Vertrauen auf Gottes Güte

Liebe Gemeinde,

wie jedes Jahr werden wir auch dieses wieder über die Jahreslosung predigen. Die Jahreslosung 2006 lautet: Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Josua 1,5b

Die Israeliten sind aus Ägypten ausgezogen. Mose hat sie durch die Wüste bis an den Rand des verheißenen Landes geführt. Er selbst durfte es nicht mehr betreten. Jetzt steht sein Nachfolger, Josua, vor der Aufgabe, die Israeliten ins Land zu bringen. Das ist eine schwere Aufgabe, wenn man bedenkt, dass dieses Land zwar ein wunderbares fruchtbares Land ist, aber darin auch Riesen wohnen, die das Land nicht einfach den Israeliten überlassen werden. Josua hat also Angst. Und er befürchtet, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen sein wird. In dieser Situation erneuert Gott sein Versprechen, dass er dem Volk das Land geben wird. Er beauftragt Josua jetzt loszuziehen, und er verspricht ihm: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht!“ Und Josua geht und erfüllt seinen Auftrag unter großen Schwierigkeiten und mit genauso großem Vertrauen gegenüber Gott.

Albrecht: Ja, das ist doch schön. Da geht doch alles glatt. Gott ermutigt Josua, der überwindet seine Angst. Er tut, was Gott von ihm will, und Gott ist bei ihm. Da ist gar nicht viel dazu zu sagen. Machen wir es genauso: Vertrauen wir auf Gott, überwinden wir unsere Angst und tun das, wozu wir von Gott beauftragt sind. Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn Gott bei uns ist. Angst blockiert uns nur. Wenn wir immer Angst haben, dann tun wir nicht die Dinge, die wir tun könnten. Dann entfalten wir nicht unsere Fähigkeiten. Wir bleiben dann immer unter unseren Möglichkeiten und sind unglücklich. Ja, wir sollten auf Gott vertrauen und uns nicht fürchten.

Elke: Halt, halt, so einfach ist das aber nicht. Ich möchte hier doch eine Lanze für die Angst brechen. Wenn Du keine Angst hast, dann tust Du Dinge, die zu gefährlich sind und stürzt dich erst recht ins Unglück. Wenn Du keine Angst vor der Höhe hast, dann stürzt du dich womöglich aus dem Fenster im 10 Stock, weil fliegen ja ganz schön ist. Die Angst in uns ist ja nicht einfach eine böse Macht, die uns davon abhalten will, das zu tun, was für uns gut ist. Die Angst ist in unser Denken und Fühlen eingebaut, um uns vor Gefahren zu schützen. Wir haben, Angst, damit wir rechtzeitig flüchten oder uns wehren, wenn etwas zu gefährlich wird. Und es ist nicht gut, sich in tollkühne Abenteuer zu stürzen und sich in Gefahr zu begeben und dann einfach darauf zu vertrauen, dass Gott einen schon beschützen wird. Wir sollten unseren Schutzengel nicht mehr beschäftigen als dringend notwendig ist. Nicht umsonst heißt das Sprichwort: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Albrecht: So einfach, wie du es darstellst ist es aber auch nicht. Das Leben ist halt gefährlich. Und wir können nicht immer allen Gefahren aus dem Weg gehen. Manchmal müssen wir auch Risiken eingehen. Manchmal ist es nötig, nicht auf die Angst zu hören. Sicher sollten wir uns von unserer Angst warnen lassen. Wenn ich vor etwas Angst habe, dann kann es sein, das was ich vorhabe ist zu gefährlich. Aber das heißt nicht, dass ich es dann lassen sollte. Allerdings könnte ich überlegen, wie ich die Gefahren verringern kann. Vielleicht kann ich ein paar Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Mich anseilen oder ein Netz spannen. Aber ich will mich nicht davon abhalten lassen, auch einmal etwas Gefährliches zu tun. Ich kann meine Angst als Warnung nehmen, aber ich darf meine Handlungen nicht von ihr bestimmen lassen.

Elke: Also das ist mir jetzt alles zu allgemein. Lass es uns mal an einem Beispiel durch überlegen.

