Ein jegliches hat seine Zeit

‚Prediger Salomo’, liebe Erwachsene, liebe Jugendliche und Kinder, so heißt eines der vielen Bücher aus unserem Alten Testament. ‚Prediger Salomo’ heißt es – aber wer hinter diesem Namen steckt, das wissen wir gar nicht. Was wir aber feststellen können, wenn wir es lesen, ist dies: Sein Buch ist voll von Weisheitssprüchen, von Mahnungen und von Gedichten. Und weil dieses Buch eines eigentlich unbekannten Predigers bis obenhin voll Weisheit steckt, darum ist es benannt nach dem berühmten König Salomo. Warum? Weil der richtig weise gewesen ist. Sprichwörtlich weise. Von weit her sind die Menschen damals gekommen, um seinen weisen Worten zuzuhören. An diesen berühmten, an diesen weisen König Salomo ‚hängt’ sich das Buch des unbekannten Predigers dran – und heißt darum ‚Prediger Salomo’.

Mit seinen Weisheitssprüchen ist es fast wie ein ganz altes Poesiealbum. Mit den Freundschaftsbüchern, die bei euch herumgehen, kann man es nicht vergleichen. Man kann es darum nicht miteinander vergleichen, weil nicht nur Vorlieben und Lieblingssachen abgefragt wurden. Stattdessen wurden in die Poesiealben damals noch richtige Sprüche eingetragen, wohlmeinende, manchmal sogar poetische Verse, meistens mit Tiefgang. Die Älteren werden sich daran erinnern.

Aus dem Poesiealbum des Predigers Salomo hat Frau Buchholz vorhin gelesen. Einige Verse daraus will ich in meiner Predigt jetzt aufgreifen.

Ein jegliches hat seine Zeit – das ist wie eine Überschrift der Verse. Und da muss ich an folgendes denken: Wer die ‚Kieler Nachrichten’ abonniert hat, der bekam mit der Ausgabe von gestern einen Kalender für das nächste Jahr mitgeliefert. Geschenkt. Wie nett! Auf dem Kalender steht: „Ein frohes Weihnachtsfest und für 2006 Gesundheit, Glück und Freude.“ Unser sechsjähriger Sohn sagte dann dazu: „Erst kommt doch noch Advent!“ – und damit hat er Recht. Und auch der Advent ist noch gar nicht da. Volkstrauertag am 13. November und Ewigkeitssonntag am 20. November kommen doch auch noch erst! Und ich bin richtig froh, dass die Schönberger Geschäftswelt ihre Aktion „Anleuchten“ auch bewusst erst mit dem 21.11. beginnt!

Wussten Sie, dass es an diesem Wochenende schon Adventsmärkte im Schloss Ascheberg und auf Gut Helmsdorf gibt?! Aber das Letzte, was ich will, ist jetzt auch noch Werbung dafür zu machen … Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde – so heißt es bei dem Prediger Salomo.

Dass zuerst Advent und dann Weihnachten kommt, das ist den meisten Kindern schon klar. Mit seinem Veranstaltungskalender aber geht das Ostseebad Schönberg einen ganz eigenen Weg mit der folgenden Reihenfolge: Ende November gibt es den „Weihnachtsmarkt“, am Wochenende darauf dann den „Kinder-Advent“, zum dritten Adventswochenende den „Stiefelmarkt“ und schließlich am 17.12. die „Filmweihnacht“. Noch einmal, mit anderen Worten: Es fängt also mit Weihnachten an, dann kommen zwei Adventswochenenden und dann wieder Weihnachten – Filmweihnachten! Wer also zusätzlich zum 25. Dezember zweimal im Jahr Weihnachten feiern will, der komme nach Schönberg – vielleicht kann man auf diese Weise ja auch Neubürger gewinnen … Als ich im Rathaus darum bat, sich doch mit der Bezeichnung der Märkte am Kirchenjahr zu orientieren, bekam ich die folgende Antwort: „Aus marketingtechnischen Gründen ist es ganz ungünstig, ja sogar verkehrt, bereits eingeführte Begriffe zu verändern!“ Da fällt mir nichts mehr zu ein – höchstens die Worte aus dem Predigttext: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde!

Nun aber weg von Advent und Weihnachten – schließlich ist ja noch nicht die Zeit dafür! In den Versen 4 bis 8 finden wir diese Sätze: weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Dazu fällt wir ein, wie oft die Gefühle Achterbahn fahren können. Besonders aus der Zeit der Pubertät ist mir das noch in Erinnerung – wenn ich heute im weisen Alter von fast 40 Jahren zurückblicke. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – so war mir manchmal zumute. Tage, an denen alles gelang und Abschnitte, in denen ich mir vorkam wie der letzte Dreck. Und keiner hat mich in der Zeit verstanden … Und das war darum so besonders blöd, weil ich doch in Allem Recht hatte …

Alles hat seine Zeit – und darum wünsche ich euch besonders, liebe Jugendliche, dies: dass ihr auf dem Teppich bleibt, auch wenn euch zum Abheben zumute ist. Und dass ihr nicht im Boden versinkt, wenn euch der Himmel auf den Kopf zu fallen droht. Und wenn es doch so ist – dann wünsche ich euch, dass ihr irgendwann später erkennt, dass alle diese Zeiten ihre Berechtigung hatten und wichtig gewesen sind. Und vielleicht gelangt ihr zu dieser Einsicht – ich könnte auch sagen: zu dieser Weisheit – ja schon vor dem 40. Lebensjahr.

Einen Vers will ich mir noch vornehmen, und zwar den elften: 11 Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Ja, damit müssen wir uns wohl abfinden, dass uns Gottes Gedanken verborgen bleiben. Übrigens auch den Pastoren!

Was ich aber im Konfirmandenunterricht will, ist, dass Ihr ein wenig mehr erfahrt und lernt über diesen Gott. Und von Religion im Allgemeinen, von unserer Kirchengemeinde, aus Bibel und Gesangbuch.

Wenn wir sagen: „Diesen Gott verstehen wir sowieso nicht!“, und uns dann einfach zurücklehnen – dann ist mir das zuwenig. „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, dann will ich mich von euch finden lassen!“ spricht Gott an anderer Stelle, im Jeremiabuch. Also, dafür nehmt euch bitte die Zeit im Konfirmandenunterricht: Euch auf die Suche zu begeben, neugierig und wissensdurstig. Dass das nicht immer so einfach ist, wenn man vorher schon acht Stunden Schulunterricht hatte, ist mir klar. Es ist aber trotzdem wichtig.

Und – das will ich auch noch sagen: bei Geburtstagsbesuchen höre ich immer wieder, wie sehr die alten Herrschaften von dem zehren, was sie im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt haben. Wenn einem die Worte fehlen, mit Gott zu reden, dann ist es gut, dann ist es sehr gut, wenigstens das Vaterunser zu können. Oder den 23. Psalm. Und dass es kein Nachteil ist, die Zehn Gebote zu können und das Glaubensbekenntnis – das ist ja wohl klar.

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde – das gilt auch für meine Predigt. Darum höre ich jetzt auf.

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