Epiphanias – das vergessene Fest

Liebe Gemeinde!

In der Adventszeit gab Hans-Jürgen Hufeisen ein Konzert in der Pauluskirche zu Bad Kreuznach. Es stand unter dem Thema: Gold, Weihrauch und Flöte. Es stellte die drei Könige und ihre Gaben in den Mittelpunkt. Dieses Konzert hat mich angeregt, über Epiphanias, das vergessene Fest nachzudenken. Man stelle sich vor: Eine Weihnachtsgeschichte ohne die drei Könige: unglaublich! Denn wer sonnst hätte die Nachricht vom göttlichen Kind zu den Menschen gebracht? An der Krippe begegneten sich Menschen aus verschiedenen Religionen und Traditionen und überreichten ihre Geschenke. Auf ihrer Reise nach Bethlehem wollen wir sie begleiten.

<i>[Lied: Auf Seele säume nicht … EG 73,1+2]</i>

Als erstes stelle ich Ihnen Caspar vor: Ich sehe ihn so: ein Aristokrat aus Persien, ein Gelehrter und Forscher, Astronom und Astrologe, Mitglied einer Priesterkaste, ein Magier. Caspar kam von der weiten Hochebene des Irans, wo die Luft am Tag so klar ist, dass ferne Sterne mit bloßem Auge zu sehen sind. Aus alten persischen Überlieferungen war damals bekannt, dass der göttliche Lichtbringer für die Welt durch ein Sternenfeuer gezeugt wird und Rettung für die Welt bringt. Und als Zeichen dafür sollte ein Stern vom Himmel fallen. Und nun folgte Caspar diesen Stern, um seinen Lichtbringer, den Morgenstern, für die ganze Welt zu finden.

<i>[Lied: Auf Seele säume nicht … EG 73,4+5]</i>

Melchior war ein arabischer Karawanenführer aus Petra im heutigen Jordanien. Er war Fürst der Nabatäer. Die Nabatäer waren Händler. Sie beherrschten die berühmte Weihrauchstraße, die von Südarabien bis zum Gazastreifen führte, und trieben Handel mit Gold und Weirauch. An jenem neuen Morgen entzündete Melchior kostbaren Weihrauch und setzte sich davor und schwieg,. Mit diesem Ritual emfing er für sich und für sein Volk den Geist für den neuen Tag. Melchior war darauf spezialisiert, die Karawanen nachts nach den Sternen zu führen. Als er nun plötzlich eine neue Sternenkonstellation erblickte, hielt er seine Karawane an. Nach den Erfahrungen und Überlieferungen seiner Vorfahren wusste er, dass er nicht einfach seinen Weg wie gewohnt weiter gehen darf, wenn neue Sterne am Himmel auftauchen.Melchior folgte dem leuchtenden Stern, um zu sehen, wohin er ihn führen würde.

<i>[Lied: Du Morgenstern, du Licht vom Licht … EG 74,1+2]</i>

Balthasar – ich stelle ihn mir vor: Ein Stammesältester, ein Scheich aus der weiten Steppe im Osten Syriens. Balthasar war als Heiler bekannt. Mit geheimnisvollen Gesängen, mit Kraftzeichen auf der Erde und am Himmel kannte er sich ganz gut aus. Er wusste von der Heilkraft der Kräuter, Steine und Lieder. Balthasar kannte die alten Mythen und er wusste: immer dann, wenn das Verbrechen der Menschen überhand nimmt, wenn die Ehrfurcht vor dem Heiligen schwindet, dann er schafft die Gottheit sich selbst als Mensch, um eine Wende herbeizuführen. Als Bathasar den neuen Stern sah, machte er sich auf den Weg. Denn sein Volk war von fremden Kriegern heimgesucht, seine Heimat verloren, sein Stamm aufgerieben. In der blühenden Handelsstadt Palmyra traf Balthasar auf Casper und Melichor, die wie er von dem Königsstern eine neue Zukunft erwarteten. Nun zogen sie zu dritt weiter und folgten ihrem Stern. Balthasar sah den Stern nicht nur am Himmel, er ging auch in seinem Herzen auf.

