ausgezeichnete erste Geiger. Doch, ohne die zweite Geige gibt es keine Harmonie."

Diese Geschichte gilt für Familien, wie auch für Gemeindeälteste. Harmonie in der Familie kann nur dort entstehen, wenn jeder den Platz ernst nimmt, den er auszufüllen hat. Zeigt Euren Kindern wie gelebte Gemeinschaft aussieht und lehrt sie die notwendigen Aufgaben zu sehen. Und für die Ältesten, wenn man an verantwortliche Stelle steht, birgt das auch Gefahren. Es heißt im Text: " Unterlasst es Euch als die Herren eurer Gemeinde aufzuspielen, sondern seid ihre Vorbilder."

In der Erziehung von Kindern gibt es eine grundsätzliche Aussage: "Ich kann meinen Kindern sagen was ich will, sie machen mir alles nach." Das deutlichste Erziehungsmodell ist: „Sei Vorbild!“ Der erste Augenschein kann trügerisch sein, vor allem ist wichtig, was dahinter steckt.

Zu Augenschein und zur Wirklichkeit passt besonders gut folgendes Beispiel: Zwei muntere Knaben, die Söhne eines Landmannes, gingen an einem Kornfelde ihres Vaters auf und ab. "Ei, sieh doch", rief der eine, "welcher Unterschied bei diesen Halmen sich zeigt! Sieh nur, wie hässlich diese sich neigen und wie schön und gerade dagegen jene stehen!" "Allerdings!", erwiderte altklug der Andere. "Wenn ich wie unser Vater wäre, alle diese hier, die sich so beugen, risse ich aus und würfe sie weg." "Eine herrliche Wirtschaft, wenn ich dies täte", belehrte sie der Vater, der ihnen unbemerkt zugehört hatte. "Wisst, junge Toren, eben die Ähren, die euch so missfallen, sind die besten. Sie neigen sich, weil sie schwer an Körnern sind. Jene geraden hingegen sind nur leeres Stroh. Überhaupt merkt euch das: „Auch unter den Menschen geht es oft zu wie auf einem Kornfelde. Der leere Kopf trägt sich immer höher als die übrigen.“

So ist es auch mit dem Segen Gottes. Augenschein und Wirklichkeit sind oftmals unterschiedlich. Im 1. Mose ist ein schöner Spruch: "Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein." Trotz Segen haben wir Probleme im Leben. Aber Segen heißt, dass wir mit unseren Problemen eine Anlaufstelle bei Gott haben, die uns hilft mit ihnen fertig zu werden. Darum ist es wichtig, dass Eltern ein Vertrauen zu Gott in ihre Kinder pflanzen, damit sie wissen woher ihnen Hilfe kommt.

Dann werden die Kinder und wir Erwachsenen erkennen, woher die Trophäe kommt, von der es hier heißt: "Nur dann werdet ihr den unvergänglichen, herrlichen Siegeskranz erhalten, wenn Christus kommt, der ja der oberste Hirte seiner Gemeinde ist."

Das Vorbild ist Jesus Christus, ihn sollen wir bei all unserem Handeln vor Augen haben. Christen werden hier in dieser Welt selten auf der Gewinnerseite stehen. Aber sie werden im Himmel den Hauptgewinn haben, den unvergänglichen herrlichen Siegeskranz, das ewige Leben.

(Danke, Anregungen zu Teilen meiner Predigt habe ich erhalten von Pfarrer Ralf Krust in Hardheim.)

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