Von Gott getragen

Liebe Gemeinde!

Ist es Ihnen schon einmal schlecht gegangen? Ich meine so richtig schlecht, so dass Sie dachten, es geht nicht mehr weiter? – Also mir schon! Und bestimmt werden viele von Ihnen sagen, wenn sie in ihrem Leben zurückschauen: Ich kenne das auch, das Gefühl, von der Dunkelheit überrannt zu werden, mich allein und einsam zu fühlen, keinen Ausweg mehr zu sehen. Ich kenne Ihre Erlebnisse nicht, an die Sie jetzt denken, aber im Blick auf mein Leben, muss ich zugeben, so schlecht es mir bisher auch ergangen ist, es hätte immer noch viel schlimmer kommen können. Die Lage war niemals hoffnungslos und das Sprichwort: „Wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Licht daher“, hat sich am Ende doch immer als wahr erwiesen. Wie also kommt Hiob dazu solch hoffnungslose Töne anzuschlagen? Seine Verzweiflung scheint schier bodenlos zu sein! Dieser Mann ist offensichtlich wirklich ganz unten, am Boden zerstört. Für ihn gibt es weit und breit keinen hoffnungsvollen Lichtschein am Horizont. Wissen Sie wie es soweit kam? Kennen Sie seine Geschichte?

Da ist zuerst einmal Gott, der sich über Hiob und sein Leben ohne Sünde freut, aber auch der Teufel, den das ärgert. „Es ist keine Kunst fromm zu sein“, fordert er den Herrn heraus, „wenn man so reich und behütet ist wie Hiob! Ohne sein Glück und seinen Reichtum würde sich das schnell ändern, sodass er seinen Glauben verlöre. Was gilt‘s?“ Man könnte meinen er will mit Gott eine Wette abschließen, und der gibt ihm Hiob tatsächlich in die Hände. Nur ihn selbst darf Satan nicht anzutasten. Das ist die einzige Auflage. Und er macht seinen Job gründlich. Jäh, bricht das Unglück über Hiob herein: Feinde rauben seine Herden und töten die Knechte, Feuer fällt vom Himmel und vernichtet das Vieh, alle seine Kinder kommen ums Leben, als das Haus einstürzt in dem sie zusammen waren. Die Nachrichten die Hiob kurz hintereinander Schlag auf Schlag erhält, sind als Hiobs-Botschaften sprichwörtlich geworden. Nichts ist ihm danach geblieben als das nackte Leben. Und doch bleibt Hiob seinem Gott treu! „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Der Name des Herrn sei gelobt“, so kann er auch noch angesichts dieser Katastrophen ausrufen. Der Teufel hat sein Spiel verloren.

Aufgeben tut der deswegen aber noch nicht: „Leicht ist es dir zu dienen, Gott, wenn man gesund ist. Hiob selbst ist doch unversehrt. Aber einem Menschen ist nichts wichtiger als das eigene Leben. Nimm ihm die Unversehrt seines Leibes, seine Gesundheit und du wirst sehen, wie schnell er dir absagt! Was gilt’s?“ Und Gott gibt Hiob erneut in die Hände des Satans. Nur dessen Leben zu nehmen verbietet er ihm. So wird Hiob also auch noch krank. Geschwüre bedecken seine Haut von den Fußsohlen bis zum Scheitel. Mit einer Scherbe sitzt er in der Asche und schabt seine Haut, eine Gestalt des Elends zu der sogar die eigene Frau spricht: „Jetzt sag Deinem Gott doch ab und dann stirb endlich!“ Und trotz allem hält Hiob Gott immer noch die Treue und versündigt sich nicht. Das also war passiert als Hiob ruft: „Gott, was ist der Mensch? Eine Blüte die verwelkt, ein Schatten der vergeht und doch wendest du dich ihm zu. Warum wendest du dich nicht von ihm ab damit er Ruhe hat bis sein Tag kommt, auf den er sich freut wie ein Tagelöhner?“

Hoffnungslos klingt dieses Gebet Hiobs. Und wir, die nun seine Geschichte erfahren haben, können das gut verstehen. Hier ist ein Mensch von ganz oben nach ganz unten gestoßen worden, vom Gipfel des Glücks in die Abgründe der Not. Da ist wirklich kein Platz für Hoffnung oder gar Trost? Auf den ersten Blick wenigstens, denn eines wird trotz allen Leides deutlich. Gott hat Hiob nicht vergessen. Trotz aller Vergänglichkeit schenkt Gott ihm und damit allen Menschen seine Aufmerksamkeit. Jedes einzelne seiner Geschöpfe ist ihm so wichtig, dass er sich persönlich um dessen Leben annimmt, damals und auch noch heute, in einer Zeit da die Weltbevölkerung die sechs Milliarden-Marke längst überschritten hat! Manchmal, wie im Falle Hiobs, mag diese Aufmerksamkeit weh tun, sodass wir wünschten wir wären ihm egal. Und oft können wir die Wege nicht verstehen, die Gott mit uns geht. Aber aus der Bibel können wir herauslesen: So schlimm Hiob auch mitgespielt wurde, Gott hat ihn in seiner Not nicht aus den Augen gelassen. Obwohl er dem Teufel erlaubt hat, nach Belieben mit ihm zu verfahren, setzte er dabei doch klare Grenzen. Bis hierher und nicht weiter. Schone seinen Leib, schone sein Leben. Hiob war in allem Leiden auch nicht einen Moment von Gott verlassen.

