Meine Zeit steht in Gottes Händen

Liebe Gemeinde,

"Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe". [Taschen-Uhr zeigen als Symbol für die Unruhe der Zeit] Ein betagtes Modell. Mechanisch. Eine Feder hält die "Unruhe" in Gang. Über ein kompliziertes System von Zahnrädern bewegt sie die Zeiger. Die Unruhe ist sozusagen das Herz der Uhr. Unser Leben richtet sich ziemlich stark nach diesem kleinen Ding und seiner Unruhe.

Es ist aber ein Irrtum zu denken, Schuld an der Unruhe und Hektik sei die Uhr. Die Unruhe steckt in uns drin. Bloß nichts verpassen, die neue CD, das neue Spielzeug, das neue Auto, Erfolg im Beruf … Bei der Uhr hört die Unruhe erst auf, wenn sie abgelaufen ist, also tot ist. Das ist das, was Hiob hier sagt: Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe. Er hatte zwar noch keine Uhr, kannte aber schon die Unrat und Hektik der menschlichen Zeit. Und auch der Kirchenvater Augustin, der noch keine Uhr kannte, wusste darum: "Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir." Also nicht der Tod ist das Ziel. Gott ist das Ziel auf das hin unser Herz unruhig schlägt.

Der Mensch "geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht." [Herbst-Blatt als Symbol für die Vergänglichkeit] Frühling die Kindheit; Sommer das Erwachsen-Sein, Herbst das Alter und Winter der Tod. Am Bett eines von Krankheit und Tod gezeichneten Menschen drängt sich mir oft der Gedanke auf, wie der Mensch wohl in seiner Jugend und Kraft ausgesehen hat. Jetzt ist er nur noch ein Schatten seiner selbst. Wir Menschen leiden unter der Flüchtigkeit des Lebens:
– spätestens ab Mitte vierzig findet einer nur noch schwer eine Arbeitsplatz;
– spätestens ab 50 treten deutliche Korrosionserscheinungen auf;
– Krankheiten bedrängen uns, mit denen wir mit allen Mitteln zu entgehen suchen.

Wie schnell sind wir nach dem Tod vergessen. Daher kommt auch die Hast, noch möglichst viel fertig zu bringen. Nicht die Maschinen und Arbeitgeber hetzen uns, sondern unsere eigene Unruhe. Wir wollen unser Schäfchen noch ins Trockene bringen. Das Bild des Schatten zeichnet uns treffend.

"Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, dass du mich vor dir ins Gericht ziehst." [Buch als Symbol für das Buch des Lebens] Obwohl der Mensch so vergänglich ist, sieht Gott jeden, es kommt ihm auf jeden einzelnen an. Gott nimmt uns trotzdem ernst. Kein Wort, kein Gedanke, keine Tat sind so unwichtig, als dass er uns nicht zur Rechenschaft ziehen würde. Alles ist in das Buch des Lebens geschrieben, nachdem am Ende einmal Gericht gehalten wird. Strafe und Gottes Liebe gehören zusammen. Gott will aus Liebe die böse Welt zurechtbringen.

"Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!" [Drachen und Stein als Symbol mit eigener Kraft zu Gott zu kommen] Wer kann vor Gott bestehen? Wir berufen uns gerne auf unsere Anständigkeit. Aber es gibt genügend Anzeichen für unsere Schuld. Wir müssten nur mal unsere Feinde fragen. Wenn wir versuchen, mit unserer Anständigkeit zu Gott zu kommen, ist das genauso, wie wenn wir versuchen einen Stein als Drachen fliegen zu lassen. Wir sind mit unserer Schuld so schwer wie Stein, mit dem wir versuchen wie ein Drachen zu Gott zu fliegen.

Unsere Schuld liegt tief. Denn unsere Taten sind das Ergebnis unseres Verhältnisses zu Gott. Wir haben von Natur aus kein Vertrauen und keine Liebe zu Gott. Unsere Schuld liegt tief in uns verwurzelt. Es wird kein Kind mit Gottvertrauen und Gottesliebe geboren. Jedes Kind muss diese Liebe und dieses Vertrauen in Jesus Christus kennen lernen, damit es an Gott glauben kann. Denn erst wenn ich dieses Vertrauen gewinne, werde ich wie ein von Jesus Christus von meiner Schuld erleichtert, leicht wie ein Drache, der auch fliegen kann. Denn die normale Reaktion des Menschen ist darum seit Adam und Eva die gleiche: er will sich vor Gott verstecken. Das wird in den beiden letzten Versen des Textes von Hiob deutlich:

"Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann: so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt, auf den er sich wie ein Tagelöhner freut." [Bild Alpha/Omega als Zeichen der Ewigkeit Gottes] Hiob wäre es lieber, wenn Gott wegschauen würde. Wenn ihr Kinder Blödsinn machen wollt, dann ist es euch doch auch lieber, wenn eure Eltern wegschauen.

Kurzum: Wir brauchen Hilfe! Der Hilferuf wird deutlich am Gebetsruf: Herr erbarme dich, wie wir ihn am Anfang des Gottesdienstes miteinander gesungen haben. Wichtig sind drei Dinge:

1) Gott liebt dich trotzdem
Gott ist über deine Fehler und deinen Ungehorsam traurig. Er liebt dich immer noch und möchte, dass du wieder Gemeinschaft mit ihm hast. Wie auf dem Konfirmandenbild ist er das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende der Gemeinschaft.

2) Gott kommt zu dir
Gott wartet in seiner Liebe nicht darauf, dass du zu ihm kommst. Er hat sich in Jesus Christus auf den Weg zu dir gemacht. Wie auf dem Konfirmandenbild ist er das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende der Liebe.

3) Gott nimmt in Jesus die Strafe auf sich
Gott nimmt uns in Jesus Christus die Schuld ab. Der Reine hat für dich Unreinen gelitten. Die Sehnsucht nach der Ruhe wird gestillt. Unruhig ist das Herz …

Gott befreit uns von Schuld samt ihren Folgen der Hast und Vergänglichkeit. Jesus Christus hat mit seinem Kreuz diesen Kreis der Unreinheit durchbrochen. Wie auf dem Konfirmandenbild ist er das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende der Erlösung. Auf Martin Luther Kings Grab stehen die Worte: Frei, endlich frei, frei von Schuld, frei von Tod. Am Ende der Erlösung heißt es nicht mehr. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. Sondern Jesus sagt: "Wer an mich glaubt, der wird nimmermehr sterben." Er wird leben in Ewigkeit. Dann kannst du mit David die Worte aus dem 31. Psalm beten: Meine Zeit steht in deinen Händen.

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