Hoffen

E: Heute morgen in der dunklen Kirche haben wir es erlebt. Das Licht scheint in die Finsternis. Wir haben das Licht weitergegeben mit den Worten: Christus ist auferstanden, und haben geantwortet: Er ist wahrhaftig auferstanden.

A: Aber was heißt das? Was meinen wir, wenn wir sagen: Christus ist auferstanden?

E: Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Auch das neue Testament spricht nur sehr vorsichtig und in Bildern von der Auferstehung Jesu. Es wird erzählt, dass er seinen Anhängern erschienen ist und mit ihnen geredet und gegessen hat.

A: Aber es wird auch erzählt, dass er dann plötzlich wieder weg war.

E: Na ja, Thomas einer seiner Freunde hat ihn angefasst.

A: Ja, aber zu Maria Magdalena sagt er: Berühre mich nicht.

E: Meinst du, es war so eine Art Geist, den seine Freunde gesehen haben oder eine Massenhysterie, weil sie sich so sehr gewünscht haben, dass nicht alles aus ist.

A: Dagegen spricht, dass er auch einem seiner Feinde erschienen ist. Paulus wollte ihn mit Sicherheit nicht sehen. Da kann der Wunsch nicht die Ursache für die Erscheinung gewesen sein.

E: Dafür spricht auch die Geschichte mit dem leeren Grab und dass ausgerechnet Frauen das leere Grab gefunden haben. Das muss wirklich so gewesen sein, denn so etwas hätte damals niemand erfunden. Frauen galten als unzuverlässige Zeugen. Wenn man so eine Geschichte erfunden hätte, dann hätte man erzählt, dass Männer das leere Grab gefunden haben.

A: Aber was sagt schon ein leeres Grab. Da kann sonst was passiert sein. Der hohe Rat hat ja schon damals verbreiten lassen, dass seine Anhänger die Leiche geklaut hätten, um dann zu behaupten, er sei auferstanden.

E: Tja, wie war das nun mit der Auferstehung. Vielleicht kann uns ja unser Predigttext heute weiterhelfen.

A: Ich lese 1. Kor 15,19-28:

[TEXT]

E: Spannend – für Paulus ist die Auferstehung ein Anfang. Mit der Auferstehung Jesu hat die Zukunft Gottes angefangen.

A: Paulus interessiert sich offensichtlich nicht für die Frage, was da genau wie geschehen ist. Paulus interessiert sich für Folgen von dem was am Ostermorgen passiert ist.

E: Und Folgen sind?

A: Alle werden leben, und am Ende wird Gott alles in allem sein. Die Weltgeschichte geht gut aus. Und unsere persönliche Geschichte auch. Der Tod wird besiegt. Ewiges Leben für alle. Das perfekte Happy End.

E: Hast du da nicht noch eine Kleinigkeit übersehen?

A: Nein, was sollte ich da übersehen haben.

E: Das erste Wort: „Hoffen“ steht da. Der erste Satz lautet: „(19) Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“ Paulus beschreibt hier seine Hoffnung. Hoffen kann man viel, wenn der Tag lang ist. Was dann wirklich wird, steht auf einem anderen Blatt.

A: Meines Erachtens ist Paulus schon davon überzeugt, dass es so kommen wird. Denn dass Jesu auferstanden ist, daran gibt es für ihn keinen Zweifel. Die Vision, die er auf dem Weg nach Damaskus hatte, war sehr überzeugend. Er hat daraufhin sein Leben völlig umgekrempelt. Für ihn ist es nicht fraglich, dass Jesu da ist und mächtig ist. Um das zu bezweifeln hat er einfach zuviel mit ihm erlebt.

E: Das gilt für Paulus, aber wie ist das mit uns heute?

A: Paulus hat recht. Auch wir brauchen eine Hoffnung über unseren persönlichen Tod hinaus. Dieses Leben mit all seinen Ungerechtigkeiten und seinen Kämpfen, das kann nicht alles gewesen sein. Es muss noch etwas darüber hinaus geben.

E: Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod. Und es gibt ein Leben über dieses Leben hier hinaus. Ich stelle mir den Tod wie eine Tür vor. Am Ende werden wir die Tür öffnen und es geht auf der anderen Seite weiter. Ganz anders als wir uns das heute vorstellen. Wir haben davon jetzt nur eine Ahnung, aber dann werden wir es genau wissen.

A: Und das sagst du jetzt nicht nur, weil du es hoffst und weil du willst, dass es so ist?

E: Klar erhoffe ich mir das und ich will auch, dass es so ist. Aber das ist nicht der einzige Grund.

A: Und was ist der andere Grund?

E: Ich glaube an Jesus Christus. Ich habe ein Leben lang gute Erfahrungen mit dem christlichen Glauben gemacht. Ich vertraue darauf, dass Gottes Liebe zu uns, uns auch über die Grenze des Todes hinaus tragen wird.

A: Das klingt ein bisschen vage, findest du nicht? Und was bedeutet schon Vertrauen. Vertrauen kann enttäuscht werden.

E: Nein, vage ist das nicht. Und Vertrauen ist auch nichts Ungefähres oder Unzuverlässiges. Vertrauen kommt nicht aus dem nichts. Mein Vertrauen zu Gott kommt aus einer lebenslangen Geschichte.