Ich meine, das ist der Hoffnungsschimmer, der trotz der trostlosen Dunkelheit dieses Bibelabschnittes, am Horizont aufleuchtet: Gott verliert uns niemals aus den Augen! Da mag uns der Teufel übel mitspielen und versuchen uns von Gott zu trennen. Doch wird er es nie schaffen die Verbindung zu unserem Schöpfer ganz zu durchschneiden. Denn der erlaubt es ihm nicht. Mit der Taufe hat Gott ein Band zwischen uns und ihm geknüpft, das unauflöslich ist. Das hat er versprochen. Mag sein, dass sich dieses Band ausdehnt, sodass wir vielleicht sogar meinen es wäre zerrissen. Mannigfaltig sind die Einflüsse die uns das glauben machen wollen: Geld und Reichtum können das sein aber auch Armut – beides kann unzufrieden machen. Fernsehen kann es sein, das Computerspiel, das warme Bett am Sonntagmorgen, an dem doch endlich mal Zeit ist auszuschlafen – und natürlich das Leid, das uns treffen kann wie ein Faustschlag. Dann sind wir schnell dabei mit Gott zu hadern, ihn anzuklagen: Warum lässt du das zu, wo bist du denn – ja, dich kann es doch gar nicht geben, Gott, wenn ich mich in dieser Welt so umschaue!

Bevor es soweit kommt, sollten wir uns an die Geschichte Hiobs erinnern. Er war ganz unten. Sein Leid war unermesslich. Trotzdem hat er an Gott festgehalten. Ich glaube nicht, dass er die Verbindung zwischen ihm und Gott in seiner Not spüren konnte und doch hat er darauf vertraut, dass sie noch da ist. So wie Hiob dürfen auch wir uns auf Gott verlassen, auch und vor allem dann wenn wir Zeiten durchleben müssen in denen wir uns gottverlassen vorkommen. Ich habe mich dabei an eine kleine Geschichte erinnert. Sie steht in unserem Gesangbuch und viele von Ihnen werden sie schon kennen. Aber ich denke, es schadet nicht, sie wieder einmal neu zu hören:

Eines Nachts hatte ich diesen Traum: ich ging mit Gott, meinem Herrn, am Strand entlang. Vor meinen Augen zogen Bilder aus meinem Leben vorüber, und auf jedem Bild entdeckte ich Fußspuren im Sand. Manchmal sah ich die Abdrücke von zwei Fußpaaren im Sand, dann wieder nur von einem Paar. Das verwirrte mich, denn ich stellte fest, dass immer dann, wenn ich unter Angst, Sorge oder dem Gefühl des Versagens litt, nur die Abdrücke von einem Fußpaar zu sehen waren. Deshalb wandte ich mich an den Herrn: »Du hast mir versprochen, Herr, Du würdest immer mit mir gehen, wenn ich Dir nur folgen würde. Ich habe aber festgestellt, dass gerade in den Zeiten meiner schwierigsten Lebenslagen nur ein Fußpaar im Sand zu sehen war. Wenn ich Dich nun am dringendsten brauchte, warum warst Du dann nicht für mich da?« Da antwortete der Herr: »Immer dann, wenn Du nur ein Fußpaar im Sand gesehen hast, mein Kind, habe ich Dich getragen.

Ich denke, so hat Gott Hiob getragen und auch Sie und mich in Zeiten der Not, in denen wir meinten mutterseelen allein zu sein. Das ist die große Hoffnung, die wir mit heim nehmen dürfen aus diesem Gottesdienst. Denn Gott liebt uns. Er hat das bewiesen mit dem Leben und Sterben unseres Herrn Jesus Christus. Wir können getrost darauf vertrauen, dass er keinen von uns fallen lassen wird, auch wenn wir versagen, wenn Satan es schafft unsere Verbindung zu ihm soweit zu überdehnen, dass es scheint sie wäre gerissen. Es kann dann schon sein, dass es uns nicht erspart bleibt, und in unserem Leben zu fühlen wie ein geknicktes Rohr oder ein glimmender Docht. Aber Gott wird gerade das nicht zerbrechen und auch den letzten kleinen Funken nicht auslöschen. Und so wie sich Hiobs Schicksal am Ende zum Guten gewendet hat, dürfen wir darauf trauen, dass auch unser Leben zu einem guten Ende geführt wird.

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