In Jesu Nachfolge leben …

Der heutige Sonntag, der drittletzte Sonntag im Kirchenjahr, fällt in eine kalte, trübe und auch neblige Jahreszeit. Die Tage werden immer kürzer, die Zeit des Beerenpflückens und Pilzesuchens ist vorbei. Nur noch vereinzelt kämpfen sich Heißluftballons durch den Nebelschleier in den Himmel. Es ist November.

In dieser Jahreszeit werden Einsamkeit und Alleinsein wieder zu schwerwiegenden Problemen für kranke und ältere Menschen. Und Menschen, die in diesem Jahr einen Todesfall zu beklagen hatten, werden in diesen Tagen noch deutlicher an den Tod erinnert.

Nicht nur die Probleme der Menschen in ländlichen Gebieten, sondern auch der in den Städten und industriellen Ballungsräumen nehmen permanent zu. Angefangen bei der wirtschaftlich schlechten Lage in unserem Lande bis hin zu den Generationskonflikten in unseren Familien, werden diese Probleme wieder stärker empfunden. Die Miseren von jetzt und heute bedrücken uns.

Es gibt keinen perfekten Ort auf dieser Welt und keinen Menschen, der nur Glück erlebt. Wäre es da nicht angebracht, wenn mit einem Mal, von einem Tag auf den anderen alles, was uns bedrückt, hinweggefegt werden würde? Könnte Gott das nicht einfach so machen?

Wir glauben an den Frieden und auch an bessere Zeiten und dass die Zukunft uns hellere Tage bringen wird. In unserem Alltagstrott benötigen wir etwas Neues. In unserer Dunkelheit brauchen wir Licht, in unserer Einsamkeit benötigen wir Gemeinschaft und in unserem Glauben, da brauchen wir Hoffnung.

Die ersten Christen, liebe Gemeinde, haben nicht, so wie wir heute von vielen Hoffnungen gelebt, nein sie haben nur von einer Hoffnung gelebt und zwar von der, dass der Herr bald wieder kommen wird. Und weil sie von der Sorge erfüllt waren, unvorbereitet vom Tag des Herrn überfallen zu werden, haben sie sich von Anfang an um Wachsamkeit und Nüchternheit bemüht.

Die Hoffnung auf den Tag des Herrn ist bis zum heutigen Tage nicht in Erfüllung gegangen. Das vergebliche Warten über eine so lange Zeit, das macht müde. Ist das nicht vielleicht auch der Grund dafür, dass wir Christen so müde geworden sind?

Gott sei Dank steht der Advent vor der Tür. Dies müssen wir uns in aller Deutlichkeit mal klarmachen, denn sonst verpassen wir ihn noch in all dem Nebel und im Grau unserer Gedanken unseres Alltages. Der wirkliche Advent, liebe Gemeinde, kommt nicht mit Pauken und Trompeten und auch nicht mit den vielen Leuchtschriftreklamen in den Geschäften.

Der Advent, er kommt wie die Liebe, wie die Gerechtigkeit und der Frieden. Der Advent, er kommt wie Gott, mitten in der Nacht in die Mitte unserer kaputten Welt.

Der Friede Gottes sieht anders aus, als ihn die Herren und Damen der Politik uns verkaufen wollen. Und wenn gerade diese zuviel vom Frieden reden, dann ist oft Krieg und Hunger nicht mehr fern. Lasst uns deshalb nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein, denn dann wird auch im Nebel der langen Novembertage genug Licht sein und die Tage lang genug sein, dass wir seine Ankunft nicht wie einen Dieb in der Nacht erleben.

Während die Welt schläft, sollen wir wachen. Paulus vergleicht uns Christen mit einer einsamen Krakenschwester, die des Nachts durch die leeren Gänge eines Krankenhauses läuft, während die kranken Menschen in ihren Betten den Schlaf suchen. Sie hat Nachtwache; sie muss einen klaren Kopf haben. Sie darf kein Medikament verwechseln. Ihre Arbeit muss sie peinlichst genau machen. Sie muss sich rufen und stören lassen, ohne nervös zu werden.

Die Welt schläft. Ihre Schläfrigkeit mag wohl darin bestehen, dass sich die meisten von uns sich auf ihr kleines Privatleben zurückgezogen haben und der großen Welt ihren Lauf lässt.

„Wir können ja doch nichts ausrichten“, höre ich oft die Menschen sagen, „also bleiben wir unter uns, am besten, ein jeder und jede für sich selbst.“

Diesen Zustand, liebe Gemeinde, würde der Apostel Paulus als Schlafen bezeichnen. Das aber ist, so denke ich, kein gesunder und gesegneter Schlaf, sondern eher ein gefährlicher und heilloser Schlafzustand. Wir als Gemeinde Jesu Christi, wir sollen da nicht mitmachen.

Und selbst, wenn wir gar nichts anderes tun können als nur zu beten, dann sollen wir aber im Gebet wach und nüchtern bleiben und auf diese Weise am Geschehen der großen Welt teilnehmen. Aber wir müssen auch dabei lernen, nüchtern und wach Stellung zu den Problemen der Welt zu nehmen. Das ist unsere Nachtwache, liebe Gemeinde!

Wir dürfen die Geschicke dieser Welt nicht nur den Fachleuten überlassen, denn wir wissen, dass die Welt einem gemeinsamen Schicksal entgegengeht: der Wiederkunft des Herrn. Das muss uns wach halten.

Wir leben zwar in einer lieblosen und recht kalten Welt, aber Jesus Christus hat einem jeden und jeder von uns die Liebe Gottes vorgelebt. Und deshalb sollen auch wir uns auf unserem Lebensweg mit Liebe begegnen.

Die Nöte und Dunkelheiten dieser Welt, denen wir heute und morgen begegnen werden, die dürfen und sollen nicht das letzte Wort haben.

Und deshalb mahnt uns Paulus, dass wir uns an Jesus Christus orientieren und in seiner Nachfolge leben sollen. Denn zuerst war die Gnade Gottes da, der für uns gestorben und auferstanden ist, damit wir als Kinder des Lichts leben können.

Und weil wir in seiner Gnade leben dürfen und können, ermahnt uns Paulus dieses unser geschenktes Leben gut zu nutzen, in dem wir wachsam und nüchtern sind.

Denn am jüngsten Tage wird es sich zeigen, dass es Gott nicht egal ist, was wir getan und gelassen haben.

So lasst uns nun unseren Weg, durch diese lieblose und kalte Welt, nüchtern und ohne Angst gehen, denn mit uns geht der auferstandene Herr Jesus Christus.

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