A: Das verstehe ich. Meine Geschichte mit dem christlichen Glauben ist genauso lange wie deine. Aber ja, das verstehe ich. Mit der Zeit sammeln sich einfach eine Menge guter Erfahrungen an: Wie es in einem Kirchenlied heißt: In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet.

E: Ja, da gibt es erhörte Gebete und Rettung in letzter Minute und Hilfe von oben. Licht, das in die Dunkelheit scheint. Jeder kennt das. Aber es ist schwierig davon zu erzählen. Denn jede Geschichte kann ja auch anders und als Zufall gedeutet werden. Das ist alles nicht eindeutig.

A: Ja, das stimmt. Zum Beispiel habe ich ein Weilchen intensiv dafür gebetet, dass jemand bestimmtes wieder gesund wird. Das war ziemlich unwahrscheinlich, denn eigentlich haben die Ärzte gesagt: Vermutlich bleibt der Zustand so wie er ist. Der Zustand dieser Person hat sich erheblich gebessert. Die Ärzte haben gesagt, das ist wie ein Wunder.

E: Aber es war schon medizinisch möglich. Man kann also sagen, das war eine Spontanheilung.

A: Klar kann man das sagen. Aber ich kann genauso gut sagen: Gott hat mein Gebet gehört und die Person geheilt.

E: Du würdest jetzt sagen: Ich habe eine gute Erfahrung mit dem christlichen Glauben gemacht.

A: Und jemand anderes würde sagen: Das war alles nur Zufall.

E: Aber trotzdem gibt es ganz tief in einem selbst so etwas wie ein Wissen, dass es kein Zufall war, sondern dass einem die Güte Gottes in diesem Ereignis begegnet ist.

A: Hier kommen rationale Argumente und Begründungen an ihre Grenze.

E: Ja, an irgendeinem Punkt muss man springen und sagen: Ich glaube. Ich sehe das jetzt so, egal wie man das noch sehen kann.

A: Also ich finde dazu in unserem Predigttext noch etwas ganz Spannendes: Paulus versteht sich als jemand, der mitten in einem Kampf steht.

E: Du meinst die Verse 24-26: Ich lese sie noch einmal: (24) danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er (a) alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. (25) Denn er muß herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1). (26) Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

A: Genau: der lebendige Christus kämpft einen kosmischen Kampf mit den Mächten des Todes. Diesen Kampf hat er im Himmel durch seine Auferstehung schon gewonnen.

E: Wir sind aber noch auf der Erde.

A: Auf der Erde ist der Kampf noch nicht zu Ende. Noch herrschen Mächte und Gewalten, die Gott feindlich gegenüber stehen.

E: Zum Beispiel der Kaiser in Rom. Und was es sonst noch alles an ungerechten und brutalen Herrschern gibt und gab. Klar, und klar ist auch, dass Paulus sich sicher ist, dass Christus den Kampf gegen das Böse und die Ungerechtigkeit auch auf der Erde gewinnen wird. Das ist für ihn nur eine Frage der Zeit.

A: Und dann wird alle Macht und alle Herrschaft zu Ende sein.

E: Keine Gewalt mehr, keine Bosheit, kein Tod. Das ist schon eine sehr große und ausgreifende Hoffnung.

A: Also Paulus weiß, dass er und seine Mitchristinnen und Mitchristen in dem Kampf auf der richtigen Seite kämpfen, und er weiß auch dass es jetzt darauf ankommt durchzuhalten. Und dann werden sie die ersten sein, die mit Christus zusammen den Sieg feiern werden.

E: Das wird einerseits in der Zukunft sein, wenn Gott die Welt erneuert, andererseits aber auch schon hier und jetzt wenn jemand etwas Gutes tut und damit den Raum Gottes in dieser Welt erweitert.

A: Also ich glaube, Paulus hat recht. Wir stehen in einem Kampf. Und das ist auch ein innerer Kampf.

E: Wie meinst du das?

A: Ein Schüler des Paulus sagt an einer anderen Stelle: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist.“

E: Du meinst die Hoffnung auf das ewige Leben entgleitet uns leicht und wir müssen sie auch festhalten wollen?

A: So ähnlich: Glauben und Vertrauen ist eben nichts, dass wir einmal in trockenen Tüchern haben und dann getrost nach Hause tragen können.

E: Wir müssen uns immer wieder darum bemühen, die Verbindung mit Gott zu halten und zu verstärken.

A: Und dazu gehört bei Paulus auch die Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass eines Tages Gott alles in allem sein wird, wie es in unserem Predigttext heißt.

E: Also das finde ich jetzt nicht so schwierig. Im Gegenteil. Dass die Weltgeschichte gut ausgehen wird und zwar für alle Menschen gut ausgehen wird, das will ich gerne glauben.

A: Auch für die Bösen?

E: Ja, klar, wenn wir vor Gott treten werden, dann werden wir alle Veränderung brauchen. Da wird niemand sagen können: Ich habe nie etwas Böses getan. Wir sind alle darauf angewiesen, dass Gott uns festhält und uns unsere Schuld vergibt. Ja, Gott wird alles in allem sein. Und nichts und niemand wird verloren sein. Alle und alles wird in Gott aufgehoben sein, daran will ich gerne glauben.

A: Lasst uns mit dieser Hoffnung in den neuen Frühling gehen. Das Leben ist stärker als der Tod. Gott hat Jesus Christus auferweckt von den Toten und wir werden ihm folgen.

Und der Friede …

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