Beten heißt: Nicht locker lassen!

‚Dein Reich komme’, so beten wir in unseren Gottesdiensten seit zweitausend Jahren und es ist noch nicht gekommen. Wir erbitten Gottes Gerechtigkeit auf Erden für uns – und für die Menschen, und es passiert doch so wenig davon.

Für manche besonders Fromme scheint die Lösung klar: Wo Wünsche nicht in Erfüllung gehen, wird nicht richtig gebetet. ‘Wer nicht erhört wird hat nicht genug gebetet’ – so hat es der Evangelist Reinhard Bonnke gesagt und ist damit vor die Rollstuhlfahrer und die an Krebs und Aids Erkrankten getreten und er fragt vor lauter Gesundbeterei nicht nach den krankmachenden Folgen solcher Predigten und Gebete.

Eine solche einfache Aussage widerspricht aber Vielem, was wir von Gott wissen. Wir wissen auch von Menschen, die inbrünstig beten und denen es trotzdem nicht gut geht.

Das war schon zu Jesu Zeiten so, dass die Menschen eine Ahnung davon hatten, dass Gebetserhörung nicht immer nur etwas mit Intensität des Betens zu tun hatte. Aber was ist es dann?

So fragen auch die Pharisäer Jesus nach dem Sinn des Gebetes:

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Das Ganze ist keine rührselige Geschichte, sondern eher eine groteske Erzählung.

Dieser Richter ist ein ‚unmoralischer Held’. Er weckt sofort unseren Widerwillen. Wir können uns diese seltsame Gestalt gut vorstellen. Eine Witwe bedrängt ihn. Sie sucht Recht, weil es Menschen gibt, die ihr Unrecht tun. Jesus hat öfter das Leid der Menschen am Rande in den Mittelpunkt gestellt. Diese Witwe war eine solche Person. Sie braucht Hilfe, um ihr Recht durchzusetzen. Diese Hilfe wird ihr erst einmal vorenthalten, weil der Richter keine Lust hat. Erst dadurch, dass ihn die Witwe bedrängt wird er wieder zum Richter, zum Hüter des Rechts. Nicht der Respekt vor seinem Amt – die Angst um seine Ruhe lässt ihn zum echten Richter werden.

Eine verfremdete Geschichte: Das Bild eines Richters wird aufgebaut, der versagt, der nur sich selbst und seine Ruhe im Sinn hat. Er soll Recht sprechen im Namen des Herrn, aber er spricht kein Recht, weil es ihm nur um seine Person geht. Erinnerung an die Vorwürfe der Propheten des Alten Testaments: Die Witwe kommt und will ihr Recht. Er will es nicht sprechen – er tut es dann doch – allein aus Angst vor Gewalt, ein bestechlicher Richter also.

An Hand des Richters zeigt Jesus den Menschen, wer Gott ist und was sie von ihm erwarten dürfen.

Die Witwe ist ein Beispiel für die Menschen, die schreien, weil sie den Eindruck haben, Gott ist ganz weit weg, ist solch ein ungeeigneter Richter. Sie dürfen so schreien. Das ist nicht gottlos, sondern gottlos ist es, zu schweigen und Gott einen guten Mann sein zu lassen.

Das Thema lautet nicht: Du musst nur beten oder du musst mehr tun. Sondern: Du darfst das Deine tun und das Andere in Gottes Hand legen. Es geht um Aufrichtung von verzweifelten Menschen: sein Reich bricht jetzt schon an.

Zum Gleichnis sagt Jesus: Da ist ein ungerechter Richter, der so argumentiert und nur aus derlei egozentrischen Gründen Recht schafft, um wie vielmehr sollte Gott nicht auch seinen Auserwählten, die zu ihm rufen, Recht schaffen in Kürze?

Wenn schon ein solch selbstherrlicher Mensch den Bitten einer machtlosen Witwe nachgibt, warum sollte dann Gott die Bitten der von ihm erwählten Menschen um das Kommen des Tages der Rechtschaffung unerhört lassen. ‚Dein Reich komme’ hat eine konkrete Verheißung.

Die kritische Frage bleibt allerdings: Wird der Menschensohn bei seiner Wiederkehr Glauben finden. Oder wird es sein wie in Sodom und Gomorrha, dass alles Handeln nichts nutzt?

Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Dekade des Betens für den Frieden. 10 Tage, so ist eine Tradition, die wir von Christinnen und Christen der DDR übernommen haben, betet die Kirche Jesu Christi um den Frieden. Dahinter steht das klare Glaubensbekenntnis: Solange es BeterInnen gibt, ist die Welt nicht verloren. Solange Menschen für den Frieden beten, bleibt Frieden möglich.

Wir sollten nicht denken, es wäre schon Frieden, nur weil wir schon sei über 60 Jahren ohne Krieg leben und weil die Wiedervereinigung geglückt ist. Soldaten kämpfen in der Welt im Auftrag unterschiedlicher Mächte. Terroristen reisen durch die Welkt mit todbringender Mission.

Beten heißt: Nicht locker lassen. Nicht locker lassen im Vertrauen auf einen Herrn, der will, dass wir mit ihm reden – und das tun, was in unserer Macht steht.

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