Machtwechsel

<i>[Teile der Predigt sind entnommen aus: <a href="http://www.e-pistel.de" target="_blank">e-pistel – die aktuelle Predigtmeditation</a></i>

Liebe Gemeinde!

Zu Beginn des Gottesdienstes haben wir den alten Osterhymnus angestimmt: „Christ ist erstanden“. Und wir glauben oder möchten es glauben können: „Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.“

Aber noch ist es, wie es immer war: Der Tod ist überall, und nichts gibt es, was uns so gewiss wäre wie er. Auch wenn das Leben nicht stirbt. Wir werden sterben. Wir sind nicht geschützt davor, zu Tode betrübt zu werden. Wir sehen die Macht des Todes ungebrochen: als Lust an der Vernichtung von Menschen, als alles zerstörende Kraft, als drohende Vergeblichkeit, als Sinn auslöschende Gewalt.

Also sollten wir aufhören zu bekennen: „Christ ist erstanden von der Marter alle“?

Zumal auch die Umfragen zeigen: Nur 30% der Deutschen glauben an die Auferstehung Jesu. Nochmals nachgefragt, sollten wir aufhören zu bekennen: „Christ ist erstanden von der Marter alle“ ?

Der Apostel Paulus antwortet darauf mit einem klaren Nein: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“ Und fährt dann mit einem „nun aber“ fort.

[TEXT]

Paulus geht es um einen Machtwechsel. Allerdings um einen endgültigen. Er spricht über das Ende – nein, nicht der Welt, sondern über das Ende der vielen Herrschaften. Gottes Allmacht kommt zum Zuge – und die Geschichte Jesu Christi endlich zum Ziel. Gott hat das Zepter in der Hand – und niemand und nichts wird es ihm streitig machen.

Daher ist die Auferweckung Jesu zuerst einmal Gottes großes JA zu Jesu Leben, Predigen, Heilen, Leiden und Sterben. Insofern sind das irdische Leben, Leiden und Sterben Jesu einerseits und das Leben des Auferstandenen seit Ostern andererseits zwei Seiten ein und derselben göttlichen Medaille.

Was nützt uns die Auferstehung Christi? Darauf antwortet der Heidelberger Katechismus: Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, damit er uns die Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, könnte teilhaftig machen.

Zum anderen ist die Auferweckung Jesu als Erstling von den Toten der Hinweis, dass Gott ein Gott der Lebenden und nicht der Toten ist! Gewiss der Tod ist der ärgste Feind des Lebens – unseres Lebens. Aber – so Paulus – auch dieser Gegner wird irgendwann einmal das Handtuch werfen müssen. Und das will er beizeiten ein für allemal klarstellen. Wie er sich das denkt, das hat er uns in Jesus ja schon mitgeteilt: gestorben, begraben – aber dann auch auferstanden. Das heißt, es mag zwar den Tod noch geben – aber er hat nicht das letzte Wort. Das liegt – wie das erste – bei Gott. Und es lautet: Es werde …!

Eindrücklich hat das Kurt Marti beschrieben:

das könnte manchen herren so passen

wenn mit dem tode alles beglichen

die herrschaft der herren die knechtschaft der knechte

bestätigt wäre für immer

das könnte den herren so passen

wenn sie in ewigkeit herren blieben im teuren privatgrab

und die knechte knechte in billigen reihengräbern

aber es kommt eine auferstehung

die anders ganz anders wird als wir dachten

es kommt eine auferstehung

die ist der aufstand gottes gegen die herren

und gegen den herrn aller herren: den tod

Mag diese Hoffnung auf Gottes Macht noch jenseits unseres Erfahrungshorizontes liegen, irgendwann wird sie Wirklichkeit und sichtbar sein. Gott selbst wird sich unseres Lebens annehmen, so wie sich Jesus um Maria und seine Jünger gekümmert hat, nachdem er auferstanden war und damit deutlich machte: Es gibt keine Macht, die uns an Gott noch zweifeln lässt. Es gibt nichts, das uns von ihm abhalten könnte. Es gibt niemanden, der an seine Stelle treten wird. Der Machtwechsel ist endgültig vollzogen: von diesem Tag an regiert nur noch ein Element: die Liebe.