<i>[Lied: Der Morgenstern ist aufgedrungen … EG 69,1+4]</i>

Die drei Könige kamen nach neun Monden Wanderung in Bethlehem an. Sie fanden ein neugeborenes Kind in einer Krippe liegen. Maria und Josef waren seine Eltern. Als Caspar den Sternenkönig sah, nahm er aus seinem Reisesack etwas Zunder und Reisig und entzündete ein Feuer. Als es brannte, ging er darum herum, verbeugte sich in alle Windrichtugnen, zog aus seinem Gewand einen Reif aus schwerem, massivem Gold, hielt ihn über das Feuer, hob ihn hinauf zum Himmel und sprach: Du Neugeborener, Du heiliger Morgenstern! Gold aus den Tiefen der Erde ist ein Abglanz des Lichts der Sonne. Gold als Zeichen verleiht dir göttliche Würde. Gold zum Reif geschmiedet, schenkt dir göttliche Treue und fordert dich auf, Licht in die Welt zu tragen. Dann sang er sein Lied von der neuen Welt.

<i>[Lied: Wie schön leuchtet der Morgenstern … EG 70,1+3]</i>

Als Melchior seinen Sternenkönig sah, breitete er einen Teppich aus, auf dem er eine kostbare, mit Intarsien geschmückte Schatulle öffnete. Darin lag Weihrauch aus Südarabien. Melichor sprach: Mein Friedensfürst, Du Himmelsbote! Der Weihrauchduft ist der Atem der Ede, der sich verzehrt, um seinen Schöpfer zu loben. Meine Seele erhebt sich zum Himmel. Möge der Geist aus Gott dem Kind eine Heimat sein. Denn Heimat ist dort, wo der Klang verweilt und die Liebe Segen verteilt. Und Melchior sang sein Lied. Und als er es geendet hatte, entzündete er den Weihrauch – so wie er es immer in der Wüste tat – setzte sich davor und schwieg.

<i>[Lied: Wie schön leuchtet der Morgenstern … EG 70,4+5]</i>

Nun war Balthasar an der Reihe, sein Geschenk zu überreichen. Er hielt inne, um den lautlosen Gesang des steigenden Weihrauchduftes nicht zustören. Er wußte ja von der Heilkunst der Stille. Als die Glut des Weihrauches erloschen war, erhob sich Balthasar und öffnete einen seiner vielen Beutel. Darin waren seltsame Steine, Figuren und kostbare Edelsteine. Diese legte er zu einem Kreis und streute Kräuter darauf. Dann nahm er ein Gefäß aus Allabast, gefüllt mit kostbarer Salbe, der Myrrhe. Die Myrrhe war nur zur Salbung für einen auserwählten König bestimmt. Balthasar ging auf Maria zu und übereichte ihr das Geschenk für das Kind und sprach: Dein Kind, der König des Heils wird wie ein Baum sein, in dessen Schatten die Menschen Zuflucht finden. Wo dieser Baum Wurzeln schlägt, wird das Paradies neu erstehen. Dort wird ein Strom, das Wasser des Lebens fließen, klar wie ein Kristall. Auf beiden Seiten des Stromes wachsen Bäume des Lebens, die tragen das ganze Jahr Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Und Balthasar sang das Lied vom Paradies und der tanzenden Freude.

<i>[Lied: Wie schön leuchtet der Morgenstern … EG 70,7]</i>

Unglaublich, aber so soll es gewesen sein: Nachdem die drei Weisen aus dem Morgenland die Geschenke überreicht hatten, war es spät geworden und sie legten sich unter dem Sternenhimel, um zu schlafen. In ihren Träumen erschien ihnen ein Engel, der sie aufforderte, in ihre Heimat zurückzukehren – und nicht wie ursprünglich geplant, den Machthabern des Landes von der Geburt des Königskindes in Kenntnis zu setzen. Das müssen Sie sich einmal vorstellen: Fremde Kulturen und Relgionen machen sich auf den Weg nach Bethlehem. Fremde Kulturen und Relgionen überreichen ihre Geschenke. Fremde Kulturen und Religionen erhalten einen gemeinsamen Traum, einen neuen Weg zu beschreiten.

<i>[Lied: Licht das in die Welt gekommen … EG 552,1-3 Rhld]</i>

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