Star Wars vs. Christentum Konfirmation 2010

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Liebe Eltern, liebe Taufpaten, liebe Familien, liebe Festgemeinde! Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Soeben habe ich mich geoutet: Ich bin ein großer Star-Wars-Fan. Die mittlerweile sechs Teile der Geschichte um Jedi-Krieger und dunkle Lords, die Erzählungen um Darth Vader und Luke Skywalker, Han Solo und Obi-Wan Kenobi hatten mich schon als Kind in ihren Bann gezogen.

Als der erste Film schließlich in die Kinos kam war ich gerade mal ein Jahr alt – das war 1977. Meinen ersten Star-Wars-Film habe ich schließlich mit knapp sieben Jahren gesehen. Das war 1983 und ich war hin und weg und fortan infiziert von dieser Saga und der erzählten Geschichte.

Die ganze Story hatte mich so in den Bann gezogen, dass ich alsbald damit begann, die Namen der Planeten, der Charaktere und der verschiedenen Gruppen auswendig zu lernen. Da waren Luke Skywalker, der auf dem Planeten Tatooine aufwuchs und erst spät mit dem Orden der Jedi-Ritter zusammentrifft, Han Solo, ein Schmuggler, der für Geld so ziemlich alles und jeden mit seinem Millenium Falken, einem ziemlich schäbigen, aber extrem schnellen Raumschiff, überall hinflog.

Dann gab es Obi-Wan Kenobi, ein guter Jedi, der für den jungen Skywalker so etwas wie ein Mentor war und natürlich Darth Vader, der bekannteste Asthmatiker in allen, mit dem Todesstern erreichbaren, Sonnensystemen.

Diese Namen und Figuren und Plätze, die ich gerade erwähnt habe, stellen nur einen Teil des ganzen Epos dar, aber meine Freunde und ich wir konnten fast alle auswendig aufsagen. Wir waren ganz eingetaucht in diese für uns so fremde aber doch faszinierende Welt mit all diesen unbekannten Begriffen und vielfältigen Möglichkeiten.

Wer von alledem natürlich keine Ahnung hat und sich dafür nicht interessiert, für den oder die ist das ganze sicherlich überaus langweilig.
Als ich neulich im Internet auf einen neuen Trailer für ein weiteres Star-Wars-Projekt gestoßen bin, war das für mich schier der Hammer und absolut unglaublich. Für meine Frau war es einfach nur ein Comic-Filmchen von 5 Minuten und 32 Sekunden Länge.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
wer von dem was da kommt und was da passiert keine Ahnung hat, für den ist eine solche Sache eben nur langweilig und trägt überhaupt nichts aus für das eigene Leben.

In dem letzten Jahr habe ich versucht, euch in eine Welt einzuführen, die vielen von euch zwar nicht ganz unbekannt war, aber im Großen und Ganzen war nicht allen so klar, was in diesem Gebäude eigentlich passiert, wie man da mitmacht, was man da mitmacht.

In dem letzten Jahr habt ihr ebenfalls ein ganzes Universum voll mit neuen Dingen kennen gelernt und euch mit Fragen beschäftigt, die ihr euch so wahrscheinlich bisher noch nicht gestellt hattet. Mal abgesehen von den Fragen, ob man im Krippenspiel am Heiligen Abend „I’m a Barbie Girl in Barbie World“ in der Kirche spielen darf oder ob es erlaubt ist im Unterrichtsraum mit einem Fußball zu spielen, haben wir auch darüber gesprochen, wie man ein Christenmensch wird und was es überhaupt heißt, ein Christenmensch zu sein.

Ein Christenmensch wird man ja zunächst einmal durch die Taufe, durch die Gott euch aufnimmt in seinen Bund, den er mit den Menschen geschlossen hat. Ihr wisst, dass dieser Bund ewig besteht, und ewig bedeutet an dieser Stelle nicht die Zeit zwischen dem letzten und dem neuen Superstar den RTL für euch sucht, sondern wirklich ewig. Der Bund, der mit der Taufe geschlossen wurde hat Bestand.

