Kyrie 611

Der Tod,
dieser letzte Augenblick des Lebens
ist unfassbar und bedrohlich.
Wir verdrängen ihn
bei uns
und bei anderen.
Wir versuchen
ihn oft totzuschweigen.
Wir hadern mit Gott
um verpasste Jahre
so,
als gäbe es einen Rechtsanspruch
auf langes Leben.

Wie wir zu einem Menschen stehen
wird oft erst deutlich,
wenn wir ihn zu Grabe tragen.
Dann beklagen wir Missverständnisse,
die nie beseitigt wurden.
Dann kommen Erinnerungen an Versöhnungen,
die nie stattgefunden haben,
all die unerledigten Gefühle,
das ganze ungelebte Leben.

Es ist schwer zu begreifen,
dass Menschen verstorben sind
und wir auch sterben werden.
Aber zu dir dürfen wir rufen:
Herr, erhöre uns
und erbarme dich unser …

Michael Schäfer

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