Schäfer

In einer uns bekannten Tageszeitung las ich vor etwa vor acht Wochen eine recht interessante Meldung. Da wurde irgendwo in unserer Republik eine Stelle für einen Schäfer ausgeschrieben. Für dieses Arbeitsfeld meldeten sich 165 Männer und 38 Frauen.

Was mag diese Menschen wohl dazu bewogen haben diesen Beruf zu ergreifen? War es vielleicht der Hauch von Freiheit, ein Leben in der freien Natur?

Wie der Beruf des Schäfers in der heutigen Zeit tatsächlich aussieht und welche Anforderungen ihm oder ihr tatsächlich abverlangt werden, das wusste wohl kaum einer dieser Bewerber und Bewerberinnen.

In biblischer Zeit sah dieses ganz anders aus. Die Vorfahren des jüdischen Volkes waren Nomaden, sie waren Hirten von Schafen und Ziegen.

Der Beruf des Hirten war in dieser Zeit ein harter und auch sehr gefährlicher Beruf. Seuchen konnten die Herden befallen und vermindern. Dadurch wurde sehr oft die Lebensgrundlage der Menschen in Frage gestellt.

Nicht selten kam es vor, dass Hirten mit ihrer Herde von Räubern überfallen wurden und ausgeplündert wurden. Wassermangel in der Wüste war eine ständige Bedrohung. Und wenn wilde Tiere in die Herde einfielen, dann musste der Hirte unter dem Einsatz seines Lebens die Herde verteidigen.

So können wir auch verstehen, dass im alten Orient die Herrscher von Völkern und auch die Priester sich gerne den Beinamen: „Hirte“ geben ließen. Dies alles war den Menschen zu Lebzeiten Jesu und auch noch in späteren Jahrhunderten wohl bekannt.

Und auf diesem Hintergrund können wir das Wort Jesu: „Ich bin der gute Hirte“ auch verstehen. Jesu hat die Worte: „Ich bin“ bewusst gewählt und auch stark betont.

Jesus sagt: „Ich bin der einzige Hirt! Keiner sonst!“ Nur Christus kennt den Weg, der uns zum Heil führt. Alle Vorherrschaft von Menschen ist ein Fehlschluss; den diese kann das Heil für nicht vermitteln.

Jesus stellt sich uns Menschen vor: „Ich bin der gute Hirte!“ Und genau so hat Gott sich bei der Gesetzgebung dem Mose vorgestellt: „Ich bin der Herr dein Gott.“

Hier spricht jemand, der von derselben Art ist, wie Gott selbst. Unsere Worte verlaufen im Nichts. Doch das Wort Jesu bleibt wie er selber. Das göttliche „Ich bin“ behält für immer seine Gültigkeit und sein Wille uns zu tragen hört niemals auf.

In der Hektik unseres Alltags können und dürfen wir mit all unseren Herzens- und Lebenssorgen zu ihm kommen. Und wir dürfen gewiss sein, dass er uns bis in unser Innerstes hinein versteht und auch berät. Es gibt nur einen einzigen, der angesichts einer Todesbedrohung uns nicht verlässt und nicht flieht. Liebe Gemeinde, das ist Jesus Christus, der verlässliche Hirte. Wer sich an ihn wendet, wird das persönlich erfahren.

Jesus war zwar während seines irdischen Lebens auch vom Tode bedroht und der Tod überwand auch ihn, so wie eine jede und jeden von uns am Ende unseres hiesigen Lebens.

Doch Jesus gab sein Leben stellvertretend für die Schafe hin. Und deshalb hat Gott eingegriffen und Jesus nicht im Tode gelassen, nein, Gott hat ihn vom Tode auferweckt und mit einem Leben beschenkt, welches vom Tod nicht mehr angegriffen werden kann.

Im Umgang mit Jesus Christus erleben wir, was Jesus mit seinem Vater erlebte. Wir erleben, dass wir von ihm geliebt sind. Das ist das Entscheidende und das ist das, was wir brauchen. Mit unserem Körper und Verstand alleine ist es uns nicht möglich zu leben. Das Herz gehört mit dazu. Und dieses spricht der Gute Hirte an.

Wie schnell wehren wir uns und blockieren unsere Nächste, unseren Nächsten, wenn er oder sie von seinen, von ihren Sorgen erzählt oder diese uns gar aufbürden wollen? Eine jede und jeder hat mit sich selbst genug zu tun.

Jesus ist anders, er denkt nicht an sich, ihm geht es nicht um sich selbst, sondern um die Herde, um uns. Er denkt nur an die anderen und fragt nicht einmal nach seinem eigenen Leben. Das lässt Jesus sogar für die Seinen.

Was dem Arzt die Patienten sind, liebe Gemeinde, das sind für Jesus die Menschen. Ja, die Menschen auf der ganzen Welt, auch dort, wo diese noch nichts von ihm wissen.

Jesus, dieser Einmalige und Einzigartige versichert uns, dass er alle Vorsorge, alle Seelsorge und Fürsorge für uns, ja, für alle Menschen auf sich nehmen will. Sollten wir das ausschlagen?

Diese Frohe Botschaft Jesu werden wir nur dann weitergeben können, wenn wir als seine Gemeinde unter seinem Hut stehen. Und deshalb ist es so wichtig, liebe Gemeinde, dass wir uns um ihn sammeln und uns von ihm führen lassen. Führen lassen in die nächste Umgebung und ebenso in die weiteste Ferne mit der großen Freude im Herzen, dass Jesus tut, was er sagt.

Wo nicht nur Christen, sondern die ganze Menschheit nach Weisung und Sicherheit fragt und kein Mensch sagen kann, wie diese zu erreichen sind, da gibt uns Jesus Antwort: „Ich bin der gute Hirte.“

Dies gilt zu allen Zeiten und an dieser Tatsache hat kein Ereignis in der Geschichte unserer Welt etwas geändert.

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