Was nützt uns die Auferstehung Christi? Darauf antwortet der Heidelberger Katechismus: Zum anderen werden wir jetzt durch seine Kraft erweckt zu neuem Leben. Mit Paulus gesprochen: „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden …“

In der Gemeinde zu Korinth gab es so genannte Schwärmer. Sie sagten. Wir sind getauft, und so sind wir mit Christus gestorben – gestorben nämlich für diese Welt. Wir sind mit ihm auferstanden – auferstanden in himmlische Freiheit. Und daraus inszenierten sie ihre Unabhängigkeit von den irdischen Verhältnissen, lebten als himmlische Wesen, die zu geschlechtlosen Engeln geworden waren, übten sich ein in die Kunst religiöser Virtuosität, des Zungenredens und der prophetischen Weissagung. Sie kümmerten sich nicht um die Realität. Sie blendeten sie schlichtweg aus.

Davon sind wir heute weit entfernt. Das ist nicht unsere Sicht- und Lebensweise. Wir sind eher gleichgültig oder resigniert: „Es ist doch alles umsonst!“ und folgern daher: „lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!“

Aber die Auferweckung Jesu will uns im übertragenen Sinne zu neuem Leben hier und jetzt erwecken.

Christoph Blumhardt, Pietist und religiöser Sozialist, Leiter des Kurhauses Bad Boll, erinnert seine Gemeinde daran:

„Wer bloß annimmt, dass Christus gestorben und auferstanden ist, der ist noch kein Christ, sondern eben ein Mensch, der gewisse Ansichten hat. Christ aber, Kämpfer und Streiter, ist der, der aus der Auferstehung Christi heraus liest, dass jetzt die ganze Welt Gott untergetan gemacht wird, und das ein Christ mithelfen soll dazu. Wir sollen als Gemeinde Christi in beständigem Kampf leben auf die große Regierungszeit des Königs Jesu Christus hin – das macht uns zu Christen.“ ( Chrsitoph Blumhardt, Jesus ist Sieger, Bd. I,S.71)

Manchmal können wir sie schon jetzt spüren, diese Liebe. Vor allem dann, wenn wir uns von dieser Hoffnung schon jetzt leiten lassen. Und Jesus wollte, dass wir dies, so oft wie es nur geht, tun. Und je öfter uns das gelingt, desto spürbarer wird das, was uns Paulus verspricht, schon jetzt. Wo dieses Leitbild fehlt, wo wir uns von unserem Allzualltäglichen und Allzuallmenschlichen vereinnahmen lassen, da werden wir auch von Gottes Zukunft wenig merken.

Doch da hält Jesus mit seinem Leben und seiner Botschaft gegen – und fordert uns damit auf, ihm nachzueifern. Wenn wir heute an unserem Nächsten so handeln, als ginge es um Jesus selbst, wenn wir Hungrigen zu essen geben, wenn wir Durstigen das Wasser reichen, wenn wir Fremden ein Dach über dem Kopf bieten und wenn wir Nackte bekleiden und Kranke besuchen und Gefangene nicht alleine lassen, wenn wir also das Notdürftigste für unsere Nächsten tun, dann erleben wir, dass Gottes Reich Besitz von uns ergreift und schon jetzt wahr wird, dann erleben wir diesen Machtwechsel, der noch bevorsteht, schon heute. Allerdings: Wo dies alles fehlt, verlieren wir unsere Zukunft und es geht dort heute schon zu wie in der Hölle …

Denn das ist die gute Botschaft des Osterfestes, liebe Gemeinde: Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt, sondern der Tod. Nicht die Durchhalteparolen machen uns stark, sondern der Glaube. Nicht „alles wird gut", sondern am Ende wird Gott sein. Alles in allem.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden – dieser Ruf der ersten Christen möge auch in unseren Herzen brennen, damit wir fröhlich mit Herzen Mund und Händen bekennen können: „Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“

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