Jesus-Nägel (Num 11,11-25)

Num 11,11-25
[11] Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, daß du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? [12] Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, daß du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? [13] Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch zu essen. [14] Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. [15] Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muß. [16] Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, daß sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, [17] so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen mußt. [18] Und zum Volk sollst du sagen: Heiligt euch für morgen, so sollt ihr Fleisch zu essen haben; denn euer Weinen ist vor die Ohren des HERRN gekommen, die ihr sprecht: »Wer gibt uns Fleisch zu essen? Denn es ging uns gut in Ägypten.« Darum wird euch der HERR Fleisch zu essen geben, [19] nicht nur einen Tag, nicht zwei, nicht fünf, nicht zehn, nicht zwanzig Tage lang, [20] sondern einen Monat lang, bis ihr’s nicht mehr riechen könnt und es euch zum Ekel wird, weil ihr den HERRN verworfen habt, der unter euch ist, und weil ihr vor ihm geweint und gesagt habt: Warum sind wir aus Ägypten gegangen? [21] Und Mose sprach: Sechshunderttausend Mann Fußvolk sind es, mit denen ich lebe, und du sprichst: Ich will ihnen Fleisch geben, daß sie einen Monat lang zu essen haben. [22] Kann man so viele Schafe und Rinder schlachten, daß es für sie genug sei? Oder kann man alle Fische des Meeres einfangen, daß es für sie genug sei? [23] Der HERR aber sprach zu Mose: Ist denn die Hand des HERRN zu kurz? Aber du sollst jetzt sehen, ob sich dir mein Wort erfüllt oder nicht. [24] Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. [25] Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

[Ich nehme mit auf die Kanzel: 1 großen Hammer, einen Balken mit fünf vorgeschlagenen Nagellöchern, fünf „Jesus-Nägel“ und einen weiteren solchen Nagel pro Konfirmand/In]

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

endlich ist der große Tag gekommen. Euer Festtag. Einige habe ich vorhin kaum wiedererkannt. Schön habt ihr euch gemacht. Auch eure Familien zeigen durch ihre Kleidung, dass das heute ein besonderer Tag ist. Die rote Seidenstola trage ich auch nur zu solchen hohen Festtagen. Ihr werdet heute konfirmiert. Konfirmieren heißt befestigen. Was da alles befestigt wird, möchte ich euch in einem Bild erzählen. Dafür habe ich erst Mal für jede von euch einen solchen großen Nagel besorgt.

[Verteilen]

Jesus-Nägel heißen diese Nägel auch. Und damit wisst ihr auch gleich das Wichtigste: Die Konfirmation hat etwas mit Jesus, mit Gott zu tun. Mit solch großen Nägeln wurde Jesus vermutlich damals auch ans Kreuz genagelt. Für Jesus schlage ich hier einen ersten Nagel ein.

[1 Nagel einschlagen]

Von Jesus habt ihr in den letzten beiden Jahren viel gehört. Geschichten aus seinem Leben. Reaktionen der Menschen auf ihn. Viel Streit hat er damals ausgelöst. Sich mit seiner Familie vor allem aber mit den religiösen Ordnungshütern immer wieder angelegt. Jesus hat seine Umwelt ordentlich durcheinander gebracht. Die Lebensbedingungen der Armen waren ihm wichtig. Vor allem aber das Miteinander der Menschen. Es gibt keine Rangordnung. Niemand ist wichtiger oder weniger wichtig. Zusammengefasst hat Jesus seine Botschaft im Wort von der Liebe: So wie Gott euch liebt, so sollt ihr euch untereinander lieben. Diese Botschaft soll heute bei euch befestigt werden. Weil das aber schon viel früher begonnen hat, schlage ich einen zweiten Nagel ein:

[2. Nagel einschlagen]