Albrecht: Gut, nimm an jemand hat eine wichtige Lebensentscheidung zu treffen. Sagen wir mal es geht um die Frage, welchen Beruf eine Person lernen will.

Elke: Gut, also sie überlegt, zu studieren. Am meisten interessiert sie sich für Germanistik und Kulturanthropologie. Am zweitbesten gefällt ihr Elektrotechnik. Bei Germanistik und Kulturanthropologie gibt es nach dem Studium keinen Beruf, den sie damit ausüben kann. Und es gibt nur wenige Stellen, bei denen ihr dieser Studienabschluss hilft. Sie fürchtet sich also davor, nach dem Studium arbeitslos zu sein. Ich finde es in diesem Fall eine wirklich gute Idee auf ihre Angst zu hören, und lieber das zu studieren, was ihr am zweibesten gefällt, wo sie aber nach dem Abschluss sicher eine gute Stelle findet, mit der sie auch eine Familie ernähren kann.

Albrecht: Ja, das sehe ich ein, aber nimm an es ist ganz anders. Sie interessiert sich für Elektrotechnik, und sie traut sich nicht es zu studieren, weil sie befürchtet das Studium nicht zu schaffen. Außerdem gibt es in dem Studiengang nur 3% Frauen. Auch davor hat sie Angst. Es ist aber klar, dass sie technisch begabt ist. In der Schule waren ihre Lieblingsfächer Mathematik und Naturwissenschaften. Ist es da nicht besser, sie überwindet ihre Angst, und probiert es einfach einmal?

Elke: Ok, ok ich sehe ein allgemeine Aussagen sind hier schwierig. Es hängt vom Einzelfall ab, ob es sinnvoll ist der eigenen Angst nachzugeben oder sie zu überwinden. Was passiert aber, wenn diese junge Frau mit dem Bus nach Darmstadt fährt und auf einer Plakatwand groß die Jahreslosung liest: Gott spricht, ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Und sie denkt sich: Super, so ist es. Wie wird das ihre Entscheidung beeinflussen?

Albrecht: Sie wird sich ermutigt fühlen. Sie wird sich denken: Ach komm, wenn Gott bei mir ist, dann kann doch gar nichts schief gehen. Ich fange einfach mal an, und was später wird, werde ich später sehen.

Elke: Und das ist dann einfach leichtsinnig.

Albrecht: Klar, das kann zwar für sie gut sein oder schlecht, je nachdem. Aber ich neige dazu zu denken, dass mutig ins Leben zu gehen normalerweise gut ist, und nicht schadet.

Elke: Und hat sie recht? Kann nichts schief gehen, wenn Gott bei ihr ist? Kann sie dann keine falsche Entscheidung treffen? Wird es ihr dann gelingen, das Studium abzuschließen und einen guten Beruf zu bekommen?

Albrecht: Nein natürlich nicht. Dass Gott sie nicht fallen lässt und sie nicht verlässt heißt nicht, dass sie in ihrem Leben auf keine Schwierigkeiten stoßen wird. Es heißt nicht, dass alles gelingt, und sie niemals scheitern wird.

Elke: Genau, die Zusage Gottes, uns zu begleiten und unser Leben in seiner Hand zu behalten, ist keine Garantie für ein leichtes oder erfolgreiches Leben. Aber was ist sie dann? Hat sie dann überhaupt irgendeine Bedeutung?

Albrecht: Ja, sie hat eine große Bedeutung. Gott verspricht uns, dass wir in den Schwierigkeiten, die es sicher geben wird, nicht allein sein werden.

Elke: Und was nützt uns das?

Albrecht: Das nützt uns ganz viel. Wenn ich weiß, Gott ist da und hilft mir. Dann werde ich nicht aufgeben. Ich werde mich selbst nicht fallen lassen. Ich werde die Hoffnung behalten und nach einem Ausweg suchen. Ich werde Gott, um die Kraft bitten, mit den Schwierigkeiten fertig zu werden. Und ich werde die Kraft bekommen.

Elke: Also ist die Zusage Gottes doch eine Art Garantie? Nicht die Garantie für ein leichtes Leben, aber die Garantie, dass die Schwierigkeiten nicht unüberwindbar sein werden?

Albrecht: Du fragst aber unangenehm nach.

