Die Herrschaft Gottes wirkt mitten unter uns

Im Mittelpunkt unseres heutigen Predigttextes steht die Frage nach dem Anbruch des Reiches Gottes. Die Menschen warten auf dieses mit großer Spannung. Nach Möglichkeit soll es schon gleich morgen kommen.

Nichts sehnlicheres wünschen sie sich als von der harten Herrschaft der Römer befreit zu werden. In dieser Situation hatten die Israeliten die Hoffnung, dass mit dem Anbruch des Reiches Gottes eine Wende herbei geführt werde und sich dann alles zum Positiven verändern würde. So erwarteten die jungen und auch die alten Menschen ganz gespannt das Reich Gottes. Denn je eher es kommen würde um so besser für sie. Ja sie hielten Ausschau nach Anzeichen für das Kommen des neuen Reiches.

Doch niemand von ihnen wusste, wie das Kommen des Reiches Gottes geschehen werde; aber alle waren davon überzeugt, dass es bald kommen würde.

Wie enttäuscht müssen damals die Menschen von Jesus gewesen sein. Denn die Antwort, die er ihnen gibt, ist nicht die, die sie erwartet haben. Nein, Jesus nennt ihnen kein Datum, nicht einmal eines in der näheren und auch nicht in der entfernteren Zukunft.

Wie enttäuscht müssen damals die Menschen von Jesus gewesen sein. Denn wer sich vornimmt das Reich Gottes zu beobachten, der wird bitter enttäuscht. Wir sehen es nicht.

In seiner Antwort an die Menschen von damals reiht Jesus Bild an Bild, um die Herrschaft, das Reich Gottes zu beschreiben.

„Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen“, „Tut Buße und glaubt an die frohe Botschaft!“, erklärte Jesus am Anfang seines Wirkens in Galiläa.

Gott hatte Jesus gesandt, um seine Herrschaft aufzurichten und der bösen Zeit, in die die Welt geraten war, ein Ende zu setzen. Ja, um einen neuen Anfang zu machen und eine neue Zeit herbei zu führen. Doch die Welt hat ihn nicht erkannt.

Reich Gottes, liebe Gemeinde, das ist die Herrschaft Gottes. Die Gegenwart des Reiches Gottes wurde in den Wundern Jesu und ebenso in den Dämonenaustreibungen sichtbar. Jesus heilte körperliche und seelische Gebrechen, um die Macht dieses Reiches zu zeigen.

Jesu Leben und ebenso seine Lehre zeigen uns, dass dieses Reich schon da ist. Den Pharisäern sagte Jesus, dass das Reich Gottes mitten unter ihnen ist. Ja, er selbst, Jesus, ist damit gemeint. Sie konnten ihn zwar sehen, aber sie erkannten ihn nicht.

Jesus starb für die Sünde der alten und sündigen Schöpfung und wurde auferweckt zum ewigen Leben in der neuen Schöpfung, zum Leben im Reich Gottes. Doch vollkommen wird dieses Reich Gottes erst am Ende der Zeiten sein, nämlich bei der Wiederkunft Jesu, dann werden auch alle Dinge neu werden.

Wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. Für manche von uns wird der Blitz seiner Wiederkunft eine Blendung sein und für andere eine Erleuchtung.

Und das alles wird in einer Zeit kommen, in der das Leben weitergeht, weitergeht mit Essen und Trinken, mit Heirat und Handel, mit dem Bestellen der Äcker und der Ernte, mit dem Bauen und Zerstören.

Ja, die Herrschaft Gottes, ist, so denke ich, liebe Gemeinde, in dem Wechsel unseres Lebens verborgen. Sie wirkt mitten unter uns, die wir tagtäglich unseren Beschäftigungen und Gewohnheiten nachgehen.

Noah baute die Arche. Seine Mitmenschen schüttelten den Kopf. Warum baut er ein Schiff, wo doch alles trocken ist? Die große Flut war noch nicht da. Lot und seine Familie flüchteten, obwohl Feuer und Schwefel noch nicht ausgebrochen waren. Warum?

Menschen, die ohne ersichtlichen Grund aus dem Alltagsgeschehen aussteigen, sie werden von einer inneren Unruhe ergriffen. Sie werden von dem verborgenen Handeln Gottes ergriffen, von seinem Wirken, von seiner Herrschaft.

Mitten unter uns bereitet sich das Kommen Gottes vor. Allerdings bedürfen wir hier eines besonderen Spürsinnes und ebenso einer Bereitschaft, dem gegenüber, der da kommen wird, entgegen zu gehen.

Sein Kommen geschieht unerwartet und plötzlich, und unübersehbar so wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern.

Das Reich Gottes, liebe Gemeinde, beschreibt Jesus uns in den Gleichnissen vom Himmelreich bzw. vom Gottesreich. Und er sagt uns ganz deutlich, dass das Reich Gottes langsam wachsen wird, bis es schließlich die ganze Welt umfassen wird.

Und wenn wir an Jesus Christus glauben, dann haben wir schon hier und heute Teil an diesem neuen Leben und an diesem neuen Reich und werden in der Zukunft den neuen Himmel und die neue Erde erben.

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