Dieser Nagel steht für eure Taufe. Sie gehört zur Konfirmation dazu. Damit hat es angefangen. Erst einmal geht es nämlich nicht darum, dass ihr etwas lernen und leisten müsst. Sondern als erstes hat Gott etwas für euch getan. In der Taufe hat er euch seinen Segen zugesagt. Die meisten von euch sind vor rund 13 Jahren hier in dieser Kirche auch schon getauft worden. Damals haben eure Paten und eure Eltern versprochen, euch vom christlichen Glauben zu erzählen. Euch so zu begleiten, dass ihr, wenn ihr alt genug seid, selber dafür entscheiden könnt. So wie ich euch im Unterricht kennen gelernt habe, ist das bei einigen mehr, bei anderen weniger intensiv geschehen. Als Getaufte Christinnen und Christen habt ihr in der Gemeinde andere Menschen kennen gelernt. Darunter sind viele, die ihren Weg mit Jesus schon gefunden haben. Andere sind noch auf der Suche. Ihr seid heute nach zwei Jahren Unterricht alle zu dem Entschluss gekommen, dass dieser Glaube für euch der richtige Weg ist. Das hält die Konfirmation fest. Sie schließt eure Taufe ab. Für die Konfirmation schlage ich einen dritten Nagel ein.

[3. Nagel einschlagen]

Dass dieser Festtag etwas Besonderes ist, das habt ihr schon gemerkt. Ihr steht im Mittelpunkt. eure Familie ist zum Teil von weit her gekommen, um diesen Tag mit euch zu feiern. Ihr habt hier vorne einen besonderen Ehrenplatz in der Kirche. Draußen haben wir vorhin schon Erinnerungsfotos gemacht. Es werden heute sicher noch einige dazu kommen! So ein herausgenommener Tag ist eine Hilfe. Ihr könnt euch euer Leben lang immer wieder daran erinnern. (Und ich denke, die meisten dieser Erinnerungen werden gut sein). Ihr könnt euch erinnern, an diesem 3. Juni 2001 habe ich mich zu meinem Glauben bekannt. Öffentlich. Vor vielen Menschen in der Stifts-Kirche. Diese Erinnerung hilft, wenn ihr euch einmal unsicher seid. Denn das gibt es leider auch im Leben. Zeiten wo euch alles schief zu gehen scheint. Dann könnt ihr an diesen Nagel denken.

Bei meiner Konfirmation hatte ich ja gute Gründe für diesen Glauben. (Klar, auch die Geschenke sind ein guter Grund. Aber ohne die Sehnsucht nach Gottes Kraft in eurem Leben würde es die Geschenke nicht geben. Diese Sehnsucht hat das Fest der Konfirmation so wichtig gemacht. Die Hoffnung auf einen Lebenssinn über Schule, Beruf und Familie hinaus. Diesen Lebenssinn hält der Nagel der Konfirmation für euch fest. Für den nächsten Nagel, den ich gleich einschlagen will, werde ich euch kurz den Text nacherzählen, der für heute als Predigttext vorgeschlagen ist. Dieser Text erzählt von Mose. Ihr erinnert euch, dass ist der Mann, der das Volk Israel durch Meer und Wüste aus Ägypten geführt hat; der Mann, der mit Gott gesprochen und von ihm die Zehn Gebote erhalten hat. In den Verfilmungen der Bibel wird Mose immer als ein starker, alter Mann gezeigt. Voller Macht und Charisma. Dieser Mose nun beklagt sich bei Gott: Warum legst du mir immer die Last dieses Volkes auf? Warum soll ich sie immer bemuttern? Sie tun was sie wollen und ich soll es wieder gerade biegen. Das ist mir zu anstrengend! Ich habe keine Lust mehr dazu! Und Gott antwortet dem Mose und gibt ihm Recht. Ja, Mose, du hast Recht. Ich werde die Last verteilen. Sammele mir die Weisesten zusammen. Ich will sie belehren und sie sollen alle Verantwortung für dieses Volk tragen. Und Gott kommt wie der Heilige Geist in der Pfingstgeschichte über die ausgewählten Helfer und sie beginnen als Prediger und Profeten zu lehren. Für Mose und die 70 Auserwählten schlage ich nun den vierten Nagel ein.