Aber was ist dann ein Christenmensch eigentlich?
Oftmals haben wir die Antwort dann in diesen zwei Sätzen zusammengefasst:
„Ein Christ ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan“ und
„Ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller und jedermann untertan.“
Deutlich und möglich wird diese Aussage Martin Luthers erst in dem Geschehen in Jesus Christus. Gott wird Mensch und ist fortan bei uns.

Wir haben auch über die Auswirkungen dieser Lutherschen Formel gesprochen und dabei auch immer wieder festgestellt, dass Gott uns mit diesem Geschenk auch deutlich in die Pflicht nimmt.

Ihr habt, wir haben, eine christliche Gemeinde hat eine Aufgabe: Zum einen seid ihr dienstbare Knechte und Mägde. Das, was hier bei Luther so altmodisch daherkommt, hat natürlich auch ganz alte Wurzeln – ist aber aktueller denn je.

Ihr seid aufgefordert zum Dienst und mit dem heutigen Tag, wird euch das noch einmal ganz deutlich gesagt: Ihr sollt mitarbeiten in der Kirche Jesu Christi und euch einbringen und mithelfen, das Gesicht der Welt zu verändern.
„Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, ein Satz von Dietrich Bonhoeffer und noch so ein Lieblingssatz von mir. Ihr, meine lieben Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihr seid jetzt Teil dieser Kirche. Kirche ist ab heute für euch nicht mehr ein Sammelbegriff hinter dem man sich bequem verstecken kann. Kirche, das seid ab heute auch ihr.

Ihr sollt Gott und den Menschen dienen und euch darüber klar sein, dass ihr die Freiheit habt, selbst darüber zu entscheiden.
Andererseits seid ihr aber auch „niemandes Knecht“ und „Herr über alle Dinge“.
Das bedeutet dann wohl, dass ihr diese evangelische Freiheit nutzt und den Mund aufmacht, wenn Unrecht geschieht.
Außerdem habt ihr den zentralen Satz „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten!“ des öfteren von mir gehört und seid in diesem und durch dieses Spannungsfeld bestens gerüstet, euch als Christenmenschen in diese Gesellschaft einzubringen.

In einem Jahr lernt man sicherlich eine Menge: Man lernt etwas über innere Zusammenhänge und den Ablauf, aber ein Jahr ist natürlich begrenzt. In knapp 365 Tagen kann man nicht alles erfassen oder kennen lernen, was eine Gemeinschaft ausmacht. Sicherlich kann man sich ein gutes Bild davon machen, aber es braucht einfach zeit, um das große Bild mit kleineren Stiften ausmalen zu können.

Seit 1983 bin ich jetzt Star-Wars-Fan und hänge damit länger an George Lucas und seinen Ideen, als ich meine Frau kenne und flippe immer noch aus, wenn ich einen neuen Trailer irgendeines Star-Wars-Projektes im Internet finde.

Diese Begeisterungsfähigkeit wünsche ich euch auch in Bezug auf die Kirche und ihre vielfältigen Aufgaben. Ihr müsst ja nicht alle gleich EKD-Ratsvorsitzende oder Bischof von Kurhessen-Waldeck werden. Ihr könnt ja auch ersteinmal Kirchenvorsteher werden oder in einer der zahlreichen Gruppen innerhalb der Gemeinde mitarbeiten.

Sicher, wir haben keine coolen Laserschwerter zu bieten und in unseren Gottesdiensten kommen auch keine Weltraumschlachten in HD vor. Aber dafür reden wir hier Sonntag für Sonntag vom echten Leben und hören auf das eine Wort Gottes, dass uns im, durch und über das Leben hinaus Hilfe, Hoffnung und Kraft gibt und uns fit macht für das echte Leben. Jedi-Ritter gibt es nur im Film. Echte Christenmenschen gibt es seit heute wieder 34 mehr im echten Leben.
Möge Gott euch auf euerem weiteren Weg in und außerhalb der Kirche begleiten, euch beschützen und euch stärken. AMEN!

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