Fuerbitten 258

In die Welt bist du gekommen,
nicht als König unter Königen,
nicht als Herrscher unter Herrschern,
sondern als Mensch unter Menschen.
Hast dich sehen lassen
im Antlitz des Bruders,
der Schwester.
Hast dein Wort sagen lassen
in diese Welt.
Hast dich ausgeliefert
an Macht und Ohnmacht
und gibst dem Menschen
so aufs Neue seine Würde.
Bist auch zu uns gekommen,
in unserer Tage Last und Lust –
das lass uns nicht vergessen,
sondern weitersagen.

In die Welt kommst du
und bist nicht zum Schweigen zu bringen,
stellst dich ein als Gedanke am Tage,
als Trost in der Nacht,
als Wahrheit in der Lüge
als Antwort im Zweifel,
als Frage in aller Selbstgewissheit.
Bist nicht müde,
deine Spuren auszulegen in deiner Welt.
In deiner Torheit gibst du dich
in Menschenmund und Menschenherzen.
Halte uns wach,
nach dir zu suchen,
nach dir zu fragen,
dich zu finden,
dass wir uns daran freuen
und davon leben.

In die Welt willst du kommen
und wir wissen nicht wie.
Vielleicht als Richter über allem Unsinn,
als Retter in Not,
als der,
der lebendig macht,
was dem Leben gestorben ist.
In die Welt willst du kommen,
wir wissen nicht wie,
aber trauen darauf,
dass du ein und derselbe bleibst,
menschenfreundlich wie seit uralten Zeiten.
Darum hoffen
und glauben wir:
die Herren dieser Welt kommen und gehen –
unser Herr aber kommt.
Es werde stille vor dem Herrn alle Welt …

Vater unser …

Uwe Keller-Denecke

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