Text 265

<b>ADVENT – SEHNSUCHT NACH HEIL</b>

Die Tempel und Kirchen und heiligen Dome
sind groß, viel zu groß für das Volk.
Gott bleibt allein in den Mauern
längst niedergeschwiegener Sehnsucht.
Schale Gerüche egoistischer Bitten
hängen als Echo im zerfressenen Holz.

Ungehört verhallen göttliche Worte
der Liebe, der Nähe, des Segens von ihm.
Sichere, satte, verschlossene Herzen
grenzen Gott aus. Sie brauchen ihn nicht!
Wann beruft er die Frau,
die einmal noch Ja sagt, sich öffnet für ihn?

Den Menschen haftet Verschlossenes an,
etwas das eigen ist jenen, die leiden.
Sie wissen, dass sie verletzlich sind.
Sie spüren die Macht ihrer Herzen
und können die Macht nicht benennen
im Kerker der Gier und Zufriedenheit.

Sie haben verlernt, die Spuren zu lesen
in der Nacht ohne Namen, der Sehnsucht nach Heil.
Doch heute beginnt die Zeit für das Volk,
das Ich mit dem Wir auszuwechseln,
die Mutter zu rufen, die Gott nicht verschmäht
und aufmacht die ewigen Tore für ihn.

Marianne Sedivy

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