[4. Nagel einschlagen]

Dieser Nagel hat euch etwas mit euch zu tun. So sieht eure Zukunft aus. Mit der Konfirmation übertragen wir euch Verantwortung für diese Gemeinde. Ihr seid jetzt so gefestigt, so weise, dass ihr selber mitbestimmen könnt, was hier passiert. Natürlich sind noch längst nicht alle Fragen geklärt. Ich fürchte, dafür braucht man ein ganzes Leben. Ich selber bin jedenfalls noch oft auf der Suche, trotz Theologiestudium, trotz vieler guter Erfahrungen mit meinem Glauben. Ab heute sollt ihr hier das Gemeindeleben mitgestalten. Oft ergeben sich Antworten auf wichtige Fragen ganz nebenbei. Das habt ihr zum Teil bei eurem Gemeindepraktikum bei den Kinderbibeltagen spüren können. Da treffen sich Menschen, die miteinander Spaß haben. Eine Kirchengemeinde besteht aus den Menschen, die in ihr leben. Mit der Konfirmation werdet ihr zu selbstständigen und selbstverantwortlichen Glieder dieser Gemeinde. Eure Ideen und eure Mitarbeit entscheiden ab jetzt darüber, was hier möglich ist und was nicht. Das gilt in eurem Fall natürlich besonders für die Jugendangebote. Eure Ideen und eure Bereitschaft hier etwas zu gestalten, bestimmen darüber mit, was es geben kann. Einiges ist in den Jahren schon gewachsen. Den Kindergottesdienstvorbereitungskreis gibt es schon lange. Immer wieder neu finden sich Jugendliche, die diese Aufgabe übernehmen. Dass dazu auch eine Menge Spaß gehört, können euch diejenigen erzählen, die regelmäßig donnerstags dabei sind, auch aus eurer Gruppe. Ganz ähnlich ist es mit dem Jugendgottesdienstkreis. Er ist in letzten Jahr neu entstanden, weil Jugendliche für sich und andere nach einer Möglichkeit suchen wollen, einen an ihren Bedürfnissen orientierten Gottesdienst zu entwickeln. Der nächste Jugendgottesdienst wird übrigens am 23. Juni zum Thema „Bravo als Bibel – und dann?“ in der Stadtkirche sein. Neben solchen regelmäßigen Gruppen gibt es andere, die sich gerne für konkrete Aktionen beteiligen. Auf Freizeiten etwa oder bei Kinderbibeltagen. Das meiste, was in unserer Gemeinde geschieht, ist nur möglich durch das große Engagement von Gemeindegliedern, die sich dafür verantwortlich fühlen. Dafür will ich einen letzten Nagel einschlagen:

[5. Nagel einschlagen]

Dieser Nagel steht für euch und eure Ideen. Sie sollen in der Gemeinde so wachsen, wie der Baum, den wir nach diesem Gottesdienst draußen vor der Kirche einpflanzen werden. Jedes Jahr ein bisschen größer. So würde ich mir euer Engagement für diese Gemeinde wünschen. Vielleicht könnt ihr euch jetzt vorstellen, euren Nagel nach dem Konfirmandenunterricht für eine Zeit bei einer der Gruppen einzuschlagen. Vielleicht fällt euch aber noch etwas ganz anderes ein. Das wäre schön! Nur wenn ihr, als die nachwachsende Generation eure Ideen einbringt, kann sich etwas verändern. Die Älteren sind in der Regel mit dem zufrieden, was sie haben. Solche Nägel braucht man beim Bauen. Es ist jetzt an euch, die Gemeinde so umzubauen, dass ihr euch darin wohlfühlt.

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