Elke: Ja das tue ich. Denn ich möchte Gott nicht so schnell davon kommen lassen mit all dem Elend, das mir nicht nur im Fernsehen in den Nachrichten, sondern auch hier im reichen Messel begegnet. Und ich kann doch fragen, wo Gott ist, wenn jemand mit schlimmen Schmerzen in der Hüfte leben muss, und es gibt nicht wirklich Hilfe. Und vielleicht will ich Gott auch nicht mit dem Elend in meinem eigenen Leben davon kommen lassen.

Albrecht: Komm Elke, du weißt dass es keine Antwort auf deine Frage gibt. Alle Antworten, die darauf versucht wurden, sind unbefriedigend. Klar machen Menschen, die Erfahrung, dass sie von Gott verlassen sind. Jede Depression ist so eine Erfahrung. Wenn sich jemand vor lauter Angst gar nicht mehr bewegen kann und nichts mehr fühlt, dann ist kein Glaube und keine Hoffnung mehr möglich. Das einzige, was dann zählt, ist dass diese Zeit vorüber gehen wird. Du hast es damals als du in der psychiatrischen Klinik gearbeitet hast, oft genug erzählt bekommen.

Elke: Ja, eben und da stellt sich doch die Frage: Ist Gott vertrauenswürdig. Kann ich ihm das glauben, dass er mich nicht fallen lässt und nicht verlässt?

Albrecht: Ja, du kannst ihm das glauben. Denn die einzig sinnvolle Antwort auf die Frage, wo Gott ist in all dem, was uns schlimmes passieren kann, lautet: Er ist mitten drin. Und glücklich bist du, wenn du ihn auch darin finden kannst.

Elke: Und kannst du es?

Albrecht: Ich glaube du kannst das gerade, oder?

Elke: Na gut, ich gebe zu, momentan kann ich es. Momentan kann ich Gott in dem finden, was in meinem Leben schwierig gewesen ist. Momentan kann ich seine Bewahrung darin sehen, dass ich das Schlimme, was mir zugestoßen ist, gut überlebt habe und dabei wichtige Erfahrungen gemacht habe. Ich kann Gottes Wirken nicht nur in meinem Glück sondern auch in meinem Unglück sehen und mich damit einverstanden erklären. Ich kann, dem was gewesen ist, einen Sinn abgewinnen. Ja.

Albrecht: Und, was willst du, Garantien, dass es immer so bleibt?

Elke: Nein, ich will keine Garantien, mir reicht es, dass ich darum bitten darf, dass es so bleiben möge. Und mir reicht es auch, dass ich darum bitten darf, dass Gott mich nicht verlässt und mich nicht fallen lässt. Ich möchte, dass mein Vertrauen bestehen bleibt. Weißt Du, ich will keine Garantien, ich will verbunden sein mit Gott. Ich möchte Gott nahe sein. Ich will, dass Gott da ist und dass ich in seiner Gegenwart leben darf. Das will ich wirklich. Am Ende werde ich versuchen einen Sinn in dem zu finden, was Gott tut. Ich weiß schon, dass es keine Garantien gibt. Und ich weiß auch, dass nur Vertrauen weiter hilft.

Albrecht: Genau so ist es. Das Leben ist gefährlich. Alles kann schief gehen. Alles kann vergeblich sein. Natürlich können wir an dem verzweifeln, was geschieht, bei uns und anderswo. Es gibt es keine guten Gründe, nicht zu verzweifeln. Aber es gibt eben auch die anderen Erfahrungen: Wir erleben genauso gut, dass plötzlich alles sich zusammenfügt und einen Sinn ergibt. Wir erleben, dass wir mitten in Schwierigkeiten von einem schier unfassbaren Glücksgefühl ergriffen werden. Wir erleben, dass Gott nahe ist, und wir uns sicher und geborgen fühlen dürfen.

Elke: Ja es ist gut. Dann bleibt mir heute nur noch uns allen zu empfehlen im Vertrauen auf Gottes Güte in das neue Jahr zu gehen.

Gott möge uns begleiten.

Albrecht: Gott wird uns nicht verlassen und nicht fallen lassen. Dafür kann ich nicht garantieren, aber ich vertraue fest darauf.

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